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Arzneimittel-Skandal in Brandenburg

20 Krebspatienten erhielten Lunapharm-Medikamente

Das Gebäude der Lunapharm Deutschland GmbH in Mahlow.

Das Gebäude der Lunapharm Deutschland GmbH in Mahlow.

Potsdam. Im Pharmaskandal um gestohlene und nach Brandneburg importierte Krebsmedikamente gibt es vorsichtige Zeichen der Entwarnung. Das Brandenburger Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) geht von einer niedrigen Anzahl betroffener Patienten im Bundesland aus. Laut Behördenchef Detlev Mohr liegt deren Zahl voraussichtlich bei rund 20.

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Von elf Kunden wisse das Amt derzeit sicher, dass sie die Präparate erhalten hätten. Acht Apotheken in Brandenburg hätten Medikamente von Lunapharm vertrieben, so Mohr. Der Datenabgleich mit drei dieser Apotheken sei noch nicht erfolgt. Damit nannte Mohr erstmals eine konkrete Zahl von Empfängern – er war heftig dafür kritisiert worden, langsamer als die Berliner Behörden aufzuklären.

In Berlin haben mindestens 200 Kranke Arzneimittel von der Handelsfirma Lunapharm aus Mahlow (Teltow-Fläming) erhalten. Dem Arzneimittelhandel wurde mittlerweile die Betriebserlaubnis vorläufig entzogen.Die schlimmsten Befürchtungen hinsichtlich der Qualität der verabreichten Chemotherapie-Infusionen haben sich bislang nicht bewahrheitet: Alle 27 bisher untersuchten Proben von sichergestellten Krebsmedikamenten aus dem Vertrieb von Lunapharm sind laut Gesundheitsamts-Präsident Mohr unauffällig. „Es sind keine Mängel festgestellt worden“. Für zwölf weitere Proben liegen noch keine Ergebnisse vor. Die weitere Analyse könne sich noch einige Wochen hinziehen, sagte Mohr.

Nach Auffliegen des Handels mit Medikamenten, die mutmaßlich in griechischen Krankenhäusern gestohlen wurden, besteht die Sorge, dass die Mittel unsachgemäß gelagert worden sind. Eine unterbrochene Kühlkette etwa kann die Wirkung der Arznei aufheben oder heftige Nebenwirkungen verursachen.

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Brandenburgs Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke) trat Ende August zurück, weil eine Expertengruppe (“Task Force“) schwere Mängel in der Arzneimittelaufsicht des Landes festgestellt hatte. Justizminister Stefan Ludwig (Linke), der das Gesundheitsressort kommissarisch führt, hatte gegenüber der MAZ die sofortige Schaffung von zwölf neuen Stellen für Pharma-Inspektoren und Kontrollpersonal im Ministerium angekündigt.

Beunruhigend ist laut Gesundheitsamts-Chef trotz der überschaubaren Anzahl von Geschädigten in Brandenburg die Reichweite des kriminellen Netzwerks. „Das Ausmaß des vermutlich illegalen Arzneimittelhandels wächst von Tag zu Tag und von Woche zu Woche“, sagte Mohr. Das Landeskriminalamt untersuche derzeit Akten bis zurück ins Jahr 2013. Vertriebskanal für die mutmaßliche Hehlerware sei nicht allein Lunapharm gewesen. Man prüfe derzeit, Ware in Italien zu beschlagnahmen.

Der Gesundheitsamts-.Chef steht weiter heftig in der Kritik. Die Grünen-Gesundheitsexpertin Ursula Nonnemacher legte dem Präsidenten nah, er sei „als Leiter einer Landesbehörde diskreditiert“, weil wichtige Informationen nicht über seinen Tisch gegangen seien.

AfD-Parlamentarierin Birgit Bessin zeigte sich verwundert, dass Mohr „die Brisanz nicht klar war“, nachdem er in einer E-Mail eines Dezernatsleiters im März 2017 den Sachverhalt geschildert bekommen hatte. „Sie hatten die Informationen, hätten eingreifen müssen – und haben es nicht getan“, sagte der CDU-Abgeordnete Raik Nowka.

Von Ulrich Wangemann

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