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Brandenburger Superlative

201 Meter: Brandenburgs höchste Berge

Gipfelkreuz auf dem Hagelberg bei  Bad Belzig

Gipfelkreuz auf dem Hagelberg bei Bad Belzig

Belzig.Ja, es gibt ein Gipfelkreuz, auch wenn die Luft hier oben nicht besonders dünn ist. Es gibt sogar ein Gipfelbuch: „Sind begeistert! Und mit uns und der Natur rundum zufrieden. Neun glückliche Wanderer“, lautet einer der letzten Einträge. Zwei Helgas haben unterschrieben, am Ende Bernd und Uwe. Der Aufstieg hoch zum Hagelberg, nahe bei Bad Belzig, wird nicht viel Schweiß gekostet haben, die Wolken sind hier noch sehr fern. Die Aussicht gibt sich grundsolide, Wiesen, Bäume, hier und da ein Strauch. Der Reiz des unverstellten Blickes auf die ungeschminkte Mark.

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Ist das wirklich der höchste Berg des Landes Brandenburg? Es gibt darüber Unklarheit, die Thomas Schmöhl, Leiter des Heimatmuseums in Bad Belzig, lässig wegmoderiert. Schmöhl, 54 Jahre alt, fährt mit seinem Rad über den Hagelberg nach Hause, wenn er Feierabend hat in dem Museum auf Schloss Eisenhardt. Das lässt sich schaffen, denn die Hügel sind im Hohen Fläming moderat. „201 m ü. N. N.“ steht oben auf dem Kreuz, 201 Meter über Normalnull. Mittlerweile weiß man freilich, das ist ein wenig aufgerundet.

Ein Unterschied von 46 Zentimetern

Denn eigentlich sind es nur 200,24 Meter, wie eine moderne Satelliten-Messung jüngst gezeigt hat. Was aber kratzt das diesen alten Berg, bei dem am 27. August 1813 im Vorfeld der Völkerschlacht bei Leipzig gut 23.000 Mann aufeinander losgingen? Jahrzehnte lang galt er als unbestritten höchster Ort im Lande. Das neue Messverfahren stellte jedoch fest: Der Kutschenberg bei Großkmehlen in der Lausitz bringt es auf 200,70 Meter. Und liegt 46 Zentimeter über dem Hagelberg.

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Was sagen sie am Hagelberg dazu? Thomas Schmöhl kontert trocken: „Nach deutscher Rechtsdefinition ist der Kutschenberg kein Berg mit Gipfel, eher ein Höhengebiet, das wenige Meter vor Sachsen liegt.“ Unterm Strich sei das „kein echter märkischer Berg“. Schmöhl argumentiert ruhig, er möchte nicht von Konkurrenz sprechen, gleich gar nicht von Krieg, wie er mal ausgerufen wurde in der Boulevard-Presse. „Da will sich eben eine andere Region mit ihrem Berglein auch mal interessant machen.“

Der Hagelberg soll nicht aufgeschüttet werden

Ob man die Höhenangabe von 201 Meter wider besseres Wissen so belassen soll am Gipfelkreuz? „Wir ändern das nicht“, sagt Thomas Schmöhl, „mit dem Bau des Kreuzes haben wir die Höhe allemal erreicht.“ Es kursierte die Idee, man könne den Gipfel aufschütten, um der eingeschriebenen Zahl gerecht zu werden. Schmöhl lächelt. Er ist kein durchgedrehter Patriot, der krumme Dinger dreht, sondern ein seriöser Heimatforscher. „Es wäre nicht mal schwer, den Gipfel künstlich zu erhöhen, man kommt ja mit dem Sand auf einem Kleintransporter fast bis ganz nach oben.“ Den Gedanken aber denkt er nicht zu Ende. „Vielleicht eignet sich das mal als Kunstaktion – doch wenn es keiner wahrnimmt, wird die Sache albern.“

Auf dem Hagelberg wird sich nichts ändern. Die Leute fühlen sich da oben weiterhin als höchstgelegene Märker. Die Forscher haben mit den Satelliten überdies gesehen, dass es auf dem Weg zum Heideberg-Gipfel in Sachsen eine Stelle auf Brandenburger Seite gibt, die 201,40 Meter hoch ist. Doch auch hier lässt sich das Argument von Thomas Schmöhl heranziehen: Das ist kein eigener märkischer Gipfel. Hagelberg über alles! Manchmal ist das ein harter Kampf.

Als nächsten brandenburgischen Superlativ stellen wir das tiefste Bohrloch der Mark vor. Es befindet sich in der Nähe des Dörfchens Pröttlin in der Prignitz. Alle Beiträge unserer Serie finden Sie auf unserer Sonderseite:
www.MAZ-online.de/superlative

Von Lars Grote

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