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Digitalisierung

Brandenburgs Lehrer müssen weiter auf E-Mails warten

Brandenburgs Lehrer müssen eigene E-Mail-Konten für die Schule nutzen.

Brandenburgs Lehrer müssen eigene E-Mail-Konten für die Schule nutzen.

Potsdam. Die Versorgung von Brandenburgs Lehrern mit dienstlichen E-Mail-Adressen verzögert sich. Der Grund: Der zentrale IT-Dienstleister des Landes (ZIT-BB) sieht sich selbst nicht in der Lage, die Adressen für die rund 20.000 Pädagogen zu verwalten und sucht deshalb per europaweiter Ausschreibung nach einer alternativen Softwarelösung. Die Mail-Adressen sollen nun erst im zweiten Halbjahr des Schuljahres 2019/20 zur Verfügung stehen.

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Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) hatte das Projekt vor einem Jahr angekündigt, um damit die Digitalisierung der Schulen voranzutreiben. Bislang nutzen Lehrer für schulische Angelegenheiten meist ihre privaten E-Mail-Adressen. Das hat aus Sicht des Ministeriums nicht nur für Wildwuchs gesorgt, sondern stellt auch ein Sicherheitsrisiko dar.

Rechenzentrum: Zu hoher Aufwand

Doch der landeseigene IT-Dienstleister ZIT-BB sei nach einer Prüfung zu dem Schluss gekommen, dass die in der Landesverwaltung für Mitarbeiter eingesetzte Standardlösung (Microsoft Outlook) für den Schuldienst nicht geeignet sei, heißt es beim Bildungsministerium. Das Rechenzentrum hält den personellen und administrativen Aufwand für zu hoch. Mit den 20.000 Lehrern würde sich die Zahl der über den ZIT-BB verwalteten Konten mehr als verdreifachen.

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Außerdem sei die einheitliche Lehrer-E-Mail bestenfalls mit künftigen digitalen Schulanwendungen wie der Schul-Cloud kompatibel sein. Über die am Potsdamer Hasso-Plattner-Institut entwickelte Software können Lern- und Lehrmaterialien gespeichert und jederzeit von Schülern über Laptops, Tablets oder Smartphones abgerufen werden. Deswegen wird nun europaweit nach einer anderen Mail-Software gesucht.

„Entwicklung Vollkommen verpennt“

„Es ist an Peinlichkeit nicht zu überbieten, dass die Landesregierung es im Jahr 2019 nicht schafft, den größten Personalkörper mit E-Mail-Konten zu versorgen“, sagt Steeven Bretz, finanzpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. „Die Regierung hat die Entwicklung vollkommen verpennt.“ Um den Lehrermangel zu bekämpfen, müsse sich das Land als moderner Arbeitgeber präsentieren, meint er. „Solche Nachrichten werfen das Land zurück. Eine gute Werbung sieht anders aus.“

Die Lehrer warten auf eine einheitliche und sichere Lösung, wie Hartmut Stäker, Präsident des Brandenburgischen Pädagogenverbands, erklärt. „Wir müssen mit verschiedenen Ebenen kommunizieren, mit Schülern, Eltern und untereinander. Wer keine Dienst-Adresse hat, muss dafür sein privates E-Mail-Konto nutzen. Er trägt damit auch das Risiko, dass dieses Konto gehackt wird. Dass diese Befürchtung nicht aus der Luft gegriffen ist, hat sich gerade wieder gezeigt“, sagte Stäker. „Manche Länder haben die Digitalisierung eben verschlafen. Wir gehören leider auch dazu.“

Kosten von 1,7 Millionen Euro pro Jahr

700.000 Euro wurden im vergangenen Jahr als Anschubfinanzierung für das Projekt veranschlagt. Auf mittlere Sicht rechnet das Bildungsministerium mit laufenden Kosten von 1,7 Millionen Euro jährlich. Doch diese Berechnung beruhte auf dem alten Plan, die E-Mail-Kommunikation über den landeseigenen IT-Dienstleister ZIT-BB abzuwickeln. Wenn nun nach einer externen Lösung gesucht wird, könnten sich die Kosten ändern.

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2004 wurden die Schulen Brandenburgs mit zentralen Mail-Adressen ausgestattet. Einige Schulen haben für ihre Lehrer eigene Lösungen entwickelt, meist nutzen die Pädagogen aber ihre privaten Accounts für dienstliche Angelegenheiten.

Von Torsten Gellner

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