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Trampolinhalle statt Braunkohle

Diese Projekte sollen neue Jobs für die Lausitz schaffen

Das Guggenheim Museum verhalf der Industriestadt Bilbao (Spanien) zu neuer Blüte. Gelingt das auch in der Lausitz?

Das Guggenheim Museum verhalf der Industriestadt Bilbao (Spanien) zu neuer Blüte. Gelingt das auch in der Lausitz?

Potsdam.Stromspeicher, eine Batteriefabrik, neue Bahnstrecken, ein digitales Krankenhaus der nächsten Generation und ein Museum von Weltrang: Mit diesen Projekten soll sich die Lausitz in den kommenden Jahren neu erfinden und eine wirtschaftliche Perspektive ohne Kohleindustrie entwickeln.

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Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) informierte am Montag Kommunalpolitiker und Wirtschaftsvertreter über das Bündel an Maßnahmen, das den Strukturwandel der Lausitz zur Hightech-Region unterstützen soll. Sein Besuch wurde überschattet von der Besetzung zweier Braunkohlebagger in Jänschwalde und Welzow durch Umweltaktivisten.

40 Milliarden Euro an Übergangshilfen sollen über 20 Jahre hinweg aus dem Bund in die vom Kohle-Aus betroffenen Regionen fließen. Die Lausitz kann mit 18 Milliarden Euro rechnen.

Brandenburg hat hierzu einen Katalog mit 70 Projekten für die Lausitz erstellt. Davon stehen 33 Projekte in einem Sofortprogramm, die zum Teil schon in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden sollen.

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Breitere Autobahn, schnellere Züge

Alle sind sich einig: Wenn die Lausitz für Wirtschaftsansiedlungen interessanter werden soll, muss sie gut erreichbar sein. Dazu gehört der seit Jahren diskutierte zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke Lübbenau-Cottbus sowie die Elektrifizierung der Bahnverbindung über Görlitz nach Breslau. Die Autobahn A13 soll sechsspurig ausgebaut werden, die A15 über die polnische Landesgrenze hinaus verlängert werden. Auch die Anreise per Flugzeug haben die Lausitz-Visionäre im Blick: So sollen die Flugplätze Cottbus-Neuhausen, Bautzen (Sachsen) sowie der 1920 angelegte Flugplatz Welzow ausgebaut werden.

Emmissionsfreies Fahren

Viele der vorgeschlagenen Projekte widmen sich der Nachhaltigkeit. Die Lausitz will ein grüneres Image. Umweltfreundliche Verkehrsprojekte sollen hier getestet werden. Die Rede ist von einer Modellregion für C02-arme Mobilität. Die ersten Schritte wirken noch bescheiden. Die Stadt Cottbus will die Dieselbusflotte auf Elektrobusse umstellen. Mit zwei Bussen will die Stadt testen, ob Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb für den Linienbetrieb geeignet sind. Auch C02-freie Boote sollen auf den Tagebauseen eingesetzt werden.

Forschung der Spitzenklasse

Die Landesregierung will vor allem die Forschung massiv unterstützen, weil das innovative Unternehmen anzieht, die von den Entwicklungen in den Laboren profitieren. An der Brandenburgisch Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg soll ein Labor für 3D-Druck entstehen. Ebenfalls in Kooperation mit der BTU ist ein „Fab-Lab“ geplant, eine offene Entwicklerwerkstatt, wo Gründer mit ihren Ideen unterstützt werden. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt soll in der Lausitz Technologien für eine CO2-arme Industrie erproben. Die Ansiedlung von Fraunhofer- und Max-Planck-Instituten ist geplant.

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Neue Energie

Viel Geld soll in den Projekte rund um das Thema Energiewende fließen. So will der Bergbaubetreiber Leag einen Stromspeicher am Kraftwerk Schwarze Pumpe mit 50 Megawatt Leistung installieren. Geplant ist auch ein Rotationsspeicher bei dem Energie mit Hilfe eines großen Schwungrads für bis zu einer Woche gespeichert werden soll. Außerdem setzt die Landesregierung darauf, dass in der Lausitz eine Batteriefabrik für E-Autos angesiedelt wird.

Ein Krankenhaus der nächsten Generation

In Cottbus soll das Krankenhaus der Zukunft entstehen: Das Carl-Thiem-Klinikum soll zum digitalen Leitkrankenhaus werden, unterstützt von der Medizinischen Hochschule Brandenburg, der Universität Potsdam und der BTU. Hier sollen neue Versorgungsmodelle und die Möglichkeiten der Telemedizin unter Idealbedingungen erprobt und so zum Vorbild für andere Krankenhäuser werden.

Ein Museum von Weltrang

Die Lausitz setzt auf den sogenannten Bilbao-Effekt. 1997 eröffnete in der baskischen Hafen- und Industriestadt das Guggenheim-Museum für moderne Kunst. Der spektakuläre Bau des Star-Architekten Frank Gehry verhalf der Stadt mit ihrer hohen Arbeitslosigkeit zu einer neuen wirtschaftlichen Blüte. Das soll auch in der Lausitz funktionieren, hofft die Brandenburger Landesregierung. Ein Ausstellungsgebäude oder Museum von internationaler Bedeutung mit einer herausragenden Architektur sähe sie auch gerne in Cottbus oder Umgebung. Was das für ein Museum sein könnte, ist aber völlig unklar. Die Lösung soll ein internationaler Ideenwettbewerb bringen.

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Trampolinhallen, Radwege und bunte Stelen

Der Maßnahmenkatalog ist extrem kleinteilig. Die Vorschlagsliste sieht sogar den Bau einer Trampolin- und BMX-Halle in Cottbus vor. Diese genießt bei den Planern sogar „höchste Priorität“, wie es heißt. In eine ähnliche Kategorie fällt die Errichtung eines Aussichtsturms für die Lieberoser Heide, ein Radrundweg um den Cottbuser Ostsee oder ein „Pfad der Zukunft“ ebenfalls am Ostsee, der mit bunten Stelen und Infotafeln über den See informieren soll, der in den nächsten Jahren geflutet wird. Ziel all der Projekte: Die Region soll attraktiver werden, und dazu zählen auch Freizeit- und Kulturangebote. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Cottbus fordert eine zügige Umsetzung ein. „Die Sorge, die wir ein bisschen haben ist, dass es zu lange dauert, bis etwas sichtbar wird“, meint IHK-Hauptgeschäftsführer Marcus Tolle. „Jetzt müssen schnell positive Signale gesetzt werden.“

Von Torsten Gellner

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