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Durchsuchungen gegen Telegram-Chatgruppen

Entführung von Karl Lauterbach geplant – ein Hauptverdächtiger kommt aus Falkensee

Laut Medienberichten sollen „Querdenker“ geplant haben, Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zu entführen.

Laut Medienberichten sollen „Querdenker“ geplant haben, Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zu entführen.

Potsdam/Mainz. Nach Angaben des ARD-Politmagazins „Report Mainz“ sollen „Querdenker“ geplant haben, Gesundheitsminister Karl Lauterbach zu entführen. Mitglieder einer Chatgruppe im Kurznachrichtendienst Telegram sollen auch weitere Anschläge auf Umspannwerke und Stromleitungen geplant haben, um bürgerkriegsähnliche Zustände zu verursachen. Bei bundesweiten Razzia seien am Mittwoch mehrere Menschen festgenommen worden. Einer der beiden Hauptverdächtigen kommt aus Falkensee.

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Bei der Durchsuchung seines Hauses fanden Beamte des LKA Brandenburg eine Schnellschussfeuerwaffe, eine sogenannte AK-47, berichtete Christopher do Paço Quesado, Oberstaatsanwalt der federführenden Generalstaatsanwaltschaft Koblenz, der MAZ auf Anfrage. Ob noch weitere Waffen in seinem Besitz gefunden wurden, sei derzeit noch unklar. Bisher war der 54-Jährige nicht vorbestraft. Jetzt werden ihm gleich zwei Taten vorgeworfen: Die Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat sowie der Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

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Insgesamt wird gegen zwölf Personen ermittelt. Vier Beschuldigte seien festgenommen worden, gegen sie seien Haftbefehle beantragt worden. Einer der beiden Hauptverdächtigen, ein 55-Jähriger aus dem rheinland-pfälzischen Neustadt/Weinstraße, wurde bei der Vorbereitung einer Waffenübergabe festgenommen. Das Angebot für die zwei Kalaschnikows und fünf Pistolen war laut „ARD“ eine Falle der Ermittler. Der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz zufolge sei auch der Brandenburger bei der Waffenbeschaffung involviert gewesen. Er sei allerdings nicht vor Ort gewesen, als die Polizei zuschlug. Die beiden Hauptbeschuldigten sollten noch am Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt werden.

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Entführung geplant: Durchsuchungen in Brandenburg und anderen Bundesländern

Am Mittwochmittag bis in die späten Abendstunden wurden rund 20 Objekte in Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen durchsucht. Im Einsatz waren rund 270 Beamtinnen und Beamte, darunter auch Spezialeinheiten.

Neben dem 54-jährigen Falkenseer, wird weiteren Deutsche im Alter 41 und 55 Jahren, unter anderem die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, Verstöße gegen das Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz, sowie Terrorismusfinanzierung vorgeworfen. Zuzuordnen seien die Personen der Corona-Protestszene und der Reichsbürgerbewegung. Bei den Durchsuchungen wurden den Angaben zufolge 22 Schusswaffen, darunter ein Kalaschnikow-Sturmgewehr, sowie Munition, Bargeld, Goldbarren, Silbermünzen und Devisen sichergestellt. Dazu kommen noch Handys, Datenträger, gefälschte Impfausweise und gefälschte Testzertifikate.

Lauterbach will sich nicht einschüchtern lassen

Die Chatgruppe im Kurznachrichtendienst Telegram nannte sich nach Angaben der Ermittler „Vereinte Patrioten“, zuweilen aber auch „Deutschland Tag X“ oder gab sich weitere Namen. Die Gruppierung, zu der etwa 70 Mitglieder zählen sollen, habe zunächst mit einer „Aktion Blackout“ Anschläge auf Stromleitungen und Umspannwerke ausführen und damit die Stromversorgung zusammenbrechen lassen wollen. Danach sollte bei der „Aktion Klabautermann“ Gesundheitsminister Lauterbach entführt werden.

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Der Gesundheitsminister sei vermutlich als Ziel ausgesucht worden, weil sich in der Gruppierung auch zahlreiche Corona-Leugner und Gegner der staatlichen Corona-Maßnahmen getummelt hätten, sagte Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer aus Koblenz. Es habe „ganz konkrete Pläne“ gegeben. Den Angaben zufolge war die „Entführung bekannter Personen des öffentlichen Lebens“ geplant, namentlich genannt wurde lediglich Lauterbach. In einem dritten Schritt sei dann die Übernahme der Regierung angestrebt worden.

Falkenseer hat nach „Gleichgesinnten“ gesucht

Auch der Falkenseer war in mehreren Chatgruppen aktiv und suchte dort aktiv nach „gleichgesinnten Personen“, um sie für die geplante Gewaltaktion zu rekrutieren, so do Paço Quesado gegenüber der MAZ. Die Mitglieder der Gruppe trafen sich auch persönlich. Ob es solche Treffen auch in Falkensee gegeben hat, ist bisher unklar. Die Ermittlungen gegen die Gruppe liefen seit Oktober vergangenen Jahres.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will sich von mutmaßlichen Entführungsplänen nicht einschüchtern lassen. „Manchen Covid-Leugnern geht es nicht um den Kampf gegen Impfungen oder Corona-Auflagen. Sie kämpfen gegen unsere demokratische Grundordnung“, sagte der SPD-Politiker der „Bild am Sonntag“, „Damit werden sie aber keinen Erfolg haben“.

Auch in Falkenseer Telegram-Gruppen wurde Politiker bedroht

Lauterbach hatte wiederholt von Drohungen gegen ihn berichtet. Anfang März, nachdem der österreichische Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) unter anderem wegen ständiger Anfeindungen zurückgetreten war, schrieb der SPD-Politiker bei Twitter: "Es ist eine Schande, dass er durch Drohungen aus dem Amt gedrängt wurde. Auch ich werde rund um die Uhr bewacht und kenne diese Belastung." Im vergangenen Herbst hatte Lauterbach geschrieben: "Seit Tagen wird im Netz erneut dazu aufgerufen, mich zu erschlagen. Es ist absolut inakzeptabel, dass so etwas nicht sofort gelöscht werden muss."

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Auch in Falkenseer Telegram-Gruppen, die im Zusammenhang mit den Demos gegen die Corona-Maßnahmen entstanden, wurden in den vergangenen Wochen gezielt einzelne Personen aus Kommunalpolitik und zivilgesellschaftlichen Gruppierungen beleidigt und bedroht. So sei in der Gruppe "Falkensee zeigt Gesicht" vorgeschlagen worden, die Stadtverordnete Marine Freisinger (Grüne) zu kidnappen, zudem wurde die Stadtverordnete auf verschiedene Art und Weise beleidigt. Dazu, ob der beschuldigte 54-Jährige auch in diesen lokalen Telegram-Gruppen aktiv war, konnte die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz nichts sagen.

Von RND/lkö

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