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Öffentlicher Nahverkehr

Fahrermangel: Busausfälle in Brandenburg

Busse der Havelbus-Gesellschaft fielen am Freitag aus.

Busse der Havelbus-Gesellschaft fielen am Freitag aus.

Potsdam. Die öffentlichen Verkehrsbetriebe in Brandenburg leiden unter teils akutem Fahrermangel. So musste die Havelbusgesellschaft (Havelland) am Freitag im Einzugsbereich Falkensee und Dallgow-Döberitz rund 25 Fahrten ausfallen lassen. Im Juni bereits hatten Personalengpässe beim Potsdamer Verkehrsbetrieb ViP die zeitweilige Stilllegung von Straßenbahnstrecken notwendig gemacht.Das Problem besteht landesweit. „Der Markt ist sehr angespannt“, sagt auch Robert Fischer, Sprecher des Unternehmens Cottbusverkehr. Der Bundesverband Deutscher Omnibusfahrer hatte im November die Bundesregierung aufgefordert, Busfahrerprüfungen in mehreren Sprachen zu ermöglichen. Berlins BVG bildet in einem Projekt Flüchtlinge zu Fahrern aus.

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Potsdam sucht 20 Fahrer

In Potsdam müssen allein in den nächsten zwei Jahren 20 Stellen neu besetzt werden. Im Havelland sind derzeit sogar 15 Planstellen im operativen Fahrdienst laut Havelbus-Gesellschaft vakant. Zwar springen nach Auskunft von Unternehmenssprecherin Karola Schulz Mitarbeiter aus Werkstätten und Verwaltung für den Dienst hinterm Steuer ein. Doch könnten sie den Mangel nicht mehr ausgleichen. „Wir bedauern die Ausfälle sehr“, sagt Schulz. Doch verließen „mehr Mitarbeiter das Unternehmen als wir in der Lage sind auszubilden“ – und das „trotz vielfältigster Aktivitäten, die wir seit Jahren kontinuierlich verfolgen wie die Teilnahme an Messen, Jobbörsen, die intensive Zusammenarbeit mit dem Jobcenter und der Arbeitsagentur zur Qualifizierung von Quereinsteigern.“

Geringe Bezahlung macht Job unattraktiv

Die Branche leidet laut dem Cottbuser Unternehmenssprecher Fischer unter der Alterung der Mitarbeiterschaft. Viele Fahrer wollten in Teilzeit wechseln, weil der Job anstrengend sei. Seit drei Monaten sind bei Cottbusverkehr ständig Fahrerstellen ausgeschrieben. Ein Problem ist laut Fischer landesweit die geringe Bezahlung. Brandenburg rangiere im Bundesvergleich ganz hinten im Ländervergleich. Doch ein Lohnplus könnte bald kommen. Der gegenwärtige Tarifvertrag endet mit dem laufenden Jahr. „Wir gehen von einer Steigerung aus“, sagt Fischer. Erste Verhandlungen stehen an. Immerhin, so Fischer, sei in Cottbus Wohnraum noch erschwinglich für die Fahrer, die mit rund 1800 Euro brutto einsteigen und Grundgehälter von 2500 Euro brutto selten übersteigen.

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Massagen fürs Fahrpersonal

Bei den Cottbuser Verkehrsbetrieben setzt man ebenfalls auf eine enge Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit bei der Personalgewinnung – etwa bei der Umschulung von Lastwagenfahrern für den kommunalen Job. Mit betrieblichen Anreizen versucht die Firma Interessenten zu locken. So werden etwa Massagen angeboten.

Beim im Sommer wegen der Ausfälle in die Kritik geratenen Potsdamer Verkehrsbetrieb ViP heißt es: „Wir waren wohl die ersten, die es ehrlich thematisiert haben“, so Sprecher Klotz. Mittlerweile habe das Unternehmen eine eigene Fahrschule eingerichtet. Die Kurse für Straßenbahnfahrer seien bis Mai ausgebucht. Allerdings könne das Unternehmen Busfahrer und Absolventen der Kombi-Ausbildung zu Bus- und Straßenbahnfahrern sofort gebrauchen. Potsdam bietet laut Klotz im Vergleich zur Berliner BVG vor allem eins: „Weniger Stress als in Berlin.“ Potsdam nutzt außerdem den Verbund mit den Stadtwerken. Bus- und Bahnfahrer erhalten einen Zugang zu den öffentlichen Schwimmbädern in der Stadt.

Von Ulrich Wangemann

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