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Waldbrände

Kirche als Waldeigentümer – „Ein Waldumbau kann zehn bis 15 Jahre dauern“

Hitze und Dürre sorgen in Brandenburg immer wieder für verherende Waldbrände. (Symbolbild)

Hitze und Dürre sorgen in Brandenburg immer wieder für verherende Waldbrände. (Symbolbild)

Berlin/Potsdam. In Brandenburg sind in diesem Jahr bereits knapp 500 Waldbrände ausgebrochen. Eine der großen Waldeigentümer im Land ist die evangelische Kirche. Der Evangelische Pressedienst (epd) sprach mit der Klimaschutzmanagerin Barbara Ral vom Umweltbüro der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), dem Referenten für Forst- und Landwirtschaft der EKBO, Martin Czarnowski, und dem geschäftsführenden Revierförster der Kirchlichen Waldgemeinschaft Mittelbrandenburg (KWG), Tobias Schramm, über Präventionsmöglichkeiten gegen Brände.

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epd: Wieviel Hektar Wald in Berlin, Brandenburg und Ostsachsen gehören der evangelischen Kirche?

Czarnowski: Etwa 9.000 bis 13.000 Hektar, je nachdem, ob man den Wald der evangelischen Stiftungen dazuzählt.

epd: Wer bewirtschaftet und verwaltet die Wälder? Gibt es Verpachtungen oder werden sie von der Landeskirche und Kirchengemeinden selbst bewirtschaftet?

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Czarnowski: Eine Verpachtung von Waldflächen ist bei uns unüblich. Die waldbesitzenden Kirchengemeinden sind überwiegend in forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen organisiert. Rund die Hälfte des Waldes wird von Kirchlichen Waldgemeinschaften (KWG) mit eigenem Kirchenförster bewirtschaftet, der andere Teil ist sogenannten Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) angeschlossen, wobei auch die Beförsterung geregelt ist.

Schramm: Die KWG Mittelbrandenburg verwaltet und bewirtschaftet alle Flächen ihrer Mitglieder als Gesamtheit im Solidarprinzip. Das heißt, alle Einnahmen fließen in einen Topf, aus dem auch alle Ausgaben bezahlt werden, egal wo innerhalb des KWG-Gebietes.

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epd: Gibt es Vorgaben bei der Bewirtschaftung etwa was Nachhaltigkeit betrifft? Sollen die kirchlichen Wälder durch Holzwirtschaft Gewinne abwerfen?

Czarnowski: Unsere Landeskirche hat diesbezüglich keine übergeordneten Vorgaben. Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist im Bereich der Forstwirtschaft zentraler Grundsatz und in dem Bundeswaldgesetz sowie den jeweiligen Landeswaldgesetzen fest verankert. Die Kirchengemeinden sind auf die Einnahmen aus der Bewirtschaftung ihrer land- und forstwirtschaftlichen Flächen angewiesen, sehen sich aber auch in einer Mitverantwortung, wenn es um Beiträge zum Gemeinwohl geht, beispielsweise Klimaschutz, Artenvielfalt, Erholung und weitere Schutzfunktionen.

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Ral: Auch das Umweltbüro der EKBO hat kein allgemeingültiges Rezept für den Umgang mit Kirchenwald und für Waldumbau, denn es gibt große Unterschiede je nach Standort und Rahmenbedingungen. Generell hilft Diversifizierung gegen Totalausfall, das heißt durchaus auf kleinen Flächen etwas ausprobieren, danach weiß man, was für den Standort und die Rahmenbedingungen passt und was eben nicht. Die regelmäßige Holz-Entnahme ist wichtig, um den Wald zu pflegen, stabil zu halten und Platz für junge Bäume zu schaffen. Überalterte, trockene und zu dichte Bestände sind bei einem Waldbrand sehr schwer zu löschen. Ein gesund ausgelichteter Wald mit wenigen starken gesunden Bäumen dagegen kann einen durchziehenden Brand durchaus überstehen. Und wir brauchen die Einnahmen, um davon den Waldumbau zu finanzieren.

Czarnowski: Die hohen Wildbestände in Brandenburg, insbesondere Reh-, Rot- und Damwild sind für die Waldbesitzer häufig ein Problem, da sie zu einer Vegetationsverarmung beitragen und die Verjüngung und den Waldumbau erschweren.

Schramm: Für die rund 2.000 Hektar in meinem Revier gilt ein Leitbild und eine Satzung als wirtschaftender Verein unter Bewahrung der Schöpfung, also nicht Profit um jeden Preis. Außerdem sind wir FSC-zertifiziert.

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epd: Viele Wälder in Brandenburg sind Monokulturen aus Kiefern und Fichten. Gibt es eine Zielvorgabe der Landeskirche für einen Waldumbau, um die Wälder gegen den Klimawandel resistenter zu machen?

Ral: Wir vom Umweltbüro wünschen uns, dass so viele Waldflächen wie möglich als gesund durchmischter Wald für die zunehmende Trockenheit fit gemacht werden. Allgemeingültige Vorgaben gibt es hierfür nicht und auch Resistenz gegen den Klimawandel gibt es nicht. Wir bemühen uns um Resilienz, also die Fähigkeit, trotz schwieriger Bedingungen zu überleben und die Fähigkeit, nach Schäden bald wieder gesund zu werden. In einem mit Laub durchmischten, artenreichen Wald breitet sich Feuer schlechter aus. Es gibt dort auch kaum eine Massenentwicklung von Fraßinsekten, weil Spechte und andere Vögel rechtzeitig einen großen Teil der baumschädigenden Tiere auffressen.

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Czarnowski: Es gibt nach wie vor auf großen Flächen Kiefernreinbestände, deren Umbau in stabilere Mischwälder noch viel Zeit und Geduld erfordert. Wir geben Empfehlungen zum Waldumbau und freuen uns über jede Maßnahme in dieser Richtung. Grundsätzliche Zielvorgaben haben wir aber nicht. Der Waldumbau ist uns ein großes Anliegen, neben vielen anderen Aufgaben.

epd: Was kostet ein Waldumbau pro Hektar und wie lange dauert so etwas?

Schramm: Je nach Art und Größe der gepflanzten Bäume kostet ein Waldumbau zwischen 1.500 und 4.000 Euro pro Hektar plus 4.000 Euro pro Hektar für den Wildschutzzaun, also viermal 100 Meter. Dazu kommt der Aufwand für Pflügen und eventuell für das Beseitigen der Traubenkirsche oder Brombeere, dann kommt noch der Aufwand fürs Pflegen.

Czarnowski: Die erfolgreiche Umsetzung einer Waldumbaumaßnahme kann zehn bis 15 Jahre dauern, wobei, insbesondere bei uns in Brandenburg, Aufforstungen aufgrund von extremer Trockenheit und fehlender Niederschläge als Folge des Klimawandels immer schwieriger werden.

Schramm: Einen erfolgreichen Waldumbau erreichen wir aus meiner Sicht nur, wenn wir flächendeckend den Wildbestand reduzieren, denn es ist unmöglich, große Teile des Waldes einzuzäunen. Wenn wir den Wildbestand reduzieren, dann rotten wir es ja nicht aus, sondern wir schaffen Bedingungen dafür, dass der Wildbestand später einen viel fruchtbareren Lebensraum hat.

epd: Was ist aus Ihrer Sicht dringend notwendig, um die Wälder der Region gegen Waldbrände widerstandsfähiger zu machen?

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Ral: Da sind wir uns einig. Erstens Brandschutzstreifen pflegen und Waldbrandriegel anlegen, vor allem entlang viel befahrener Straßen, zweitens den Wald durchforsten also pflegen, drittens mit Laubholz durchmischen, wo es geht; und dann aufpassen, dass Zigarettenkippen und Autos mit heißem Unterboden draußen bleiben. An manchen Stellen helfen nur Schranken an den Zufahrten.

epd: Trägt die Kirche als Waldbesitzerin die Kosten, wenn ein Wald brennt oder durch Stürme zerstört wird?

Schramm: Den Einsatz der Feuerwehr muss man in der Regel nicht bezahlen. Wenn der Brand gelöscht ist, muss der Waldbesitzer die Brandwache stellen. Eine Waldbrandversicherung kostet relativ viel. Es gibt bei der KWG Mittelbrandenburg zweckgebundene Rücklagen für Wiederaufforstung nach Brand, außerdem gibt es staatliche Fördermittel nach Bränden.

Von epd

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