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Hündin in der Uckermark fast zu Tode gebissen

Nackter Förster verjagt Wolf

Jagdhündin Hanka landete mit 12 Bisswunden auf dem OP-Tisch.

Potsdam/ Angermünde. Normalerweise springt ein Oberforstrat nicht nackt aus dem Fenster. Roland Ueckermann (57) hat es getan. Nur fünf Sekunden später und seine Hanka hätte die schlimmste Erfahrung in ihrem zwölfjährigen Hundeleben mit dem Tode bezahlt. Die Tiroler Bracke wurde von einem Wolf angegriffen. Nicht irgendwo bei der Jagd in den Wäldern der südlichen Uckermark, wo der Forstbedienstete zuhause ist, sondern wenige Meter vor dem Gehöft des Hundeführers.

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Dramatische Momente am Reformationstag

„Ich war beim Ankleiden, als ich lautes Hundeklagen hörte. Ich riss das Fenster auf und traute meinen Augen nicht. Meine Hanka war zu einem braunen Klumpen geworden. Ein Wolf hielt sie umklammert und biss immer wieder zu“, erinnert sich Ueckermann an die neunte Stunde des Reformationstages. Der Bedienstete in der Landeswald-Oberförsterei Chorin tat instinktiv das Richtige, um zu retten, was zu retten war. Nur im Adamskostüm nahm der Mann den kürzesten Weg zu seiner Hündin – und der führte durchs Fenster. Dann überwand er noch den Grundstückszaun. Laut schreiend und mit erhobenen Armen rannte Ueckermann auf den Wolf zu. Der wollte zunächst nicht von seiner Beute ablassen. „Erst als ich drei Meter vor ihm war, gab er die Hündin frei und trollte sich davon – nicht ohne sich noch einmal umzublicken und mir einen sauertöpfischen Blick zuzuwerfen“, erinnert sich der Hundeführer an die dramatischen Momente der Befreiungsaktion.

Roland Ueckermann muss sich jetzt besonders um Hanka kümmern.

Roland Ueckermann muss sich jetzt besonders um Hanka kümmern.

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Rettung in letzter Sekunde

Für die preisgekrönte Zuchthündin war es die Erlösung in letzter Sekunde. Ihr Besitzer hatte ihr das Leben gerettet. Doch Hanka war schwer verletzt. Sie konnte sich nur mit den Vorderläufen ziehen. In einer eineinhalbstündigen Notoperation musste die Angermünder Tierärztin Sylvia Garbe zwölf Bissverletzungen am linken Hinterlauf versorgen, dazu einen Riss in der Bauchdecke. Inzwischen ist die Jagdgebrauchshündin auf dem Weg der Besserung. Doch wer ihr in die Augen schaut, sieht, dass Hanka Schmerzen hat.

War es wirklich ein Wolf?

Mit diesem massiven Angriff auf einen Jagdhund nahe des Angermünder Ortsteils Steinhöfel haben die Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere im Land Brandenburg eine neue Qualität erreicht. Fotos, Trittsiegel und die Art der Bissspuren untermauern den von Hundeführer Ueckermann geschilderten Vorfall. Ein von Rissgutachter Kai-Uwe Hartleb vom Landesumweltamt (LUA) ausgemessenes Trittsiegel ergab die stattliche Länge von 9,5 Zentimetern, was auf einen kräftigen Räuber schließen lässt. Dennoch hält sich Hartleb alle Hintertüren offen und vermerkt in seinem Gutachten: „Ein Wolf kann nicht ausgeschlossen werden.“

LUA-Präsident Matthias Freude spricht dagegen aus, was für Hundebesitzer Ueckermann eine erlebte Tatsache ist. „Es wird wohl ein Wolf gewesen sein“, sagte Freude der MAZ. Überrascht sei er von dem Vorfall nicht, denn immer wieder mal würde von Attacken gegen Hunde berichtet, so Freude. Allerdings überrascht den Chef des Landesumweltamtes die Hartnäckigkeit des Wolfes: „Normalerweise gehen Wölfe Kämpfen mit Tieren, die zurückbeißen können, aus dem Weg“, meint Freude.

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Einig sind sich die Fachleute, dass es nun auch in der südlichen Uckermark freilebende Wölfe gibt. Daran müssen sich Roland Ueckermann und seine Frau Ute in ihrem einsam gelegenen Gehöft gewöhnen: „Man guckt schon anders in jede Ecke, wenn man abends nach Hause kommt. Angst vor Wölfen haben wir nicht, aber Respekt.“ Auch Hanka hat gelernt. Vom Hof traut sie sich nicht mehr.

Von Frank Bürstenbinder

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