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Zweiter Weltkrieg

Orte der NS-Zwangsarbeit werden digitalisiert

Blick auf das Gelände der Topographie des Terrors. Hier befanden sich die Zentralen der Gestapo, der SS und das Reichssicherheitshauptamt.

Blick auf das Gelände der Topographie des Terrors. Hier befanden sich die Zentralen der Gestapo, der SS und das Reichssicherheitshauptamt.

Berlin. Das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit hat eine bessere Kennzeichnung von ehemaligen Zwangsarbeiterlagern in der Bundeshauptstadt gefordert. „Es gibt viele Gebäude auf der Berliner Denkmalliste, in denen während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeiter leben und arbeiten mussten, ohne dass daran erinnert wird“, sagte die Leiterin des Dokumentationszentrums, Christine Glauning. Bislang seien erst etwa die Hälfte der rund 3000 Lagerstandorte in der Stadt identifiziert. Sie sollen im Lauf des Jahres in einer interaktiven Datenbank online zugänglich gemacht werden, sagte die Historikerin.

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Immer wieder werden Orte der NS-Zwangsarbeit entdeckt

Im Zuge von Bauprojekten und Bebauungsplänen würden immer wieder neue Orte der Zwangsarbeit entdeckt. Als Beispiel verwies Glauning auf die Diskussion über die in Lichterfelde-Süd entdeckten Baracken eines ehemaligen Kriegsgefangenenlagers. Dort sollen archäologische Grabungen stattfinden und ein Erinnerungsort entstehen, sagte Glauning.

Dass das Thema „Archäologie und Zwangsarbeit“ in den vergangenen Jahren wieder aktuell geworden ist, zeigten auch Ausgrabungen auf dem Flughafenfeld Tempelhof, auf einem evangelischen Friedhof in Neukölln und in Rudow, wo im Zuge der Vorbereitungen für einen Schulneubau Reste eines Lagers entdeckt wurden.

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24.08.2018, Berlin: Eine Frau geht in die Gedenkstätte für die NS-Zwangsarbeit auf dem St. Thomas Friedhof.

24.08.2018, Berlin: Eine Frau geht in die Gedenkstätte für die NS-Zwangsarbeit auf dem St. Thomas Friedhof.

Ein weiterer Erinnerungsort seien die seit 1945 baulich nahezu unveränderten Keller der Bockbierbrauerei in Kreuzberg, sagte Glauning. Dort sei in der NS-Zeit eine Untertageverlagerung der Produktion der Firma Telefunken geplant gewesen. „Auch hier wird im Zuge von Neuplanungen über die Frage des Erhalts der Keller, die Unterschutzstellung und die Errichtung eines Erinnerungsortes diskutiert“, betonte die Historikerin.

Daten werden europaweit erfasst

Verantwortlich für die Kennzeichnung von ehemaligen Zwangsarbeiterlagern seien das Landesdenkmalamt und der Berliner Senat, sagte Glauning. Das Dokumentationszentrum für NS-Zwangsarbeit werde sich als Facheinrichtung gerne beratend daran beteiligen.

In einer weiteren Datenbank würden deutschland- und europaweit Erinnerungsorte zur NS-Zwangsarbeit erfasst, sagte die Gedenkstättenleiterin: „Beinahe täglich gibt es neue Meldungen über Gedenktafeln und andere Erinnerungszeichen, die belegen, dass Initiativen an vielen Orten entstehen und arbeiten.“

NS-Zwangsarbeit

Mehr als 20 Millionen Menschen wurden in der Zeit des Nationalsozialismus der Zwangsarbeit unterworfen.

Zwangsarbeiter wurden überall eingesetzt: in Rüstungsbetrieben ebenso wie auf Baustellen, in der Landwirtschaft, im Handwerk oder in Privathaushalten.

Ab 1942 wurden die ersten „Ostarbeiter“ mit Zügen ins Deutsche Reich deportiert. Zwangsarbeit wurde ebenfalls in den NS-Konzentrationslagern als eine Form der Ausbeutung und Vernichtung der Häftlinge eingesetzt.

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Im kommenden Jahr ist zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges eine Ausstellung mit dem Titel „Ausgeschlossen. Archäologie der NS-Zwangslager“ geplant, sagte Glauning. Daran seien auch die Landesdenkmalämter von Berlin und Brandenburg beteiligt.

Das zur Stiftung Topographie des Terrors gehörende Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin-Schöneweide befindet sich in ehemaligen Baracken des nach Angaben der Gedenkstätte einzigen fast vollständig erhaltenen Zwangsarbeiterlagers der NS-Zeit. Die Dauerausstellungen informieren unter anderem über „Alltag Zwangsarbeit 1938-1945“ und die Geschichte der italienischen Militärinternierten 1943 bis 1945.

Von Lukas Philippi

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