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Studieren in Brandenburg

Potsdam eröffnet Wohnheim mit 308 Plätzen

Imposanter Neubau: Anfang November wurde das neues Wohnheim auf dem Campus in Potsdam-Golm eröffnet.

Imposanter Neubau: Anfang November wurde das neues Wohnheim auf dem Campus in Potsdam-Golm eröffnet.

Golm. Nadine Möller ist glücklich. "Ich hätte nicht gedacht, den Platz so schnell zu bekommen", sagt die Psychologiestudentin im ersten Semester. Schon im Frühjahr hatte sie sich beim Studentenwerk Potsdam für einen Wohnheimplatz beworben, noch bevor ihr der Studienplatz in Potsdam sicher war. Jetzt wohnt sie in einer Doppel-WG des gerade erst geöffneten Neubaus in der Karl-Liebknecht-Straße 24/25. Dass sie mit dem Wohnen auf dem Campus Golm sogar etwas privilegiert ist, ist ihr schon klar. "Das Psychologieinstitut ist fußläufig erreichbar."

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Plötzlich 308 Wohnheimplätze mehr

Fast noch besser erging es dem Jurastudenten Christopher Tees. Im nunmehr siebten Semester wollte er nicht mehr hauptsächlich zu Hause im Berliner Ortsteil Staaken lernen. Erst vor wenigen Wochen hat er sich im Internet auf einen Wohnheimplatz beworben – jetzt wohnt er in einem Einzelzimmer im vierten Stock des fünfgeschossigen Hauses. "Ich hatte wahrscheinlich sehr viel Glück", sagt Tees, der die problematische Wohnsituation in Potsdam kennt. "Sehr positiv überrascht" war er, dass in dem Zimmer so viel möbliert war. "Und es gibt ein schönes großes Fenster." Er habe sogar mehr Platz, als er erwartete.

„Wir sind Knall und Peng in die Vermietung gegangen“, drückt sich Geschäftsführer Peter Heiß bei einem Rundgang mit Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) aus. Erst Anfang November hat das Studentenwerk Potsdam den Neubau mit seinen insgesamt 238 Wohneinheiten und 308 Schlafplätzen eröffnet. Fertig ist das von der Potsdamer S & P Sahlmann Planungsgesellschaft erstellte Gebäude immer noch nicht. Im Innenh0f sind noch Steine zu verlegen.

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Immer noch zu wenig Wohnraum

14 Wohnanlagen hat das Studentenwerk Potsdam jetzt mit dem Neubau zur Verfügung.

Das neue Haus ist erst zu zwei Dritteln belegt. Nachzügler hätten noch Chancen auf einen Platz in dem komfortablen Wohnheim.

Wohnheime des Studentenwerk Potsdam gibt es auch in Brandenburg (Havel) und in Wildau. Insgesamt verwaltet das Studentenwerk in den drei Städten Potsdam, Brandenburg und Wildau 3174 Plätze.

Die Wohnsituation bleibt in Potsdam trotzdem angespannt. Ein Zeichen dafür: Das Studentenwerk bietet bis 30. November „Schlafen auf Zeit“ auf dem Campus Golm für diejenigen an, die noch kein Zimmer gefunden haben. bra

Dennoch hatte Potsdam mit dem 19 Millionen-Euro-Projekt auf einen Schlag viel zusätzlichen Wohnraum für die zum Semesterbeginn andrängenden Studierenden zur Verfügung. Die 65 Studierende, die zum Beispiel am 2. Oktober zur Verlosung letzter Plätze im Potsdamer Studentenwerk erschienen waren, fanden wider Erwarten alle ein Dach über dem Kopf – gut die Hälfte von ihnen in dem komfortabel ausgestatteten Neubau.

Ministerin Münch lobt „richtig schöne Zimmer“

Ministerin Münch sieht nach dem Rundgang die vom Land beigesteuerten 13 Millionen Euro gut angelegt. „Es hat sich wirklich gelohnt“, sagt sie. „Es sind richtig schöne Zimmer.“ Aus eigenen Studientagen etwa in den Vereinigten Staaten kennt sie winzige Zimmer. „Sie waren völlig abgewohnt und es gab oft Ungeziefer.“ Duschen gab es nur auf dem Flur. Nicht zu vergleichen mit den Appartements mit Bad und Küchenzeile inklusive Mikrowelle und dem teilweise großartigen Ausblick. „Den Studierenden, die hier einen Platz ergattert haben, kann man nur gratulieren“, sagt sie.

Fünf verschiedene Zimmertypen bietet der in Form eines Dreiseithofes angelegte Bau an. Zu den 166 Einzelappartments kommen 22 Zwei-Zimmer-Appartments mit gemeinsamer Küchenbenutzung hinzu. Es gibt auch acht sogenannte Familienappartments für studierende Paare mit Kind. Eines davon ist schon belegt. Eine Innovation für hiesige Verhältnisse sind auch die 40 Zimmer für eine Doppelbelegung mit zwei Studierenden. „Es ist zum ersten Mal, dass wir das anbieten in Brandenburg“, sagt der Leiter für Wohnen, Ronald Ostermann. „Grundgedanke war unser Sozialauftrag.“ Wer einen schmalen Geldbeutel habe, aber gut mit einem anderen Studenten ein Zimmer teilen könne, finde jetzt für 195 Euro im Monat hier in Golm einen Platz. Preislich sei das unschlagbar.

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Experimente mit doppelter Belegung

Der für internationale Beziehung zuständige Vizepräsident der Universität Potsdam für Internationales, Florian J. Schweigert, weiß, dass diese Wohnform anderswo der Standard ist. Studierende aus Asien oder aus Russland wünschten sich ja zum Teil mit anderen Kommilitonen in einem Zimmer zu Wohnen. Jetzt will man im Studentenwerk abwarten, wie der neue Wohntyp ankommt. Indirekt wird er in vielen Wohnheimen schon praktiziert. Wer sich offiziell beim Studentenwerk meldet und 60 Euro zusätzlich im Monat zahlt, darf in seinem Zimmer eine Kommilitonin oder einen Kommilitonen aufnehmen. Damit die Zusatzbetten in den neuen Zimmern in Golm nicht inoffiziell belegt werden, sind sie mit einer Eisenstange gesperrt. Die ist mit einem Schloss gesichert bis offiziell jemand einzieht.

Dass die 308 zusätzlichen Betten in Golm die angespannte Wohnsituation in Potsdam nicht lösen, ist auch Geschäftsführer Heiß klar. "Der Wohnraum wird weiterhin knapp bleiben", sagt er. Würde man das ehrgeizige Ziel, an jedem Standort 20 Prozent der Studierenden mit einem Platz zu versorgen, bräuchte es allein in Potsdam 2600 zusätzliche Plätze. "Das würde heißen, dass wir von diesem Gebäudetyp noch mal acht bis zehn weitere Häuser bräuchten", so Heiß. Ein fast illusionäres Wunschziel. Vorläufig ist man beim Studentenwerk froh, dass man dank des neuen Hauses in Potsdam eine Versorgungsquote von zehn Prozent erreicht. Die nächste Entlastung wird es in Wildau (Dahme-Spreewald) geben. Dort enstehen derzeit 117 zusätzliche Wohnplätze. Fertig wird das Haus frühestens in einem Jahr.

Von Rüdiger Braun

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