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Potsdamer Wahlkreis

Potsdamer AfD-Kandidat Tim Krause soll Kindern Unterhalt verweigern

Tim Krause (AfD) am 30. August 2021 beim MAZ-Talk im Potsdamer Nikolaisaal

Tim Krause (AfD) am 30. August 2021 beim MAZ-Talk im Potsdamer Nikolaisaal

Potsdam. Ein direkter Konkurrent von Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) um das Bundestags-Direktmandat im Promi-Wahlkreis 61 (Potsdam und Umland) hat Probleme mit der Justiz. Gegen den AfD-Bewerber Tim Krause ermittelt die Staatsanwaltschaft Potsdam, weil der seinen Zahlungsverpflichtungen gegenüber seinen Kindern angeblich nicht nachkommt. Ein Sprecher der Behörde teilte mit, gegen den 50-Jährigen werde "wegen des Verdachts der Verletzung der Unterhaltspflicht ermittelt".

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Krause, der als Familienstand auf seiner Partei-Homepage „geschieden, drei Kinder“ angibt, erhielt nach Angaben der Behörde bereits im vergangenen Jahr eine Strafanzeige. Nach MAZ-Informationen soll die Mutter zweier der Kinder – sie sind noch im Kita-Alter – den Kandidaten angezeigt haben. Krause hat noch ein weiteres, größeres Kind. Dessen finanzielle Ausstattung ist nicht Teil des Streits.

Die Mutter der Kinder lebt von Hartz IV

Nach MAZ-Informationen lebt die Mutter der beiden betroffenen Kinder - eine Potsdamer Künstlerin - von Hartz IV. Weil Krause nicht zahle, springe die staatliche Unterhaltsvorschuss-Kasse ein, hieß es.

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Der Sachverhalt ist bemerkenswert, weil Krause sich meinungsstark familienpolitisch äußert. So heißt es auf seiner AfD-Homepage: „Wir brauchen unbedingt deutlich mehr eigene Kinder!“ Weiter schreibt der Kandidat: „Kinder dürfen kein Armutsrisiko mehr sein, sondern Wohlstandsgrundlage.“

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In einem Werbevideo zur Bundestagswahl prangert der AfD-Mann an: „Jedes fünfte Kind in Deutschland wächst heute in Armut auf und viele Familien können sich Kinder gar nicht mehr leisten.“ Dabei seien Kinder „die Grundlage unseres Wohlstands und eines erfüllten Lebens“, sinniert der AfD-Mann in dem Werbe-Spot und fordert mehr Kindergeld, Steuererleichterungen für Eltern und vieles mehr.

Das Amtsgericht Potsdam hat den Wert des Unterhalts-Verfahrens im Mai 2020 auf 6400 Euro festgelegt. Diese Summe setzt sich im Wesentlichen aus den mutmaßlich ausstehenden Zahlungen für die beiden Kinder zusammen – mehr als 500 Euro im Monat. Mittlerweile dürften wegen des Zeitverzugs erhebliche Summen hinzugekommen sein.

Jugendamt: „Auf Schreiben reagiert er nicht“

Laut der Strafanzeige der Mutter soll sich Krause bereits seit August 2019 geweigert haben, den Unterhalt zu bezahlen. Zu diesem Zeitpunkt hat sich das Paar nach MAZ-Informationen getrennt.

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Das Jugendamt der Stadt Potsdam leistete der Mutter Beistand bei deren Versuch, den Unterhalt geltend zu machen. Die Jugendamtsmitarbeiter stellen in einem Schreiben aus dem Herbst 2020 zum Stand des Falls Krause fest: „Auf Schreiben reagiert er nicht.“ In der gesamten Zeit der Betreuung habe „Herr Krause keinen Kontakt zu uns aufgenommen“.

Mit den Vorwürfen konfrontiert, sagte Krause am Dienstag, er wisse „überhaupt nichts“ von einem staatsanwaltlichen Verfahren. „Ich bezahle meinen Unterhalt“, fügte der Politiker hinzu. Weiter wollte er sich über Privatangelegenheiten nicht gegenüber der MAZ äußern. Er halte die Anfrage für politisch motiviert.

Krause war lange im Filmgeschäft

Wie viel Einkommen Krause bezieht, lässt sich schwer sagen. Auf seiner Wahlkampf-Homepage gibt er unter dem Punkt „Biographisches“ an: „Beratend tätig für zahlreiche Mandatsträger und Fraktionen in vier Landesverbänden und als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Deutschen Bundestag.“

Krause hat unter anderem an der renommierten European Business School in Oestrich-Winkel am Rhein Wirtschaftswissenschaften und Wirtschaftsinformatik studiert. Er war in der Filmbranche tätig, unter anderem als „preisgekrönter Drehbuchautor für zahlreichen Filme, Reihen und Serien“, wie es auf seiner Homepage heißt.

Von Ulrich Wangemann

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