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Landpartie mit Lars

Radtour durch Oberhavel: Satteltaschenromantik in der Stichlandschaft

Viel Wasser, viel Natur, viel Idylle: Die Tonstiche bei Zehdenick gehörten zu den vielen besonderen Orten auf der Tour durch Oberhavel. Exzellente Badestellen laden zum Abkühlen ein.

Viel Wasser, viel Natur, viel Idylle: Die Tonstiche bei Zehdenick gehörten zu den vielen besonderen Orten auf der Tour durch Oberhavel. Exzellente Badestellen laden zum Abkühlen ein.

Oranienburg. Sonnenstrahlen blitzen durch Schilfhalme wie eine Lasershow, während in der feuchtfröhlichen Oase happy Hour ist: Ein Schwimmtier treibt durch die Zehdenicker Tonstiche, angefeuert von Kindergeschrei. Bei uns ist im Gegensatz zu dem quietschbunten Ungetüm ein bisschen die Luft raus, aber in der wilden Wasserlandschaft, in der wir bei der MAZ-Landpartie vor Anker gegangen sind, kann man Seele und Waden baumeln lassen.

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Es ist Zeit für Satteltaschenromantik und wir spielen „Tischlein deck dich“ beim Picknick: Das Aroma von Ziegenkäse und Oliven breitet sich aus beim Bankett aus der Tupperdose, dann gesellt sich ein Baguette hinzu. Es ist hier in vielerlei Hinsicht alles im grünen Bereich und man weiß nun auch, woher die Formulierung „einen fetten Stich machen“ kommt, warum es den „Stichtag“ und das „Stichwort“ gibt und dass das Beste tatsächlich manchmal zum Schluss kommt.

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Radtour durch Brandenburgs Norden: Start in Oranienburg

Die Tour hat am Morgen in Oranienburg begonnen. Die Bremsen des Zuges knirschen, die Stadt fährt langsam auf Betriebstemperatur hoch und vor der Bahnstation stehen monumentale Bauten Spalier. Der Tag riecht frisch, nach Eau de Brandebourg und einer ordentlichen Portion Aufbruch: Die Landpartie quer durch „OHV“ ist der Auftakt zu einer fünfteiligen MAZ-Rundtour durch den Nordosten der Mark. Auf der Expeditions-Hitliste, einer Art Lock-Buch – stehen Templin, Angermünde, Eberswalde, der Burgturm an der Oderkante in Stolpe und das Schiffshebewerk in Niederfinow. Eine mit magischen Orten gepflasterte Tournee, die sogar zur Hochzeitsreise taugt.

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Das Schloss in Oranienburg ist eines der prachtvollen Bauwerke auf der Tour.

Das Schloss in Oranienburg ist eines der prachtvollen Bauwerke auf der Tour.

Das Schloss Oranienburg ist schon von weitem zu sehen und vor dem barocken, weißen Prachtbau wirbt ein Aufsteller für das Museum „ReMo“, in dem man eine „Zeitreise durch tausende Jahre Regionalgeschichte“ unternehmen kann. Man kann sich in dem Palast das Ja-Wort geben, bevor man mit der Hochzeitsgesellschaft durch den herrschaftlichen Garten defiliert und anschließend mit Prosecco in der Satteltasche in die Flitterwochen abschwirrt. Früher kam der strahlende Ritter auf einem Schimmel, jetzt auf einem Fahrrad und das sündhaft teure Sicherheitsschloss ist das Edelstahl-Schwert von damals. Im Schlosspark blüht es gelb, weiß und violett, die Blumen-Group hat einen farbenprächtigen Auftritt. Auf einem Lageplan kann man sehen, dass es einen Schnullerbaum und eine Spiellandschaft gibt und dass die City von Kanälen und Wasserarmen umringt wird, die den Stadtkern wie die Tentakel eines Octopusses umschlingen.

Auf manch einer märkischen Wasserstraße ist inzwischen Betrieb wie auf dem Suezkanal. Demnächst wird es die ersten Mega-Bootsstaus geben, aber dann wird man einfach die Wasseradern ausbaggern und die störenden Ufer abtragen, weil die Natur mal wieder viel zu klein gedacht hat – das Konzept hat ja bei den Autobahnen bereits gut funktioniert.

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Durch die Brandenburger Landschaft radeln: Über den Holländer Rundweg nach Neuholland

Im Schlosshafen ankert die Staatsyacht „Sehnsucht“ und neben dem Nachbau eines 400 Jahre alten niederländischen Plattbodenschiffes, goldbetresst wie eine Generalsuniform, schunkelt ein Pott aus Groningen auf den Wellen. Mein Sohn hat in der niederländischen Stadt studiert, unweit der Uni lag das Pannekoekschip vor Anker und wir haben uns vorgestellt, mit dem Pfannkuchenschiff zurück nach Potsdam zu fahren. Eine mehrtägige Reise mit dem Pannekoek-Dampfer wäre so recht nach unserem Geschmack gewesen, genau wie der Radausflug, bei dem wir die Oranje-Erlebnistour fortsetzen: Wir rollen nämlich über den Holländer Rundweg Richtung Neuholland, wo sich im 17. Jahrhundert klevisch-niederländische Zuwanderer niedergelassen hatten. Das Land ist flach wie ein Ajax-Kurzpass und man könnte bis Amsterdam schauen, wenn nicht weitläufige Pappelreihen mit Mispelkugeln, die aussehen wie eine Mischung aus Riesensichtschutz und Kunstprojekt, die Ackerflächen parzellieren würden.

Der Wind fächelt gutmütig durch die Äste der Bäume und wir fliegen mit Rückenwind leichter als ein geflügeltes Wort Richtung Norden: Vorbei an Pferden, Bauernhöfen, Kanälen, einem Waldtümpel und dem Rastplatz „Mittagsmahl“ und in Liebenberg wartet das nächste herrliche Schloss samt Gutshof, Kirche und Park. Theodor Fontane war hier und schwärmte: „Zu meinen glücklichsten Wanderungstagen gehören die in Liebenberg verbrachten“. Der Tourteil rund um Liebenberg gehört zur Fontaneroute, steht auf einem Schild am Knotenpunkt 1, aber im Grunde genommen führt ja fast jeder Weg durch die Mark auf Fontanes Spuren, so hat es jedoch einen offiziellen Anstrich. Genau genommen müsste man nur erwähnen, wenn man mal nicht auf den Pfaden des großen Wanderers wandeln würde: „Achtung, Achtung, sie verlassen jetzt von Fontane zertifiziertes Gebiet!“

Auf der Aussichtsplattform des Bismarckturms Klein-Mutz

Um den See unten im Tal führt ein schöner Rundweg mit großen, alten Bäumen und manche Wurzeln sind wild verzweigt wie der Bart von Gandalf, der Herr-der-Ringe-Ikone. Wir pusten durch am Wasser und trinken Tee aus der Thermoskanne, bevor es durch die nun hügelige Landschaft geht, die auf der ganzen Linie überzeugt. Warnsignale wehen durch die Weite, wenn Triebwagen an den schrankenlosen Übergängen der Bahnlinie hupen, wie eine Art Lockruf. Wir nehmen Neuland unter die Reifen – irgendwie haben sich dieser Teil der Region und unsere Fahrradlenker bisher nicht gekreuzt. Ein weißer Fleck auf der Karte, der sich füllt: Mit Getreide- und Rapsfeldern, die leuchten wie riesige Neon-Leuchtschilder. Brandenburgs gelbe Seiten sozusagen und irgendwann thront oben auf dem Hohen Timpberg eine rustikale Landmarke: Der Bismarckturm Klein-Mutz.

Auf der Spitze der Erhebung steht der Bismarckturm Klein Mutz.

Auf der Spitze der Erhebung steht der Bismarckturm Klein Mutz.

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Der wuchtige, schnörkellose Koloss – eine Art stilistischer Gegenentwurf der filigranen Schlösser – wurde im Jahr 1900 auf dem 95 Meter hohen Berg errichtet, nach einem preisgekrönten Entwurf mit dem Namen „Götterdämmerung“. Von der Aussichtsplattform hat man einen weiten Blick: Windräder drehen ordentlich am Rad und in einer Senke hat es sich Zehdenick gemütlich gemacht am Feierabend.

Etappenziel der Radtour: Zehdenick

Die Abenddämmerung ist schon im Anflug, als wir uns wenig später dem Etappenziel nähern. Zehdenick ist wie eine Havelperle, mit Kloster, einem Rathaus im klassizistischen Baustil, einer Zugbrücke und vielen idyllischen Flecken am Wasser. Der Fernradweg Berlin – Kopenhagen läuft durch den Ort und manch ein wettergegerbter Radfahrer sieht aus, als wäre er morgens am Nordkap losgefahren, den Ausdruck des Individualisten im braungebrannten Gesicht. Auch wir werden auf der Sehnsuchtsroute weiterfahren, frei nach dem Motto: Hier ist man Radfahrer, hier darf man´s sein – kein Autofahrer in Sicht, der einem das Schwarze unter den Reifen nicht gönnt.

Nach dem Abstecher in die Stichlandschaft, der Seenplatte im Westentaschenformat, folgt die Übernachtung in Zehdenick. Der Tag hat inzwischen keinen blassen Schimmer mehr, der Polarstern funkelt wild als habe er einen Wackelkontakt und mir fällt noch auf, dass die Wortgruppe „Picknick in Zehdenick“ das Potential zum Zungenbrecher hat: „Im dichten Schilfdickicht picken hungrige Radler in Zehdenick tüchtig“. Mich hat außerdem eine Mücke gestochen an den Tonstichen und nun wissen wir auch, was ein Mückenstich ist.

Radtour durch Brandenburg: Die Route im Schnellcheck:

Start- und Zielpunkt: Die Tour beginnt am Bahnhof Oranienburg und endet am Bahnhof in Zehdenick. In Zehdenick kann eine schöne Runde (sechs Kilometer Länge) durch die Tonstichlandschaft hinzugefügt werden. Kombiniert werden kann die Tour mit Landpartie Nummer sechs des Jahres 2022 von Zehdenick über Himmelpfort und Lychen nach Templin. Wer eine Rundtour machen und von Zehdenick zum Ausgangspunkt Oranienburg zurückkehren möchte, kann auf dem Fernradweg Berlin-Kopenhagen (35 Kilometer) oder mit der Bahn (Fahrtzeit: 32 Minuten, ohne Umsteigen) die Rückfahrt antreten. Oranienburg ist exzellent an das Bahnetz und S-Bahnnetz angebunden. Es gibt unter anderem eine Direktverbindung nach Potsdam-Hauptbahnhof und nach Zehdenick, das ebenfalls gut erreichbar mit dem Zug ist.

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Anbindung an das Radverkehrsnetz: Neben dem internationalen Fernradweg Berlin – Kopenhagen gibt es mehrere weiterführende Routen wie den Havelradweg, den Ruppiner Radweg, die Radrouten historische Stadtkerne und den Fontane-Radweg. Teile der Tour gehören außerdem zur D-Route, es gibt zudem Anschluss an ein regionales Knotenpunkt-Wegsystem.

Der Schwierigkeitsgrad: Es gibt nur wenige Steigungen auf der Tour – die Höhendifferenz beträgt laut des Routenplaners Komoot lediglich rund 140 Meter. Es handelt sich auch um eine der kürzeren Landpartien. Ob Kinder das Pensum bewältigen können, sollte man individuell entscheiden.

Die Landpartie führt von Oranienburg nach Zehdenick.

Die Landpartie führt von Oranienburg nach Zehdenick.

Länge: 37 Kilometer (Fahrtzeit rund drei Stunden). In Zehdenick kann man zusätzlich eine rund sechs Kilometer lange Runde durch die Tonstiche unternehmen.

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Die Strecke: Die MAZ-Landpartie führt auf Routen des offiziellen Knotenpunktsystems von Zehdenick nach Oranienburg. Die Tour verläuft über separate Radwege, straßenbegleitende Radwege, ruhige Nebenstraßen, ein Stück Landstraße (zwischen Liebenberg und Bergsdorf) und ein Stück unbefestigten Radweg (hinter Bergsdorf).

Die Strecke ist ingesamt sehr gut ausgeschildert, es kann sich an vielen Knotenpunkten orientiert werden.

>>> Hier geht es zur Tour bei Google Maps

Sehenswürdigkeiten: Prachtvolle Schlösser, hügelige, märkische Weite und eine urwüchsige Tonstichlandschaft bei Zehdenick – auf der Tour warten viele sehenswerte Orte und viel Abwechslung. Eine Besonderheit der Landpartie: Es liegen drei Schlösser und herrschaftliche Anwesen (in Oranienburg, Liebenberg und Zehdenick) an der Strecke. Vom Bismarckturm auf dem Hohen Timpberg (95 Meter) bei Zehdenick hat man einen weiten Blick über die hügelige Landschaft. Der Turm ist allerdings nicht immer geöffnet, der Aufstieg ist aber nach telefonischer Rücksprache und Vereinbarung mit dem Bismarck-Turm-Verein (03307/31 08 81) möglich. Der Eintritt ist frei.

Oranienburg: Die herausragende Sehenswürdigkeit der Kreisstadt Oberhavels ist sicher das Schloss Oranienburg, das zu den bedeutendsten Barockbauten der Mark Brandenburg gehört. In dem prächtigen Gebäude, das sich in der Innenstadt am Ufer der Havel befindet, sind das Schlossmuseum und das Kreismuseum Oberhavel untergebracht. Der Schlosspark, den Kurfürstin Louise Henriette von Oranien im 17. Jahrhundert anlegen ließ, ist seit der Landesgartenschau 2009 aufgeblüht. An Lehnitzsee sowie den vielen Wasserläufen – durch die Stadt fließen neben der Havel der Oranienburger Kanal, der Ode-Havel-Kanal und der Ruppiner Kanal – warten viele idyllische Plätze. Der Schlosshafen verströmt maritimes Flair.

Löwenberg/Liebenberg: Eines der prächtigen Bauwerke auf der Tour ist auch Schloss Liebenberg. Zum Ensemble gehören neben dem Herrenhaus auch die Gutsanlage und der Gutspark – ein Landschaftspark mit barocken Elementen, der in Anlehnung an Entwürfe von Peter Joseph Lenné gestaltet wurde. Theodor Fontane schreibt in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg über seinen Aufenthalt: "Zu meinen glücklichsten Wanderungstagen gehören die in Liebenberg verbrachten".

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Zehdenick: Die Havelstadt verfügt neben der Stadtkirche, einem stattlichen Wasserturm und einer alten Zugbrücke außerdem über eine Klosteranlage, von der Teile erhalten sind. "Sehenswert sind die Ruine des großen Dormitoriums mit den beiden erhaltenen Giebelwänden und der nördliche Kreuzgangflügel", heißt es auf www.kloster-zehdenick.de, "mit dem erhaltenen Teil des Kreuzgangs und mehreren Gewölberäumen aus dem 14. Jahrhundert. Das Kloster Zehdenick gehört zu den ältesten Nonnenklöstern der Zisterzienser in Brandenburg." Nördlich der Stadt erstreckt sich die Tonstichlandschaft, ein beeindruckendes Vogel-, Natur- und Badeparadies. "Die Havel ermöglichte den wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt in Zeiten der Industrialisierung. Tonvorkommen ließen Europas größtes Ziegeleirevier entstehen", wird auf www.zehdenick-tourismus.de berichtet. Am Rande der Tonseenlandschaft liegt auch das Havelschloss Zehdenick.

Einkehrmöglichkeiten: Es gibt auf der Tour viele Möglichkeiten, einzukehren. Oranienburg verfügt über diverse Lokalitäten. In Zehdenick gibt es ebenfalls Restaurants und unterwegs außerdem Imbissmöglichkeiten, auf Schloss Liebenberg einen Gutshofladen und in Klein-Mutz einen Hofladen mit Cafébetrieb in der Radsaison (Mai bis Oktober). Außerdem befinden sich viele Picknickplätze auf der Strecke, unter anderem am Bismarckturm Klein-Mutz.

Bademöglichkeiten: Die Tonstichlandschaft bei Zehdenick ist ein Badeparadies – hier gibt es viele schöne Stellen am Wasser. Am Südufer des Lehnitzsee in Oranienburg befindet sich eine Badestelle mit Strand und Liegewiese.

MAZ-Tipp: So viel Zeit wie möglich nehmen, den Tag in der Tonstichland ausklingen lassen und die Tour mit der zweiten Etappe der MAZ-Rundtour über Himmelpfort und Lychen nach Templin fortsetzen.

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