Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Niederfinow

Neues Schiffshebewerk: 14 Jahre Bauzeit – am Dienstag wird’s eröffnet

Das alte und das neue Schiffshebewerb von Niederfinow.

Das alte und das neue Schiffshebewerb von Niederfinow.

Potsdam. Es ist so etwas wie der BER der Binnenschifffahrt, zumindest was die Bauzeitüberschreitung angeht: Nach fast 14 Jahren Bauzeit mit reichlich Verzögerung geht Anfang Oktober das neue Schiffshebewerk in Niederfinow in Betrieb. Der 500 Millionen Euro teure Bau hat gewaltige Ausmaße und stellt damit auch den historischen Schiffsaufzug, der vis-à-vis des Oder-Havel-Kanals gelegen ist, in den Schatten. „Es ist ein Solitär, eine Anlage, die es so noch nicht gibt“, sagte Bauherr Rolf Dietrich, Leiter des Wasserstraßen-Neubauamtes Berlin, im Vorfeld der feierlichen Eröffnung des imposanten Bauwerks. 

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Bald 90 Jahre alt ist das historische Schiffshebewerk, das als Meisterstück der Ingenieurskunst gilt, und seinerzeit deutlich schneller – binnen sieben Jahren – errichtet worden war. Schon Anfang der 1990er Jahre begannen die Überlegungen für den Neubau als Ersatz für die in die Jahre gekommene Stahlkonstruktion, die von 5 Millionen Nieten zusammengehalten wird und einen Höhenunterschied von 36 Metern ausgleicht. Normal sei eine Nutzungsdauer für Schiffshebewerke von 80 bis 100 Jahren, heißt es. Aber allzu viele Vergleiche hat man dafür nicht: In Deutschland gibt es eine ähnliche Konstruktion noch auf dem Elbe-Seiten-Kanal.

Lift wiegt fast 10.000 Tonnen

Die moderne Anlage aus Beton und Stahl funktioniert vom Prinzip her wie die alte: Ein riesiger Trog wird mit tonnenschweren Gegengewichten in die Höhe gehievt. Der neue Trog wiegt rund 10.000 Tonnen. Schiffe mit einer Länge von 115 Metern und 11,45 Metern Breite können damit gehoben und gesenkt werden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die beiden Schiffshebewerke im Überblick

Das historische Schiffshebewerk von Niederfinow wurde im März 1934 in Betrieb genommen. Die Stahlkonstruktion überwindet einen Höhenunterschied von 36 Metern am Oder-Havel-Kanal. Es ist damit Bestandteil der internationalen Wasserstraße E 70, die von Rotterdam bis zur litauischen Hafenstadt Klaipeda führt.

Mit Wasser gefüllt wiegt der Trog, in dem die Schiffe geschleust werden, rund 4300 Tonnen. Er ist 85 Meter lang und 12 Meter breit. Schiffe mit einer Länge von 82 Metern können geschleust werden.

In das neue Schiffshebewerk passen Kähne mit einer Länge von bis zu 110 Metern Länge. Die Pläne für den Neubau stammen von Anfang der 1990er Jahre. Der größere Trog wiegt 9850 Tonnen. Der Neubau kostet rund 500 Millionen Euro. Grundsteinlegung war 2009.

Nach 14jähriger Bauzeit wird die Stahlbetonkonstruktion am 5. Oktober offiziell für den Verkehr freigegeben.

Das alte Hebewerk, das eines der charismatischsten Industriedenkmale Deutschlands ist, wird nicht sofort ausgemustert. Für die Dauer der Gewährleistungsfrist von fünf Jahren soll es weiter vorgehalten werden – für den Fall, dass der Neubau doch Probleme macht. Im kommenden Winter erhält der alte Schiffsfahrstuhl sogar noch einmal neue Seile.

Lesen Sie auch

Während für das historische Hebewerk fünf Schleuser noch echte Handarbeit leisten müssen, ist das neue Werk mit digitaler Technik ausgestattet. Für die Steuerung ist nur noch eine Person nötig, die theoretisch gar nicht vor Ort sein muss, sondern alles fernbedienen kann. 55 Meter hoch, 46 Meter breit und 133 Meter lang ist der Neubau, der am 5. Oktober um 6 Uhr für den normalen Schiffsverkehr freigegeben wird.

Herausforderung für die Ingenieurskunst

Aus dem Bundesverkehrsministerium hieß es, das neue Schiffshebewerk sei für die Aufrechterhaltung der Wasserstraßenverbindung zwischen Berlin und dem Seehafen Stettin in Polen notwendig. Aber nicht nur Güterschiffe, sondern auch Fahrgastschiffe, Motorboote und Kanus können den Wasser-Fahrstuhl nutzen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Der Neubau in Niederfinow (Barnim) hat eine lange Geschichte und gilt als Herausforderung für Ingenieure, da es eben kaum vergleichbare Konstruktionen gibt.

Das alte Schiffshebewerk stammt aus dem Jahr 1934 und ist immer noch in Betrieb. Riesige Räder und dicke Stahlseilen halten das Becken für die Schiffe.

Das alte Schiffshebewerk stammt aus dem Jahr 1934 und ist immer noch in Betrieb. Riesige Räder und dicke Stahlseilen halten das Becken für die Schiffe.

Schon vor acht Jahren sollte der Neubau fertig werden; veranschlagt waren 285 Millionen Euro. Nun kostet der Solitär der Binnenschifffahrt eine halbe Milliarde Euro: 520 Millionen Euro sind dafür im Bundeshaushalt veranschlagt, heißt es aus dem Verkehrsministerium.

Den Grundstein legten seinerzeit Ministerpräsident Matthias Platzeck und Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee. Fünf Verkehrsminister später wird am 4. Oktober Amtsinhaber Volker Wissing (FDP) das Bauerwerk einweihen, ehe es einen Tag später dann offiziell in Betrieb geht.

Blick auf den Kanal der oberen Zufahrt für Schiffe zum neuen Schiffshebewerk (der Trog ist gerade unten und deshalb nicht im Bild).

Blick auf den Kanal der oberen Zufahrt für Schiffe zum neuen Schiffshebewerk (der Trog ist gerade unten und deshalb nicht im Bild).

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Schiffshebewerk: Eröffnung mit Bürgerfest und Lightshow

Mit einem langen Festwochenende wurde die Eröffnung schon vorher gefeiert: Vom 1. bis 3. Oktober fand in Niederfinow ein Tag der offenen Tür statt – mit Bürgerfest auf der Seite des neuen Hebewerks und einem Erntedankfest auf der Seite des alten Hebewerks. Die Festabende wurden jeweils mit einer Lightshow beschlossen.

Hier finden Sie das gesamte Programm und einen Lageplan.

Am Dienstag, 4. Oktober, wird Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) das neue Schiffshebewerk einweihen, ebenfalls erwartet wird Brandenburgs Verkehrsminister Guido Beermann (CDU). Ferner will das Wasserstraßenneubauamt 1000 Freikarten mit Verzehrgutschein für Anwohner und Besucher verteilen. Nachmittags schippert ein Bootskorso ab der Marina Oderberg zum Hebewerk, wo dann die ersten Sportboote geschleust werden. Die Eröffnungssause endet mit einem Höhenfeuerwerk.

Von Torsten Gellner und Monika Wendel

Mehr aus Brandenburg

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken