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Serie: Was bewegt Sie?

Ulrike Plessow: „Immer im Dialog bleiben sollte die Devise bleiben“

Ulrike Plessow, Eigentümerin einer PR Agentur aus Falkensee.

Ulrike Plessow, Eigentümerin einer PR Agentur aus Falkensee.

Potsdam.Am 26. September ist Bundestagswahl. Die MAZ fragt Brandenburgerinnen und Brandenburger, was sie umtreibt. Heute: Ulrike Plessow (54) aus Falkensee (Havelland).

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Wo sind Sie gerade – und was sehen Sie, wenn Sie aus dem Fenster gucken?

Ich sitze am Laptop an meinem Arbeitsplatz mit Blick auf den Spandauer Forst.

Beschreiben Sie uns doch mal einen typischen Tag aus Ihrem Leben.

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Dank meiner selbstständigen Tätigkeit kann ich meine Arbeitszeiten recht flexibel einteilen. An drei Tagen in der Woche pendle ich per Regionalbahn oder Auto an den Berliner Lützowplatz, wo meine PR-Agentur seinen Hauptstadtsitz hat. An meinen Homeoffice-Tagen gönne ich mir dafür die Zeit, um in einer längeren Arbeitspause mein Pferd in Pausin zu besuchen und bei einem Ausritt am Havelkanal oder im Krämerwald auf andere Gedanken zu kommen.

Urlaubs-Gefühl in den eigenen vier Wänden

Sie wohnen in Falkensee – was gefällt Ihnen dort, was nicht?

Mein Mann Özgür und ich sind vor elf Jahren aus Berlin-Lankwitz in unser eigenes Haus nach Falkensee gezogen und haben es nie bereut. Wenn wir von unseren Berliner Arbeitsstätten nach Hause kommen, stellt sich immer sofort ein Urlaubs- oder zumindest Wochenendgefühl ein. Wir lieben das viele Grün, die Nähe zur Natur und die bunte Mischung aus alteingesessenen Falkenseern und zugezogenen Neu-Falkenseern. Was die Stadt noch perfekter machen würde: eine bessere Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Umwandlung von Buslinien mit regelmäßigen Fahrzeiten in "Rufbusse"? Das ist genau die falsche Entwicklung, um Pendler vom Auto auf die Öffis umsatteln zu lassen.

Was regt Sie zurzeit am meisten auf und warum?

Die zunehmende Spaltung der Gesellschaft durch die vereinfachte Darstellung komplexer Sachverhalte oder durch die gezielte Verbreitung von Fake-News. Dass große Teile der Gesellschaft den Glauben an eine funktionierende Demokratie zu verlieren scheinen. Das frustriert oft. Gleichzeitig ist die abnehmende Bereitschaft, sich mit Menschen auseinanderzusetzen, die eine andere Wahrnehmung von Realität haben, besorgniserregend.

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Kinder sollten früh lernen, Quellen zu checken

Was müsste passieren, damit es besser wird?

Kinder sollten frühzeitig lernen, Quellenprüfungen zu betreiben und nicht jeder reißerischen Headline Glauben zu schenken. Zum Thema "Auseinanderdriften der Gesellschaft": Ich erwische mich selbst dabei, mit Urteilen über Andersdenkende schnell zur Stelle zu sein. Aber auch wenn es anstrengend ist und oft vergeblich erscheint: Immer im Dialog bleiben sollte die Devise bleiben.

Was hat Ihnen zuletzt Freude bereitet?

Gerade gestern letzten Sonntag haben wir endlich mal wieder ein richtig nettes Fest im Garten der Falkenseer Bundesverdienstkreuzträger Mary und Dieter Boy mitgefeiert: Professionelle Musikerfreunde und auch musikalische Laien haben ihre Instrumente mitgebracht und dargeboten, was sie so konnten und wollten. Das haben wir doch so lange vermisst, Geselligkeit und kulturelle Veranstaltung, ganz unprätentiös und mit netten Menschen geteilt.

Passives Wahlrecht auch für Jüngere

Wären Sie bereit, sich politisch zu engagieren und wofür?

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Eine Nachbarin schlug mal vor, ich solle in die Politik gehen, was aber für mich nie im Bereich des Vorstellbaren war. Ich ziehe tief den Hut vor allen Menschen, die sich dieser Herausforderung stellen und so verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen, bei denen man oft den Eindruck hat, die Betroffenen können eigentlich nur verlieren und an ihrer eigenen Ohnmacht verzweifeln. Ich versuche mich eher im Kleinen: Mein Mann und ich waren bereits Anfang 2015, noch bevor die ersten Flüchtlinge in Falkensee ankamen, in der Willkommensinitiative aktiv. Aktuell würde mich am ehesten mobilisieren, schnellere Maßnahmen zur Erreichung der klar definierten Klimaziele durchzusetzen.

Wenn Sie Bundeskanzler oder Bundeskanzlerin wären – was wäre Ihre erste Amtshandlung?

Mir ist sehr bewusst, dass auch einer Bundeskanzlerin oft die Hände gebunden sind. In einer gut funktionierenden Demokratie haben eben viele ein Mitspracherecht, und trotz aller Hemmnisse, die dadurch entstehen, ist das in der Regel ja auch gut so. Aber ich würde meinen Einfluss dahingehend geltend machen, das passive Wahlrecht nach unten anzupassen. Politikverdrossenheit kann man nur entgegenwirken, indem man jungen Menschen eine Chance gibt mitzugestalten. Und wie viel gute Energie die jüngere Generation mitbringt, haben wir in den letzten Jahren oft genug erlebt.

Und was bewegt Sie, liebe Leserinnen und Leser? Wenn Sie mitmachen wollen, schicken Sie uns eine Mail an wasbewegtsie@maz-online.de

Von MAZonline

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