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Potsdam Orthopädie-Chefarzt des Potsdamer Bergmann-Klinikums unter Korruptionsverdacht
Lokales Potsdam Orthopädie-Chefarzt des Potsdamer Bergmann-Klinikums unter Korruptionsverdacht
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10:59 11.06.2019
Das Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann. Quelle: Bernd Gartenschläger
Potsdam

Die Korruptionsstaatsanwaltschaft Neuruppin ermittelt gegen den Orthopädie-Chefarzt des Potsdamer Klinikums Ernst von Bergmann wegen des Verdachts der Bestechlichkeit. Wie die Behörde auf Nachfrage bestätigte, sind Privat- und Büroräume des 55 Jahre alten Mediziners durchsucht worden, unter anderem in dem städtischen Klinikum. Die Razzia fand bereits am 28. März statt.

Bundesweit ließ die Behörde Medizintechnik-Firmen filzen, weil der Verdacht im Raum steht, dass es Absprachen mit dem Mediziner gab. Der soll im Gegenzug für den Bezug von Produkten Vorteile gewährt bekommen haben, so der Verdacht der Staatsanwaltschaft. Bei den fraglichen Medizinprodukten soll es sich nach MAZ-Informationen unter anderem um Titanprothesen für Operationen an der Wirbelsäule handeln.

Ausgedehnte Vortragsreisen nach China

Es geht laut Staatsanwaltschaft um Vortrags- und Beratungshonorare, Einladungen und Reisekosten – unter anderem für ausgedehnte Vortragsreisen nach China. Zur Höhe der Vergünstigungen macht die Behörde noch keine Angaben.

Auf 13 Mitarbeiter dieser Lieferanten erstrecken sich die Ermittlungen. Ihnen wird „Bestechung im Gesundheitswesen“ vorgeworfen. Es hat bundesweit Durchsuchungen gegeben, unter anderem im Saarland und in Hamburg.

Wie viel wusste der Vorgesetzte?

Ermittelt wird auch gegen den ehemaligen Geschäftsführer der Potsdamer Oberlin-Klinik – er war gemeinsam mit dem Orthopädie-Chefarzt 2017 beziehungsweise 2018 im Streit von der Oberlin-Klinik zum städtischen Klinikum gewechselt. Bei dem alten Arbeitgeber war er Vorgesetzter des Chefarztes. Die Ermittler prüfen nun, wie viel der Manager von den Vergünstigungen zugunsten des medizinischen Leiters der Klinik wusste und durchgehen ließ.

Derzeit wertet laut Staatsanwaltschafts-Sprecher Frank Winter das Landeskriminalamt die sichergestellten Akten, Verträge, Lieferunterlagen und Dateien aus. Der Zeitraum der verdächtigen Handlungen erstreckt sich laut Staatsanwaltschaft von 2014 bis 2019. Mögliche Taten aus der Zeit davor sind verjährt.

Koryphäe für Wirbelsäulenerkrankungen

Der Chefarzt spielte in den Querelen um die gescheiterte Kooperation zwischen Oberlin-Klinik und dem städtischen Klinikum Ernst von Bergmann Anfang 2018 eine zentrale Rolle. Der heute 55-Jährige wechselte überraschend von dem evangelischen Träger zu dem kommunalen Krankenhaus, als sich die Verhandlungen in der kritischen Phase befanden.

Der Verlust für Oberlin wurde damals als herb eingestuft, denn der Mediziner genießt den Ruf einer Koryphäe für Wirbelsäulenerkrankungen, er reiste um die ganze Welt. Viele Patienten kamen seinetwegen nach Potsdam-Babelsberg. Dass auch der Geschäftsführer sowie zwei weitere Mitarbeiter der Oberlin-Klinik ans Bergmann-Klinikum gingen, war eine der Ursachen, dass die Gespräche über eine dauerhafte Kooperation scheiterten.

Recherchen sei 2017

Die Geschichte endete vollends im Eklat, als bekannt wurde, dass die Stadt Potsdam eine Mehrheitsbeteiligung an der Oberlin-Klinik anstrebte – und dass der leitende Arzt schon vor seinem Wechsel an einer Bergmann-Veranstaltung teilgenommen hatte.

Die Ermittlungen gegen den ehemaligen Star der Oberlin-Klinik gehen auf eine Anzeige seines ehemaligen Arbeitgebers zurück. Offenbar hatte man sich dort die Rechnungsbücher noch einmal genau angeschaut, nachdem das Spitzenduo aus Chefarzt und Geschäftsführer Oberlin verlassen hatte. Seit Ende 2017 laufen die Recherchen der Staatsanwälte.

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Von Ulrich Wangemann

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