Er lenkte den Blick der Weltöffentlichkeit auf die Selbstschussanlagen entlang der innerdeutschen Grenze und büßte dafür mit seinem Leben: Der ehemalige DDR-Bürger Michael Gartenschläger wurde von einem Stasi-Kommando vor 46 Jahren bei Büchen erschossen. Eine Spurensuche.
Leisterförde.Es war ein Kamikaze-Unternehmen, und er war gewarnt. Doch Michael Gartenschläger konnte es nicht lassen. Zum dritten Mal wollte er einen der perfidesten Tötungsapparate an der innerdeutschen Grenze abbauen, die „Selbstschussanlage SM 70“. Zweimal hatte es geklappt, warum dann nicht ein drittes Mal? Wieder pirschte er sich in stockfinsterer, kalter Nacht von westdeutscher Seite an den Grenzzaun zwischen Bröthen und Leisterförde, gelegen inmitten eines unwegsamen Waldstücks bei Büchen (Schleswig-Holstein).
Doch diesmal hatte die Stasi ihm eine tödliche Falle gelegt: Noch bevor er den Grenzzaun erreichte, brach er im Kugelhagel zusammen. 120-mal wurde auf ihn geschossen, diesmal wollte die DDR ihn nicht entkommen lassen. Wenige Meter entfernt musste sein Kumpel Lothar Lienicke hilflos mit ansehen, wie der 32jährige Gartenschläger verblutete. Die Erinnerung daran lässt den 75jährigen, der inzwischen in Leipzig lebt, nicht los.