„Gotham Knights“ im Test

Batmans blasses B-Team

„Gotham Knights“ ist ein Spiel von Batman-Fans für Batman-Fans.

„Gotham Knights“ ist ein Spiel von Batman-Fans für Batman-Fans.

Einen Film mittendrin einzuschalten, kann leichten Schwindel auslösen. Unerklärt wirbeln irgendwelche Helden und Schurken durcheinander, die Musik dröhnt dramatisch, und keiner weiß warum. Wenn ein Film mit so einer Szene anfängt, dann rechnet das Publikum vielleicht mit einem Regiekniff: Gleich wird die Pointe erklärt. Gleich wird aufgeschlüsselt, wer dieser Ra‘s al Ghul noch einmal war und wie er in Batmans Unterschlupf eingedrungen ist.

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Grundkenntnisse werden vorausgesetzt

In diesem Fall wartet das Publikum jedoch vergeblich. „Gotham Knights“ erklärt wenig. Es ist ein Spiel von Batman-Fans für Batman-Fans. Zumindest wirkt die Geschichte so. Denn hier werden Charaktere wie alte Bekannte behandelt, weil sie ja auch seit Jahrzehnten durch Comics und Filme geistern. Das gilt nicht nur für Batman, Alfred, Harley Quinn und den Pinguin, es gilt auch für die Superschurkenfamilie al Ghul, für Unternehmen wie Foxteca und nicht zuletzt für die vier Helden.

Nach Batmans plötzlichem und rätselhaften Ende zum Anfang des Spiels treten seine Lehrlinge Batgirl, Robin, Nightwing und Red Hood an, um seine Arbeit fortzusetzen. Das Quartett tritt als fester Freundeskreis auf und plaudert los, als wären wir alle von Anfang an dabei gewesen. Aber auch für Menschen, die im Lauf der Jahre mehr als einem Robin begegnet sind, wirkt der Einstieg etwas plötzlich. Die Geschichte von „Gotham Knights“ hat den Anfang vergessen.

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Superhelden auf der Suche nach Struktur

Eigentlich ist „Gotham Knights“ ein klassisches Action Adventure. Es gibt zwar auch einen Koop-Modus für zwei online verbundene Menschen, aber spätestens in den Zwischensequenzen steht da immer nur eine Heldin oder ein Held. Das Abenteuer spielt in einem offenen, frei befahrbaren Gotham und erzählt nächteweise die Geschichte einer düsteren Verschwörung. Tagsüber berät sich das Team im Glockenturm und geht die Ausrüstung durch, nachts fährt es auf der Stadtkarte zu zahlreichen Neben- und Hauptmissionen.

Beim Spielen stellt sich ein bemerkenswertes Freiheitsgefühl ein. Nicht nur die Welt ist groß, das Team ist auch verschieden. Der grimmige Red Hood schießt Gegnern eher ins Gesicht, während Batgirl ihnen schon von Weitem einen Stromschlag verpassen kann. Und wenn es in der Geschichte weitergeht, dann tritt die jeweils ausgewählte Spielfigur als Hauptcharakter auf. Technisch ist das beeindruckend. Es trägt aber auch dazu bei, dass sich die Geschichte immer etwas beliebig anfühlt. Starke Dialoge oder persönliche Momente hat „Gotham Knights“ eher nicht zu bieten.

Die Kämpfe mit endlos variierenden Grüppchen von Gegnern erinnern an die Batman-Arkham-Serie. Aber wirken simpler als das Vorbild.

Die Kämpfe mit endlos variierenden Grüppchen von Gegnern erinnern an die Batman-Arkham-Serie. Aber wirken simpler als das Vorbild.

Viel zu tun

Dafür hat dieses Action Adventure ein unerschöpfliches Buffet an Spielideen. Im Glockenturm gibt es nicht nur den gelegentlichen Smalltalk, hier werden Ausrüstung, Waffen und Kostüme gecraftet. Die eigenen Charakter hochzuleveln und auszustatten ist auf höheren Schwierigkeitsgraden durchaus wichtig. Auch die etwas zerfahrene Geschichte lässt sich hier auf der Pinnwand nachvollziehen.

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Das eigentliche Spiel findet aber nachts statt. Bei der Patrouille durch Gothams Straßen lassen sich nicht nur die nächsten Storymissionen ansteuern, sondern auch kleinere Verbrechen bekämpfen, Sammelobjekte finden und allerlei Nebenmissionen abhaken. Dass die Option zur Schnellreise sich nur langsam und gemächlich freispielen lässt, ist kaum ein Nachteil. Die nachtglänzenden Straßen sehen auf Playstation 5, Xbox Series und neueren PCs schick aus, und sie lassen sich auf dem Bat-Bike einigermaßen schnell durchqueren.

Das Heldenteam schlägt sich mit vielen kleinen Schwächen herum

So toll aber das dynamische Wetter, die dramatischen Hochhaussilhouetten und die comicartigen Farbsprenkler auch aussehen – gespielt wird „Gotham Knights“ mit dem Gamepad. Und da fühlt es sich nicht gerade packend an. Auf der Xbox ist das Bild nicht besonders flüssig. Besonders die Fahrten mit dem Bike wirken nie schnell; das Gerät fährt wie auf Schienen, bleibt aber gerne mal an Pfeilern und Ecken hängen. Es fühlt sich nicht rasant und gefährlich an, sondern wie ein Autoscooter.

Die Kämpfe mit endlos variierenden Grüppchen von Gegnern erinnern an die Batman-Arkham-Serie. In vier Videospielen wurde ein Action-Ballett voller Konter und Tricks aufgeführt, an das sich Fans bis heute sehnsüchtig erinnern. „Gotham Knights“ ahmt das Vorbild nach, wirkt dabei aber schwammig und etwas simpel. Oft sind die Kämpfe eher einfach und monoton; werden sie schwerer, wirkt die Herausforderung unübersichtlich und unfair.

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Das Heldenteam schlägt sich mit vielen kleinen Schwächen herum. Ungenau wird es nicht nur bei den Kämpfen, sondern auch bei der Reise von Dach zu Dach per Greifhaken. Können wir draußen so auch überraschend große Strecken zurücklegen, ist beim Schleichen oft das Gegenteil der Fall – öfter wurden wir erwischt, weil wir uns nicht wie einst Batman aus der Sichtlinie ziehen konnten.

Abwechslung mit der B-Gang

An vielen Stellen werden die Bat-Azubis von solchen Kleinigkeiten geplagt. Ein guter Grund zum Dranbleiben ist doch noch die Geschichte, als sie einmal Fahrt aufnimmt. Nicht besonders originell, aber doch spannend und bewegt ist die Story um eine finstere Superverschwörung. Die sehr linearen Missionen führen durch aufwendig gestaltete Schauplätze und zu dramatischen Höhepunkten, die vielleicht nicht überraschen oder begeistern – die aber Spaß machen.

Abwechslung in die B‑Gang bringt nicht zuletzt die Charakterwahl. Die Menschen unter den Masken bleiben etwas blass, aber dafür lassen sie sich munter durchwechseln und neu einkleiden. Im Koop-Modus machen auch die Prügeleien noch einmal deutlich mehr Spaß, auch weil sich die Heldenkräfte kombinieren lassen.

Viele Fans der alten Batman-Arkham-Spiele haben auf „Gotham Knights“ gewartet. Für sie ist dieses Abenteuer leider eine klare Enttäuschung. Wer aber neue Gaminghardware besitzt und sich einfach eine bunte Abwechslung wünscht, kann es mit dieser Nachtfahrt durchaus versuchen.

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