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Achtung, miese Stimmung droht!

Warum wir in Videocalls den Fokus nicht zu sehr auf uns selbst richten sollten

Ständig sich und andere beobachten: Einer der Gründe, warum wir lange Online-Meetings so anstrengend finden.

Ständig sich und andere beobachten: Einer der Gründe, warum wir lange Onlinemeetings so anstrengend finden.

Je mehr wir in einem Videocall uns selbst anschauen, desto mehr verschlechtert sich unsere Laune. Das haben Forschende der University of Illinois in einer Studie herausgefunden. Alkoholkonsum während des Gesprächs kann den Effekt sogar noch verstärken. Die Nutzung von Online-Meeting-Plattformen könne sich daher womöglich negativ bei Ängsten und Depressionen auswirken, so die Autoren und Autorinnen der Veröffentlichung.

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Die Forschenden hatten die Augenbewegungen von Studienteilnehmenden während eines Videoanrufs aufgezeichnet. Auf einem geteilten Bildschirm konnten diese dabei sowohl sich selbst als auch ihre Gesprächspartner und Gesprächspartnerinnen sehen. Einige tranken während des Videocalls Alkohol, andere nicht. Vor und nach dem Videoanruf wurden die Teilnehmenden zudem zu ihrem emotionalen Befinden befragt.

Die meiste Zeit hatten die Probanden und Probandinnen während des Gesprächs die Personen angeschaut, mit denen sie sich unterhielten. Einige richteten allerdings häufiger den Blick auf ihr eigenes Bild auf dem Bildschirm als andere – mit deutlichen Auswirkungen: „Wir fanden heraus, dass Teilnehmende, die während der Unterhaltung mehr Zeit damit verbrachten, sich selbst anzusehen, sich nach dem Anruf schlechter fühlten“, sagte Talia Ariss, die als Doktorandin an der Studienleitung beteiligt war, in einem von der University of Illinois veröffentlichten Statement. Das galt auch, wenn das Befinden der Versuchspersonen mit deren Laune vor dem Anruf verglichen wurde. Die Erklärung der Forschenden: Je stärker selbstbezogen sich jemand verhält, desto stärker neigt er zu Gefühlen wie Ängsten oder sogar Depressionen.

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Alkohol verstärkt den Effekt noch

Bei den Versuchsteilnehmenden, die Alkohol getrunken hatten, fiel der Effekt sogar noch größer aus: Sie blickten sich öfter und länger selbst an, was ihre Stimmung entsprechend beeinträchtigte. Normalerweise fördere Alkohol zwar soziale Interaktionen und habe eine stimmungsauflockernde Wirkung, sagte Ariss: „Das galt aber nicht für die Online-Unterhaltungen. In diesem Fall führte der Alkoholkonsum zu mehr Selbstbezogenheit und hatte nicht diesen typischen stimmungsaufhellenden Effekt.“

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen wiesen darauf hin, wie stark Videokonferenzen während der Pandemie zugenommen hätten. „Viele von uns haben begriffen, dass virtuelle Interaktion einfach nicht das gleiche ist, wie von Angesicht zu Angesicht zu sprechen“, sagte die Psychologieprofessorin und Studienleiterin Catharine Fairbairn. „Viele Menschen kämpfen nach einem Tag voller Zoom-Meetings mit Müdigkeit und Melancholie. Unsere Studie deutet daraufhin, dass die Selbstansicht, die viele Videoplattformen anbieten, solche Interaktionen anstrengender machen als sie es sein müssten.“

Eine gedrückte Stimmung scheint übrigens nicht der einzige Nachteil der Selbstbetrachtung im Videocall zu sein. Die Dermatologin und Harvard Professorin Arianne Shadi Kourosh glaubt, dass diese zu einer Wahrnehmungsstörung und zu mehr Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen führt. Sie sieht die Gefahr einer Fixierung auf optische Makel – dabei sei das eigene Bild durch die Onlinekameras ohnehin verzerrt und entspreche gar nicht der Realität. Für das Phänomen hat Shadi Kourush den Begriff „Zoom Dysmorphia“ erfunden: In Anlehnung an den Begriff „Body Dysmorphia“ oder Dysmorphophobie, einer stark übertrieben negativen Wahrnehmung des eigenen Aussehens.

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