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Kommt bald eine „O-bis-O-Maskenpflicht“?

Lauterbach stellt Sieben-Punkte-Plan für den Corona-Herbst vor

Karl Lauterbach (SPD), Bundesminister für Gesundheit, spricht bei einer Pressekonferenz zur Corona-Lage im Sommer in der Bundespressekonferenz.

Berlin. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat am Freitag bei einer Pressekonferenz in Berlin den Corona-Fahrplan für den Herbst und Winter skizziert. Dieser umfasst sieben Maßnahmen, die Deutschland in den kommenden Monaten vor einer weiteren Infektionswelle mit hohen Infektions- und Todesfällen schützen sollen. „Das Ziel ist ganz klar, dass wir besser in den Herbst hineingehen wollen als wir das im letzten Jahr konnten und auch in dem Jahr davor“, sagte der SPD-Politiker.

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Das ist Lauterbachs Sieben-Punkte-Fahrplan für den Herbst

Die erste Waffe gegen das Coronavirus soll eine Impfkampagne sein, um die Impflücken zu schließen. Derzeit sind 18,6 Millionen Menschen in Deutschland (22,4 Prozent) noch nicht gegen Covid-19 geimpft, wie aus den Zahlen des offiziellen Impfdashboards des Bundesgesundheitsministeriums hervorgeht. Zum Einsatz kommen sollen im Herbst neben den bisherigen Impfstoffen auch an die Virusvarianten angepasste Vakzine, die die Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna derzeit entwickeln. Letztere seien im September verfügbar, stellte Lauterbach in Aussicht. Eine allgemeine Impfpflicht einzuführen, schloss er erneut aus.

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Zweitens sieht der Herbstfahrplan des Gesundheitsministers ein Testkonzept vor. Im Fokus sollen dabei vor allem die kostenlosen Bürgertest stehen, die am 30. Juni auslaufen. Verhandlungen zur weiteren Finanzierung liefen bereits, sagte Lauterbach. „Wir werden eine Empfehlung machen, wie die Bürgertests genau zu verteilen sind, wer die Bürgertests bekommen sollen, wie wir auch die Qualitätssicherung bei den Bürgertests verbessern können und wie wir sicherstellen, dass es bei den Bürgertests nicht zu Missbrauch kommt.“ Das Testkonzept werde in den kommenden Tagen vorgestellt.

Coronavirus: Omikron-Sublinien dominieren bereits

Die seit einigen Wochen anteilig zunehmenden Omikron-Sublinien sind nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts derzeit bereits dominierend.

Des Weiteren soll ein Konzept zum schnellen Einsatz von Arzneimitteln zur Behandlung von Coivd-19-Erkrankten erarbeitet und das Infektionsschutzgesetz reformiert werden. Auch einheitliche Regelungen für Schulen und Kitas, um Schließungen „mit allen Mitteln“ zu vermeiden, sieht Lauterbachs Sieben-Punkte-Plan vor. Genauso wie den Schutz von vulnerablen Personen etwa in Alten- und Pflegeheimen. In jeder Einrichtung werde es künftig eine verantwortliche Fachkraft geben müssen, die die Umsetzung der Hygienekonzepte und den Impfstatus der Bewohnerinnen und Bewohner kontrolliert. Ein entsprechender Gesetzesentwurf käme in Kürze, kündigte Lauterbach an.

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Zu guter Letzt brauche es nach Ansicht des Gesundheitsministers eine verbesserte elektronische Datenerfassung in den Kliniken. Tagesaktuell sollen die freien und belegten Betten auf den Intensiv- und Normalstationen ausgewiesen werden. „Es kann nicht sein, dass wir erneut diese Informationen händisch mit großer Verzögerung bekommen“, sagte er. Der SPD-Politiker will künftig auf das sogenannte DEMIS-System setzen. DEMIS steht für Deutsches Elek­tro­ni­sches Melde- und Infor­ma­tions­system für den Infek­tions­schutz, das vom Robert Koch-Instituts (RKI) verwaltet wird.

Ob auch eine Verschärfung der Maskenpflicht im Herbst vorbereitet werde, bestätigte Lauterbach nicht. Die „Welt am Sonntag“ hatte zuvor darüber berichtet, dass in der Bundesregierung über eine „O-bis-O-Regelung“ beraten werde – also eine generelle Maskenpflicht von Oktober bis Ostern. Der Gesundheitsminister ließ dazu lediglich verlauten, dass klar sei, dass es im Herbst mehr brauche als die jetzigen „Sommerreifen“.

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RKI-Vizepräsident: Weitere Corona-Fälle zu erwarten

Zurzeit gibt es kaum noch Corona-Maßnahmen in den Bundesländern. Das macht es dem Omikron-Subtypen BA.5 leichter, sich hierzulande zu verbreiten. Die Virusvariante sorgt dafür, dass die Fallzahlen nun wieder steigen.

Am Freitagmorgen hat das RKI 28.118 neue Corona-Infektionen verzeichnet. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt nun bei 427,8. Damit ist der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner sowie Woche wieder zurückgegangen: Am Donnerstag hatte er noch bei 480,0 gelegen. Grund dafür sei nach Einschätzung von RKI-Vizepräsident Lars Schaade der gestrige Feiertag Fronleichnam, der unter anderem in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland stattgefunden hat. An Feiertagen wird bekanntlich weniger getestet.

„Wir müssen aber davon ausgehen, dass es auch in der nächsten Zeit, weitere Covid-Fälle geben wird – und dass damit auch der infektionsdruck auf die vulnerablen Gruppen weiter steigt“, sagte Schaade am Freitag in Berlin.

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Lauterbach warnt vor Alarmstimmung

Auch für Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ist die Sache eindeutig: „Wir haben jetzt eine Sommerwelle vor uns“, sagte er. Überrascht sei er von dieser Entwicklung nicht. „Die Sommerwelle haben wir prognostiziert.“ Der SPD-Politiker verwies in diesem Zusammenhang auf Südafrika. Dort hatte sich BA.5 selbst bei hohen Temperaturen rasch verbreitet. Ein Temperatureffekt, der das Coronavirus ausbremst, werde also dieses Mal kleiner ausfallen als im vorherigen Sommer.

Die beginnende Sommerwelle könne zu „relativ hohen Inzidenzen“ führen, warnte Lauterbach. Aber: „Es besteht keine Notwendigkeit, in Panik zu geraten.“ Mit Omikron dominiere hierzulande eine Virusvariante, die insgesamt zu milderen Krankheitsverläufen führe als ihre Vorgänger. Gleichzeitig seien viele Bürgerinnen und Bürger bereits gegen Covid-19 geimpft und geboostert – oder hätten sich mit dem Virus infiziert. Die Immunität in der Bevölkerung ist also hoch.

Corona-Sommerwelle: Lauterbach warnt vor Alarmstimmung

Karl Lauterbach sieht eine Corona-Sommerwelle mit hohen Inzidenzzahlen kommen. Angesichts dessen müsse man zwar wachsam sein, aber nicht in Panik geraten.

„Trotzdem ist es nicht so, dass wir die Sommerwelle begrüßen können“, stellte der Gesundheitsminister klar. Weiterhin könnten Infizierte mitunter schwer erkranken oder sogar versterben. Auch das Risiko, Spätfolgen zu entwickeln, sei weiterhin hoch. „Es ist nicht so, dass wir sorglos und ohne Gegenmaßnahmen der Sommerwelle begegnen können“, sagte Lauterbach. Er empfahl insbesondere, in Innenräumen Masken zu tragen.

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Gibt es bald eine Rückkehr zur Normalität?

Nichtsdestotrotz zeigte sich der Minister optimistisch: Es gebe Licht am Ende des Tunnels. Er selbst rechnet damit, dass es schon bald gelingen wird, Impfstoffe zu entwickeln, mit denen sich auch Ansteckungen größtenteils vermeiden lassen. Bisher schützen die Vakzine hauptsächlich vor schwerer Erkrankung und Tod, der Schutz vor Infektionen lässt mit der Zeit langsam nach – weshalb sich auch Geimpfte zu gegebener Zeit wieder mit dem Virus infizieren können.

Sollte es tatsächlich Impfstoffe geben, die Infektionen unterbinden, werde eine Grundimmunität in der Bevölkerung entstehen, mit der Corona dann eine Krankheit sei wie jede andere, sagte der Gesundheitsminister. Zurzeit bestehe eine solche schützende Immunität noch nicht. Deshalb brauche es weiterhin Schutzmaßnahmen, eine Impfkampagne und den Sieben-Punkte-Plan, um gut durch den Herbst und Winter zu kommen.

„Wir werden danach in eine Situation kommen, wo wir tatsächlich wieder zurückkehren zur Normalität“, erklärte Lauterbach. „Jetzt würde ich sagen, haben wir es gut im Griff, aber noch nicht gelöst – und danach werden wir es auch gelöst haben.“

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