Die wichtigsten Fragen und Antworten

Was genau ist eigentlich Homöopathie – und wie wirksam ist sie?

Globuli sind die wohl bekannteste Form homöopathischer Mittel.

Globuli sind die wohl bekannteste Form homöopathischer Mittel.

Für jedes Leiden ein Globuli: Homöopathie ist in Deutschland äußerst beliebt. Nach einer Forsa-Umfrage hat jeder oder jede Zweite schon einmal Homöopathie ausprobiert. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) fordert nun aber, dass gesetzliche Krankenkassen nicht mehr die Kosten für homöopathische Behandlungen erstatten. „Obwohl die Homöopathie vom Ausgabenvolumen nicht bedeutsam ist, hat sie in einer wissenschaftsbasierten Gesundheitspolitik keinen Platz“, sagte er gegenüber dem „Spiegel“. „Deshalb werden wir prüfen, ob die Homöopathie als Satzungsleistung gestrichen werden kann.“

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Die Meinungen zur Homöopathie gehen weit auseinander. Die einen schwören auf die heilsamen Effekte der Arzneimittel, die anderen tun sie als Pseudomedikamente ab. Wie wirksam sind sie wirklich? Und was unterscheidet sie von klassischen Medikamenten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Was ist Homöopathie?

Die Homöopathie ist eine alternative Heillehre, die der deutsche Arzt Samuel Hahnemann im 18. Jahrhundert erfunden hat. Der Name setzt sich aus den griechischen Wörtern homoion (für „ähnlich“) und pathos (für „Leiden“) zusammen. So basiert die Homöopathie auf der Vorstellung, dass „Ähnliches durch Ähnliches“ geheilt werden kann und dass eine Substanz umso stärker wird, desto schwächer sie konzentriert ist. Viele homöopathische Arzneimittel sind so stark verdünnt, dass darin praktisch kein Wirkstoff mehr enthalten ist.

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In Deutschland werden homöopathische Behandlungen sowohl von Heilpraktikern und Heilpraktikerinnen angeboten, als auch von Ärztinnen und Ärzten, die eine entsprechende Zusatzausbildung absolviert haben. Die Homöopathie gehört bei Kindern bis zum Alter von zwölf Jahren zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Viele Versicherungen erstatten homöopathische Behandlungen aber freiwillig auch bei älteren Kindern und Jugendlichen und bei Erwachsenen.

Verordnungen und Ausgaben

Im Jahr 2020 wurden insgesamt 693 Millionen Verordnungen zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) getätigt, wie Daten des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie zeigen. Homöopathische Mittel wurden davon gerade mal knappe 550.000-mal verordnet. Das sind nur etwa 0,08 Prozent aller Verordnungen. Die Zahl sinkt seit Jahren: 2016 lag sie noch mehr als doppelt so hoch.

Beim Umsatz machen die Mittel sogar noch einen geringeren Anteil aus. So machte die Pharmaindustrie zu Lasten der GKV in 2020 einen Umsatz von etwa 45 Milliarden Euro. Für homöopathische Mittel gab die GKV dabei mit einem Anteil von 0,03 Prozent lediglich 6,7 Millionen Euro aus. Die Ausgaben für die alternativen Mittel halten sich im Vergleich zu anderen Arzneien also in Grenzen. Dennoch häufen sich kritische Stimmen wie die von Gesundheitsminister Lauterbach, die die Finanzierung durch die gesetzliche Krankenversicherung infrage stellen.

Grundidee der Homöopathie: Das Simile-Prinzip

Eine der Grundideen von Hahnemann war das Simile-Prinzip, wobei simile aus dem Lateinischen stammt und „das Ähnliche“ bedeutet. Hahnemann ging davon aus, dass körperliche Beschwerden sich dann verbessern, wenn Substanzen verabreicht werden, die ähnliche Beschwerden auslösen würden.

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Bei Insektenstichen wird in der Homöopathie daher zum Beispiel die Einnahme von Globuli auf der Basis von Bienengift empfohlen. Leidet ein Kind unter Übelkeit und Erbrechen, setzen viele Eltern auf homöopathische Arzneimittel mit Extrakten von Pulsatilla, einem giftigen Hahnenfußgewächs, das in normaler Konzentrierung ebenfalls Erbrechen und Übelkeit auslösen würde. Auch viele weitere Gifte wie das Gift der Tollkirsche Belladonna, Arsen, Zyankali oder Schlangengift kommen in der Homöopathie zum Einsatz. Gefährlich ist das nur deshalb nicht, weil diese Substanzen bei der Zubereitung homöopathischer Globuli und Tinkturen in minimaler Dosierung vorhanden sind, also in den sprichwörtlich gewordenen „homöopathischen Dosen“.

Andererseits basiert auch nicht jede homöopathische Behandlung auf dem Simile-Prinzip: So werden bei Stößen und Prellungen homöopathische Arzneien empfohlen, die aus einer Verdünnung von Extrakten der Arnikapflanze zubereitet wurden. Arnikaextrakte sind in normaler, also vielfach höherer Dosierung auch in vielen Sportsalben zur äußeren Anwendung enthalten und sollen entzündungshemmende Eigenschaften haben. Die Substanzen, die bei der Zubereitung homöopathischer Arzneimittel zum Einsatz kommen, sind äußerst vielfältig: Sie reichen von Fledermausmilch bis zu Hundekot.

Homöopathisches Prinzip: Was hat es mit Verdünnung auf sich?

Anhängerinnen und Anhänger der Homöopathie glauben, dass eine Substanz umso stärker wird, desto öfter sie nach den homöopathischen Prinzipien verdünnt wird. So wird der ursprüngliche Wirkstoff bei der Herstellung homöopathischer Arzneimittel in mehreren Stufen immer wieder mit Wasser und Alkohol verdünnt. Die so entstandenen Verdünnungen werden Potenzen genannt und sind jeweils mit einem Buchstaben und Zahlen gekennzeichnet, aus denen sich das Verdünnungsverhältnis ableiten lässt. Die Potenz D steht für die zehnfache Verdünnung, eine Potenz C für die hundertfache. Die Zahl hinter dem Buchstaben gibt jeweils an, wie oft der Verdünnungsprozess durchgeführt wurde.

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So wird bei einer Potenz C12 zunächst ein Teil der Ausgangssubstanz mit 99 Teilen Wasser und Alkohol verdünnt. Von dieser Verdünnung wird dann erneut ein Teil genommen, dem 99 Teile Wasser und Alkohol hinzugefügt werden. Eine Potenz C12 bedeutet, dass dieses Verfahren zwölfmal wiederholt wird, eine Substanz also zwölfmal um das Hundertfache verdünnt wurde.

Rechnerisch kann ab einer solchen Verdünnungsstufe kein Wirkstoffmolekül mehr enthalten sein. Nach den Ideen der homöopathischen Lehre wird durch ein „Verschütteln“ aber nach jeder neuen Verdünnung eine Information von den Wirkstoffmolekülen auf das Wasser übertragen. Die Homöopathie geht von einem „Gedächtnis des Wassers“ aus, von einer „feinstofflichen Energie“ oder Schwingungen, die sich übertragen. Aus der Naturwissenschaft gibt es allerdings keine Belege dafür, dass ein solches „Gedächtnis des Wassers“ existiert. Homöopathische Arzneimittel können als Lösung eingenommen werden oder in Form von Tabletten oder Traubenzuckerkügelchen (Globuli), die mit einer homöopathisch verdünnten Lösung beträufelt wurden.

Die homöopathische Anamnese

Bei einer vollständigen homöopathischen Anamnese werden nicht nur die gesundheitlichen Beschwerden einer Person abgefragt, der oder die Behandelnde fragt darüber hinaus auch nach dem Gemütszustand, typischen Verhaltensmustern und der Hitze- und Kälteempfindlichkeit der Erkrankten, oder danach, wie diese bestimmte Lebensmittel vertragen. In Nachschlagewerken, die mittlerweile auch online verfügbar sind, wird dann nach einem Mittel gesucht, das im Sinne der homöopathischen Lehre zu den Beschwerden passt. Das bedeutet, dass es ähnliche körperliche Symptome auslösen würde wie die, die behandelt werden sollen. Es sind aber inzwischen auch fertige homöopathische Mischpräparate für bestimmte Beschwerden in Apotheken oder über das Internet erhältlich.

Homöopathie: Wo ist der Unterschied zu pflanzlichen Arzneimitteln?

Herkömmliche pflanzliche Arzneimittel unterscheiden sich deutlich von homöopathischen Mitteln. In nicht homöopathischen pflanzlichen Arzneimitteln sind Pflanzenextrakte oder Teile enthalten, die aber nicht nach den homöopathischen Prinzipien extrem verdünnt werden. Sie haben also einen normalen Wirkstoffgehalt. Für eine stärkere Wirkung wird bei pflanzlichen Mitteln gemäß den Richtlinien der klassischen Medizin eine höhere Dosierung empfohlen und keine niedrigere Dosierung wie bei der Homöopathie. Auch basiert die Anwendung pflanzlicher Arzneimittel nicht auf der Grundidee, Ähnliches mit Ähnlichem zu behandeln. Stattdessen wird, wie bei anderen klassischen Arzneimitteln, versucht, Beschwerden gezielt entgegenzuwirken.

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Was bringt Homöopathie? Nachweis der Wirksamkeit

Wie bei jeder Form von medizinischer Behandlung ist auch bei einer homöopathischen Therapie von einem Placeboeffekt auszugehen. So wurde vielfach nachgewiesen, dass sich gesundheitliche Beschwerden auch dann verbessern, wenn Kranken ein wirkstoffloses Scheinpräparat verabreicht wird. Allein die Erwartungshandlung, dass ein Arzneimittel die Symptome lindert, wirkt sich spürbar aus. Auch der ganzheitliche Ansatz bei einer klassischen homöopathischen Behandlung kann eine Wirkung zeigen: So wird bei der Anamnese über den seelischen Zustand von Patienten und Patientinnen gesprochen und die Behandlung kann mit einer Lebensstil- oder Ernährungsberatung einhergehen.

Sobald Patienten und Patientinnen homöopathische Medikamente begleitend zu anderen Maßnahmen einnehmen, lässt sich ohnehin nicht mehr sagen, worauf eine Verbesserung des Gesundheitszustandes zurückzuführen war. Eine Wirksamkeit der Homöopathie, die über den Placeboeffekt hinausgeht, konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Verfechter der Homöopathie berufen sich gerne auf einzelne Studien, in denen ein solcher Effekt beobachtet wurde. Deren Aussagekraft wird aber von anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern angezweifelt.

Wir haben diesen Artikel am 7. Oktober 2022 aktualisiert.

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