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ZItadelle Spandau

A-ha in Berlin: Guter Sound, lahme Stimmung

A-ha Sänger Morten Harket mit seinen Bandkollegen in der Berliner Zitadelle Spandau.

A-ha Sänger Morten Harket mit seinen Bandkollegen in der Berliner Zitadelle Spandau.

Berlin-Spandau. Wenn Morten Harket irgendetwas nicht ist, dann eine Rampensau. Mehr als ein Ausfallschritt ist bei dem Sänger von A-ha nicht drin. Sollen doch die Fans ausrasten, er singt lieber aus dem Hinterhalt, den vorderen Bühnenrand meidet der Norweger wie ein Eisbär die Hitze. Er hat da vorne nichts verloren, auch Ansagen überlässt das ehemalige Teenie-Idol lieber dem Keyboarder Magne Furuholmen, der seine Pflichten als Anheizer mit ein paar müden Klatsch-Spielchen zu erfüllen versucht.

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Es sind Szenen aus der Komfortzone einer einst mega-erfolgreichen Popband, die sich beim Konzert von A-ha am Dienstagabend auf der Zitadelle Spandau ereignen. Die drei von weiteren Musikern unterstützten Band-Mitglieder befinden sich im Dienst-nach-Vorschrift-Modus. Nach mehreren vorübergehenden Trennungen sind sie seit 2015 wieder zusammen. Den Grund kennt keiner so recht. Kohle, Langeweile, Nostalgie?

A-ha ruht sich offenbar auf Erfolg aus

Der Auftritt vor knapp 6000 Zuschauern ist nach einem Unplugged-Auftritt im Winter nun wieder voll verstärkt, kraftlos bleibt es dennoch. Es gibt ja auch große Erfolge, auf denen sich die 1982 gegründete Band ausruhen kann. Die Norweger haben rund 80 Millionen Tonträger verkauft, das Video zu ihrem Megahit „Take On Me“ war zugleich die Initialzündung des Musikfernsehens der 80er-Jahre.

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Mit fast 200.000 Zuschauern im Maracanã in Rio de Janeiro hielten sie den Rekord für das größte Stadion-Konzert aller Zeiten. Und mit „The Living Daylights“ lieferten sie einen der eindringlichsten Titelsongs zu einem James-Bond-Film ab.

Trotz der zur Schau getragenen Bocklosigkeit ist der Sound auf der Zitadelle – anders noch als beim Konzert in der Arena am Ostbahnhof im Januar – über jeden Zweifel erhaben. Die Stimme des 58-jährigen Harket klingt hell und klar. Drei Streicherinnen, die auch singen, sorgen für einen organischeren Klang als man das von den Originalversionen der Synthie-Pop-Songs aus den 80ern („Manhattan Skyline“, „The Sun Always Shines On TV“) gewohnt sind.

A-ha nutzt Potenziel nicht

Und doch nutzen die drei Norweger und die von ihnen abgetrennt auf einem erhöhten Konstrukt spielende Begleitband das Potenzial ihrer Hits nicht. Das Ergebnis ist meist uninspirierter Prosecco-Pop. Gut, um nostalgische Gefühle zu wecken. Mehr aber auch nicht. Dabei gibt es doch ein Alleinstellungsmerkmal – die Melancholie, die Texte und Musik durchzieht. Man hat aber nicht das Gefühl, die Band würde ihre eigenen Songs besonders mögen – oder gar einander.

Bei der ersten Zugabe, „Scoundrel Days“, verlassen die drei ihre angestammten Positionen, bewegen sich einander zu. Doch es fehlt der Blickkontakt, da ist kein Schulterklopfen, kein Lächeln, letztlich keine Energie, keine Spannung. Es wirkt, als zwängen sich voneinander genervte Verwandte zum gemeinsamen Kaffeekränzchen. Selbst die Projektionen auf den LED-Wänden sind uninspiriert. Sie zeigen Sterne und Feuerwerk. Und das, obwohl A-ha mal eine auch optisch wegweisende Band war und mit ihren Videos im Comic-Stil Musikgeschichte geschrieben hat.

Zu den als Zugaben gespielten Megahits rücken Ü-50-Pärchen nochmal näher aneinander. Die Teenies von einst schmachten den noch immer schnuckelige Harket an, zu „Take On Me“ tanzen einige. Nur der Sänger nicht. Harket spaziert von der Bühne und zeigt damit mehr Bewegung als in den 110 Minuten davor.

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Von Maurice Wojach

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