„Bauhaus der Erde“ und neue Architektur

Bauhaus-„Labor“ entsteht am barocken Potsdamer Waisenhaus

Die beiden Gründer des „Bauhaus der Erde“, der Architekt Philipp Misselwitz (l.) und der Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber, wollen auf der im Krieg zerstörten Ecke des „Großen Waisenhauses“ einen experimentellen Pavillon in nachhaltiger Bauweise errichten.

Die beiden Gründer des „Bauhaus der Erde“, der Architekt Philipp Misselwitz (l.) und der Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber, wollen auf der im Krieg zerstörten Ecke des „Großen Waisenhauses“ einen experimentellen Pavillon in nachhaltiger Bauweise errichten.

Innenstadt. Noch ist das vor einem Jahr gegründete „Bauhaus der Erde“ auf Provisorien in Potsdam und Berlin angewiesen – doch die vom Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber initiierte Klimawende in der Architektur soll bald eine sichtbare Heimat im Potsdamer Zentrum erhalten. Am Freitag präsentierte Schellnhuber zusammen mit dem Architekten Philipp Misselwitz, dem Co-Geschäftsführer des neuen Bauhauses, und mit Brandenburgs Forschungs- und Kulturministerin Manja Schüle (SPD) die Pläne.

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Genau neben ihrem Ministerium auf dem Gelände der Stiftung „Großes Waisenhaus zu Potsdam“ soll der Neubau entstehen und damit auch eine seit dem Krieg bestehende Baulücke an der Dortustraße und der Spornstraße im barocken Stadtzentrum füllen.

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Klimaforscher Schellnhuber will „Statement“ für seine Vision des nachhaltigen Bauens

„In Potsdam wird ein prototypisches Gebäude entstehen, dass zeigt, wie man auf nachhaltige Weise Vergangenheit und Zukunft an einem historisch zerrissenen Ort versöhnt“, so Schellnhuber mit Bezug auf die gegenüberliegende Plantage mit dem neuen Turm der Garnisonkirche und dem vom Abriss bedrohten DDR-Bau Kreativhaus Rechenzentrum. Schellnhuber erhofft sich bei der Architektur ein „Statement“ für seine Vision des nachhaltigen Bauens. Dazu wird es im nächsten Jahr einen Architekturwettbewerb geben. Er konnte bereits den japanischen Architekten und Pritzker-Preisträger Shigeru Ban für eine Beteiligung gewinnen.

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Temporärer Pavillon eröffnet bereits im August 2023

Da es bis zur Fertigstellung noch einige Jahre dauern wird, die klimapolitische Wende im Bauen aber vorangehen muss, soll bereits im August 2023 ein experimenteller Pavillon am gleichen Ort für rund drei Jahre errichtet werden. Er soll für Vorträge und Diskussionen sowie für Ausstellungen dienen und Platz für bis zu 150 Menschen bieten.

„Es wird ein sehr einfacher Bau, der nicht beheizt wird und nur etwa acht Monate im Jahr bespielt wird. Wir werden dort mit 100 Prozent regional verfügbaren, biobasierten Baustoffen testen, wie man nachhaltig baut. Das ist eine große Designaufgabe“, so Misselwitz. Ein Bild des ersten Entwurfs für den Pavillon habe man noch nicht gezeigt. Es habe am Freitag erste Gespräche mit allen Anrainern gegeben, die Stadt Potsdam habe ihre Zustimmung signalisiert, so Misselwitz. Die verwendeten Materialien sollen im späteren dauerhaften Bauwerk Verwendung finden.

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Das Bauhaus der Erde forscht bereits in Berlin mit Partnern in der Industrie zu Baumaterialien wie Holz, Lehm und Gräsern in Verbindung mit digitaler Technik – die Ergebnisse sollen in Potsdam anfassbar, sichtbar und auf ihre Beständigkeit hin geprüft werden. Ministerin Schüle, die die Gründung des gemeinnützigen „Bauhaus der Erde“ mit über 2,5 Millionen Euro umfangreich gefördert hat, erklärte am Freitag, es sei „ein Testlabor direkt vor der Haustür des Forschungsministeriums“. Jetzt wurden gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium weitere sieben Millionen Euro für die nächsten drei Jahre zugesagt.

Potsdam soll Kern einer weltweiten Bauhausakademie werden

Der dauerhafte Bau, der den Pavillon ersetzen soll, wird langfristig zum Kern einer von Schellnhuber ersonnenen neuen „Bauhausakademie“ mit vielen digital vernetzten Standorten in der ganzen Welt. „Wir sprechen zum Beispiel mit Singapur und Tokio. Die Denkfabrik wollen wir zentral in Potsdam ansiedeln, und ich habe die Hoffnung, dass Potsdam in diesem Netzwerk ein führender Knoten sein wird“, sagte Schellnhuber. Er wolle die Stadt ähnlich wie bei der Klimaforschung auch bei der Bauwende „in die Weltliga bringen“.

Der Klimaforscher, der als Gründer und langjähriger Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (Pik) weltweites Renommee hat, wirbt derzeit international für seine Idee der klimapolitischen Bauwende, die im Kern besagt: Weg von Beton und Stahl und hin zu nachwachsenden und organischen Baumaterialien. Diese hätten einen doppelten Vorteil. Sie ersetzen emissionsstarkes Baumaterial wie Beton, zugleich aber speichern Materialien wie Holz oder Bambus Emissionen. Zu den Erfolgschancen des Kampfes gegen den Klimawandel sagte Hans Joachim Schellnhuber: „Wir haben wertvolle Zeit verloren, aber das Schlimmste können wir tatsächlich abwenden – und die Natur wäre dabei unser bester Partner.“

Kreativhaus Rechenzentrum könnte Beispiel für klimagerechte Sanierung sein

Bislang residiert das Bauhaus der Erde im Kreativhaus Rechenzentrum (RZ) und im Marienpark Berlin mit insgesamt 30 Mitarbeitern. Das RZ als Gründungsstandort sei laut Philipp Misselwitz bewusst gewählt worden. „Wir glauben daran, dass das Rechenzentrum ein Demonstrationsbau sein könnte, wie man klimagerecht saniert, anstatt abzureißen. Das Rechenzentrum ist ein Ort für die Bauwende und wir hoffen sehr, dass es gelingt, dort eine Lösung zu finden“, so Misselwitz. Wegen der direkten Nähe zum Turm der Garnisonkirche soll das Kreativhaus in einigen Jahren abgerissen werden oder aber in ein Forum mit dem von Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) favorisierten „Haus der Demokratie“ erhalten bleiben.

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