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Sozialwissenschaftlerin Yuefang Zhou

Darum können Sex-Roboter leidenschaftliche Liebhaber sein

Sexroboter könnten Fantasien befriedigen und einsamen Menschen helfen.

Sexroboter könnten Fantasien befriedigen und einsamen Menschen helfen.

Potsdam. Wer an Digitalisierung denkt, hat sicher nicht Sex im Kopf. Das ändert sich mit lebensgroßen Silikon-Sexpuppen, die mit künstlichen Gehirnen ausgestattet werden. So werden aus stummen Sexspielzeugen redselige Freunde, sagt die Sozialwissenschaftlerin Yuefang Zhou.

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Yuefang Zhou, Sie forschen zum Thema Sex mit Robotern. Was ist der Inhalt Ihrer Studien?

Yuefang Zhou: Ich werte gerade mehrere Studien aus. Wir haben Menschen gefragt, was sie über Sex mit Robotern denken. Aussehen, potenzieller Nutzen und Herausforderungen und Risiken waren Thema.

Und welchen Nutzen könnten solche Sex-Roboter haben?

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Sie könnten Tutoren in der Sexualerziehung werden oder leidenschaftliche Liebhaber. Sex-Roboter ermöglichen das Experimentieren mit sexuellen Ideen, die mit Menschen schwer umzusetzen sind. Dazu zählen sexuelle Fantasien sowie unterschiedliche sexuelle Identitäten.

Intimität bedeutet doch da auch Emotion und soziale Interaktion.

Manche Menschen haben soziale oder emotionale Blockaden und ziehen sogar eine Künstliche Intelligenz einem menschlichen Partner vor, weil sie Angst vor menschlichen Beziehungen haben. Aber Künstliche Intelligenzen können auch in verschiedenen Lebensphasen wie dem Verlust eines Partners, einer Behinderung, Einsamkeit oder in Fernbeziehungen eine Option sein. Ich glaube, es könnte eine Alternative sein, emotionale und sexuelle Bedürfnisse zu befriedigen.

Yuefang Zhou ist seit 2017 am Institut für Sexologie und Sexualmedizin an der Charité Berlin. Die Sozialwissenschaftlerin forscht zu Beziehungen zwischen Menschen und Robotern.

Yuefang Zhou ist seit 2017 am Institut für Sexologie und Sexualmedizin an der Charité Berlin. Die Sozialwissenschaftlerin forscht zu Beziehungen zwischen Menschen und Robotern.

Roboter könnten also Menschen ersetzen?

Ich würde nicht das Wort „ersetzen“ verwenden. Es sollte eine Alternative sein. Für manche Menschen ist das die einzige Möglichkeit und für andere ist es eine Alternative.

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Können Roboter unsere Freunde werden?

Das sind sie schon. Ich glaube, dass die Frage, ob ein Roboter die gleichen Empfindungen beim Benutzer erzeugen kann wie ein Mensch, eine Frage ist, die empirisch getestet werden kann. Dafür messen wir die Hautleitfähigkeit und Herzfrequenz als körperliche Reaktionen.

Wie verbreitet sind denn Beziehungen mit Robotern?

Wir haben keine Daten. Das Problem ist, dass die derzeitige Intelligenz der Roboter auf dem Markt nicht natürlich wirken. Es ist noch ein weiter Weg, bis die Lücke zwischen Erwartung und Realität geschlossen wird.

Verändern perfekte Roboter unseren Blick auf andere Menschen?

Es kommt drauf an, wie wir sie verwenden und was wir unter „perfekt“ verstehen. Einige Teilnehmer sagten mir, die Unvollkommenheit und Fehler sei das, was sie stärker an die Maschinen binde. Das Paradoxe liegt zwischen unserer Neigung, unbelebten Dingen etwas Menschliches und Emotionen zuzuschreiben, und dem unheimlichen Valley-Effekt.

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Was ist der Valley-Effekt?

Anfang der 1970er hat der Japaner Masahiro Mori beschrieben, dass wir menschenähnliche Objekte umso mehr akzeptieren, je menschlicher sie sind. Aber dann gibt es einen Punkt, an dem wir die Objekte unheimlich finden. Das hält solange an, bis sie vom Menschen nicht mehr unterscheidbar sind. Erst dann vertrauen wir ihnen wieder.

Das, was wir Künstlichen Intelligenzen zutrauen, hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. In Filmen aus den 1960er Jahren sind Computer Werkzeuge. Aktuelle Filme zeigen Beziehungen, bei denen auch Menschenherzen gebrochen werden. Ist unser Vertrauen gestiegen?

Es ist eine schwierige Frage, auch philosophisch. Wir treten in eine Zeit der Vertrauenskrise ein. Mit allen Vorteilen der Digitalisierung spüren wir auch Nebenwirkungen. Zum Beispiel die Verletzung der Vertraulichkeit von Personen-Daten, aber auch Falschnachrichten und der Facebook-Datenskandal.

Von Jan Russezki

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