MAZ-Konzerttipp

Diese Reggae-Stars spielen in Berlin

Reggae-Star mit Haltung: Tiken Jah Fakoly.

Reggae-Star mit Haltung: Tiken Jah Fakoly.

Potsdam. Binnen kurzem geben sich Reggae-Größen in Berlin das Mikro in die Hand.

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17. Mai – Tiken Jah Fakoly

Ohne diese mächtige Stimme wäre Afrika ärmer. Nicht nur in musikalischer Hinsicht. Vor allem weil der Reggae-Star Tiken Jah Fakoly nicht aufhört, ungeschminkt den Blick auf die politischen Geschehnisse zu lenken.

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Worte als Waffe gegen Unfreiheit und für Veränderung. Ein heißes Eisen. Weil er Wahrheiten ungeniert ausspricht, erhielt der Sänger Morddrohungen, die ihn einst ins Exil zwangen.

Zu seinen aufrechten Songs kann man auf seiner jüngsten Platte „Le Monde Est Chaud“ aber auch tanzen. Mit seiner modernen Auffassung von Reggae sammelt der Sänger, geboren in der Elfenbeinküste, sicher weitere Anhänger ein. Zumal er zum einen die Spielarten der karibischen Musik bis zum Dub ausreizt und zum anderen Kontakt zur Heimat hält, indem er den Wüsten-Blues pflegt und zahlreiche traditionelle Instrumente in die Songs einbaut.

28. Mai – Lee „Scratch“ Perry

Die Zuschreibung Legenden-Status sagt schon alles, wenn die Rede auf Lee „Scratch“ Perry kommt. Er ist der Vater des Experiments im Reggae.

Abenteuerlicher Dub-Pionier Lee „Scratch“ Perry

Abenteuerlicher Dub-Pionier Lee „Scratch“ Perry.

Seine Reise in diesen Sound hat der mitunter wunderlich wunderbare Mann noch längst nicht abgeschlossen, seit er in den Siebzigern das Studio zum Musikinstrument machte. Die Stücke oder nur Teile von ihnen durch Echokammern jagte, Bass und Drums so tief wie nur möglich legte, die Songs allen erdenkbaren Effekten aussetzte.

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Zum Weiterhören: Reggae, Dub und Artverwandtes

Die Zeit ist reif, richtig aus sich herauszugehen. Finden High Tone. Die vierköpfige Truppe aus Lyon verhalf dem Dub – kombiniert mit ausgeflippter Elektronik und Mixfinessen – besonders in ihren Konzerten zu unerhörter Durchschlagskraft. Nun geht das Abenteuer weiter. Tanzbare wie technoide stampfende Strukturen brechen immer mal durch. Fiese Attacken vom Keyboard. Allerhand Schrägheiten, die bei großer Lautstärke jeden Körper erschüttern und bei aller Sprunghaftigkeit manche Ironie im Materialmix offenbaren.

High Tone: Time Has Come. Jarring Effects/Broken Silence.

Echte Verschwörer sind sie – The Rocksteady Conspiracy. Der Name der verschworenen Gemeinschaft aus Wien gibt unmissverständlich die Marschrichtung vor. Ab in die Sechziger! Als der Ska nicht mehr nur das pure Tanzvergnügen war, sondern bei seiner Evolution zum Rocksteady ganz viel Seele bekam, die ihm Sänger oder Sängerinnen einhauchten. Als die Songs zudem etwas langsamer für den Hüftschwung daherkamen und sich manchmal vom Jazz geküsst wurden. Die Konspirateure haben von der Donau haben das kapiert. Dass die Experten für Genre-Klassik solche Helden wie Rico Rodriguez, Derrick Morgan oder The Pioneers begleiteten sei an dieser Stelle nur der Vollständigkeit wegen aufgeführt.

The Rocksteady Conspiracy: Rough And Sweet. Get On Records!

Klarinette, Posaune und eine sanft schmachtende Latina – beim Dub-Meister Brain Damage aus Frankreich wird es nie langweilig. Rund um wundervolle Stimmen, Hip Hop und etliche analoge Instrumente aus den Anden und viel Percussion errichtet der Soundtüftler das digitale Gerüst samt Hallkammern. Gut 20 Jahre ist er am Start. Die Ideen sind ihm seither nicht ausgegangen. Immer geschmeidig.

Brain Damage: Ya No Más! Jarring Effects/Broken Silence.

Gerade hat der mittlerweile 82-Jahre alte Jamaikaner sein aktuelles Album „Rainford“ vorgelegt – Grüße aus der Schweiz, in der seit etlichen Jahren lebt. Kooperiert hatte der nimmermüde Lee mit Adrian Sherwood, der sich wie der Altmeister insbesondere um den Tiefenerkundung des Dub-Reggae verdient gemacht hat.

Die Konzerte: Tiken Jah Fakoly tritt am Freitag, dem 17. Mai um 20 Uhr im Festsaal in Berlin-Kreuzberg auf. Lee "Scratch" Perry spielt am Dienstag, dem 28. Mai um 20 Uhr im Yaam.

Von Ralf Thürsam

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