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Konzert

Frankfurter Staatsorchester spielt Debussy

Anastasia Voltchok

Anastasia Voltchok

Potsdam.Die Krokusse stecken startklar in der Erde. Jedermann verzehrt sich nach Sonne und Frühling. Zu dieser Sehnsucht passt die verträumte, wundersam klangfarbenreiche Musik von Claude Debussy ganz ausgezeichnet. Am Sonntag feierte die Musikwelt den 100. Todestag des Franzosen, der als „Erfinder“ des musikalischen Impressionismus gilt.

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Das Frankfurter Staatsorchester stellte den Komponisten in den Mittelpunkt seines Potsdamer Sonntagsnachmittagskonzerts; flankiert von Debussys Vorbildern Richard Wagner und Frédéric Chopin. Die Zusammenhänge erläuterte RBB-Moderator Clemens Goldberg im azurblau glänzenden Anzug, der launig und etwas zappelig durch das Programm führte.

Debussys hasste und liebte Richard Wagner

Mit Wagner, so erfahren wir, verband Debussy eine Art Hassliebe. Er war zugleich angezogen und abgestoßen von Wagner zupackender, überwältigender Klangsprache; zum Beispiel von dem Musikdrama „Tristan und Isolde“, das die Liebeswonnen unverblümt in Töne fasst.

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Das Vorspiel zu „Tristan und Isolde“ machte den Auftakt im Nikolaisaal. Ein unaufgelöster Akkord reiht sich hier an den nächsten – Sinnbild für ein grenzenloses Verlangen, das nur im Tod Erfüllung finden kann.

Dirigent Kazem Abdullah bringt das Orchester in Fluss

Kazem Abdullah, der 38-jährige afroamerikanische Gastdirigent der Frankfurter, wirkt anfangs kontrolliert und angespannt. Doch nach wenigen Minuten bringt er das Orchester in einen Fluss. Die heftigen Klangwogen entwickelt er mit einem feinen Sinn für Spannung, für Klangfarben und Lautstärke-Nuancen. Geschmeidig folgt ihm das warm und präzise spielende Blech.

Etliche der Trompeter und Posaunisten haben dann Feierabend, kommt doch Debussy mit einer schlankeren Bläserriege aus. Wagner und Debussy – das ist ein Kontrastprogramm. Wo der Deutsche im Liebesrausch schwelgt, beschränkt sich der Franzose auf feine, verträumte Andeutungen in schwebenden Akkorden jenseits von Dur und Moll, eingebettet in eine kostbare Klangfarbenpracht. So auch im „Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns“, das von den erotischen Träumen eines in der Sonne schlummernden Waldgeists handelt. Debussys bekanntestes Orchesterstück kennt Jedermann aus dem schulischen Musikunterricht: die kreiselnden Flöten- und Hornmelodien, von den Harfen zart umrankt.

Probleme mit der Lautstärke

Der Unterschied zwischen Wagner und Debussy wurde allerdings von den Frankfurtern verwässert, gingen sie doch die Musik des Letzeren zu direkt und lautstark an.

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Auch an den Klavierkomponisten Debussy wollte die Veranstaltung erinnern. Dem Pianisten fordern seine Werke einen äußerst fein abgestuften, farbenreichen Anschlag ab. Völlig vergessen soll der Hörer, dass das Klavier eigentlich ein „Schlaginstrument“ mit Hämmern ist.

Lustlose Pianistin Anastasia Voltchok

Davon konnte allerdings bei der Pianistin Anastasia Voltchok, die drei Préludes spielte, keine Rede sein. Mit dem majestätischen Klang der russischen Klavierschule, mit lauten und schweren Akzenten, wurde sie Debussy nicht gerecht. Der hart klingende Steinway-Flügel machte die Sache nicht einfacher.

Im F-Moll-Klavierkonzert des von Debussy bewunderten Chopin wirkte die in Basel lebende Russin uninspiriert und lustlos. Sie klebte mit dem Blick an den Noten und verweigerte den Kontakt zu Publikum und Dirigent. Ihr Spiel trat auf der Stelle und kam kaum in einen organischen Fluss; in Sachen Lautstärke hätte man sich mehr Nuancen gewünscht.

Kazem Abdullah – ein Verlust für Aachen

Gleichwohl bemühte sich Kazem Abdullah nach Kräften, das Klavier auf das Samtbett eines differenzierten Orchesterklangs zu betten. Der temperamentvolle Dirigent erregte vor zwei Jahren Aufsehen in Musikerkreisen, als sein Vertrag am Theater Aachen trotz guter Arbeit nicht verlängert wurde. Da haben sie in Aachen wohl einen Fehler gemacht.

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Von Antje Rößler

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