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MAZ-Musiktipp

Neues von Wade Bowen, Havet und Kelsey Waldon

Musste durchschnaufen, dann küsste ihn die Muse wieder: Wade Bowen

Musste durchschnaufen, dann küsste ihn die Muse wieder: Wade Bowen

Potsdam. Dicht an der Wahrheit entlang steuert Wade Bowen auf seinem aktuellen Album "Somewhere Between The Secret And The Truth" (Bowen Sounds/Thirty Tigers/Membran). Eine Art Schlingern, denn manche Wahrheit ist eben nicht einfach zu haben. Stets geht es um eine Wahl, die man hat. Der Texaner hat mit sich gehadert, weil ihm das kreative Momentum abhanden gekommen war. Doch er konnte sich neu fokussieren. Gerade die Pandemie habe ihm dabei geholfen. Ihm die Ruhe, die er brauchte, gegeben. Meint er.

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Noch mehr Rock

Keine Frage, die Fahrt geht sofort abwärts: Dorthin wo die finsteren Mächte hausen. Durch den Höllenschlund in jene Gegend, in der ein großes Feuer auf unartigen Menschen wartet. Auf jene, die gelogen und betrogen haben, lassen Arch Enemy auf „Deceivers“ (Century Media/Sony) Pech und Schwefel herabregnen. Die Extrem-Metaller aus Schweden mit ihrer aufbrausenden Frontfrau Alissa White-Gluz und Gründung und Chefschredderer Michael Amott leisten sich dabei Melodien und dramatisch gesteigerte Momente – bis die Stromgitarren, gutturaler Gesang und Zeugschläger wieder loslegen. Es gibt kein Entrinnen. Berlin-Termin: Am 14. Oktober um 20 Uhr in der Columbiahalle.

Zunächst wird mal geschmeichelt: Unprocessed aus Wiesbaden verhehlen auf ihrer Scheibe „Gold“ (Airforce1 Records/Universal) weder, dass sie Pop können und wollen. Doch dann donnert ein Slap-Bass-Solo heran, metallischer Lärm greift um sich, der Sänger hat plötzlich neben dem Klargesang auch dieses Grollen in der Kehle. Der Vierer hält die Grenzen zu Prog und Metal offen und fühlt sich in dieser hart-zarten Fusion richtig wohl. Beachtlich.

Unmissverständlich bestehen Killthelogo auf „Reset“ (Pias Recordings) auf der vereinten Kraft der Vielen, die eine soziale und politische Veränderung dieser geschundenen Welt herbeiführen können. Die Muskeln für diesen Kampf hat der Fünfer aus Belgien, der Leute aus verschiedenen Bands zusammenführt, längst angespannt. Mit harschen Worten und schmerzhaft harschen Sounds, die Hardcore, Metal und einiges an Kreuzungen zusammenprügeln. Und die bekanntlich ihre veritablen Vorgänger aus den Neunziger Jahren haben. Wie Rage Against The Machine. Beispielsweise.

Schrei, wenn du kannst! Lass den Lärm raus! Die Rage bricht sich Bahn mit einem Sound wie Splitterbomben. Klirrend und krachend. Dafür stehen die Whorses „Whorses“ (Noise Rock/Indie Rock). Der Vierer stammt aus Kortrijk. Und falls mittenmang in einem Lied der Belgier mal eine elegische akustische Passage aufscheint, dann nimmt man es am Ende wie einen Störfaktor im entfesselten großen Ganzen wahr. Obwohl. Nicht ganz. Denn es gibt gleich ein paar bezwingende Songs in Folge, die eine versöhnlichere, sehr entspannte Seite der Cowboys offenbaren. Ein deftiges Debüt und eine Achtung gebietende Achterbahnfahrt.

Wade Bowen ist geradeheraus und klingt geradezu unverschämt eingängig. Er überzeugt mit mehr als nur gediegen gestaltetem Country. Lässt seine Boots im Bett an. Sagt er. Rockt nicht nur einmal rustikal drauf los. Liefert ein umwerfendes Duett mit Lori McKenna. Und ein Superstar wie der vielfache Grammy-Gewinner Vince Gill schaut im Stück „A Guitar, A Singer And A Song“ vorbei. Auch das gehört zur Wahrheit des Wade Bowen

Schön und erinnerungsbeladen: Gurnemanz.

Schön und erinnerungsbeladen: Gurnemanz.

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Wie soll das laufen? Spazieren unter einem blauen Mond? Den hat doch wohl noch niemand am Himmel gesehen, oder? Einzige Ausnahme – Gurnemanz. Tonmeister John Cremer hatte einen Traum: Von ihm akribisch archivierte Aufnahmen seiner Band von 1972 mit dem produktionstechnischen Knowhow der Gegenwart in seinem Studio bei Köln neues Leben einzuhauchen. Eine bleibende Erinnerung ans 50-jährige Bandjubiläum sollte es sein. Mit allen Mitgliedern, zu denen der Kontakt nie abgerissen war.

Alternativen

Da standen die Münder offen: Als Mimi & Josy ihre Version von „Creep“ bei The Voice Kids sangen. Die beiden konnten indes nicht nur mit dem Radiohead-Klassiker überzeugen. Sie gewannen die Casting Show. Nach 2019 ließen die stimmgewaltigen Schwestern aus Augsburg erst recht nicht locker. Stellten immer wieder Songs ins Netz. Sehr zur Freude der Gemeinde. Und diese wächst weiter – mit ihren fünf neuesten Liedern. Veröffentlicht unter dem Namen Havet. Was soviel wie Meer bedeutet im Schwedischen. Die Kurzplatte „Mamas Lullaby“ (Havet) zeigt, dass die beiden sich ihrer Stimmfarben sicher sind. Und sie weiter ausreizen. Gerade im entschleunigten Stück „Sea“ ist das unüberhörbar. Doch es bleibt nicht beim verträumten Pop, der mit Elektronik flirtet. Beide forcieren schon mal das Tempo. Die nächsten musikalischen Ankerplätze ihrer Meeresfahrt dürfen gespannt erwartet werden.

Mild in ihrer Dosierung, verschwommen wie am Morgen, wenn der Schlaf die Sinne noch ein wenig benebelt, und doch mit einer schimmernden Aura fertigen Acua aus Köln ihre Version von Pop mit psychedelischer Färbung. Das Trio bietet auf seinem Zweitling „Is There More Past Or More Future“ (Papercup Records) fein abgestimmten Gesang, Keyboard-Kaskaden sowie Polter- und Zischelbeats. Sixties und Manchester Rave sind ebenfalls eingestreut. Mit einem Fuß steht die Band in der Vergangenheit, mit dem anderen in der Zukunft. Wohin die Reise geht, scheint am Ende mehr als offen.

Nun gewähren Del Amitri uns den Nachschlag zum letzten Album: Denn für das fantastische und ausgereifte „Fatal Mistake“, irgendwo zwischen Pop, Rock und Folk früherer Jahrzehnte angesiedelt, hatte sich einiges angesammelt, anderes wurde extra hinzugefügt. Die Plattenfirma ließ der Band freie Hand. Die Schotten um Sänger Justin Currie zeigen auf „Fatal Mistakes – Outtakes and B-Sides“ (Cooking Vinyl/Indigo), wie es gut es sich anfühlt, wenn man sich ohne Hast ausprobieren, diesen und jene Weg beschreiten und das vorherige Studio-Album delikat abrunden kann. Berlin-Termin: Am 17. September um 20 Uhr im Gretchen.

„Walking Under Blue Moon“ (Railroad Tracks/Broken Silence) ist ein Genuss nicht allein aus irischem Folk, flirrendem Rock und psychedelischen Elementen. Lediglich zum Titel fand sich außer dem Text kein Mitschnitt aus dieser abenteuerlichen Zeit, die nach sieben Jahren bereits zu Ende war, weil alle fünf unterschiedliche musikalische Wege beschreiten wollten. Er wurde daher neu eingespielt. Einige Bonustracks gibt es obendrauf. Was für eine Zeitreise!

Strahlend bei Stimme: Kelsey Waldon.

Strahlend bei Stimme: Kelsey Waldon.

Sie hat sich durchbeißen müssen. Hat geheult in ihrem Tour-Van. War sich lange nicht sicher, ob sie den richtigen Weg geht: Kelsey Waldon. Wer die Lieder ihres neuen Albums "No Regular Dog" (Oh Boy Records/Thirty Tigers/Membran) anhört, wird gar nicht auf die Idee kommen, dass Kelsey eine Zeit so von Zweifeln zerrissen war. Doch in den Geschichten, die sie erzählt, steckt immer ein höchst ehrlicher Teil von ihr. Kelsey Waldon, in Kentucky groß geworden, vermählt lebhaft Folk und beherzten Country aus dem Bluegrass State und sie zeigt ihre beseelte und verletzliche Seite. Und hat ein Strahlen in ihrer Stimme.

Im Konzert

Keine Frage: Sie haben genug Wut im Bauch. Auch nach 20 Jahren noch. Sie reichte bei The Flatliners aus Kanada für elf straffe, höchst energische, dabei voller vieler kleiner Abwechslungen steckenden Punkrock-Songs, die sie nun auf „New Ruin“ (Fatwreck/Edel) verewigt haben. Ein Schlenker zum Pop findet sich. Doch der Ska scheint endgültig fort. Berlin-Konzert am 13. August um 19 Uhr im SO 36 mit A Wilhelm Scream.

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Kelsey Waldon befindet sich übrigens mit ihrer Platte für das Label Oh Boy Records gleich mal in einem illustren Kollegen-Kreis wieder. Einst vom unvergesslichen Songwriter und Mentor John Prine (1946–2020) in Nashville gegründet, sind dort heute Arlo McKinley, Emily Scott Robinson oder Tré Burt vertreten.

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