Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

MAZ-Musiktipp

Neues von Bianca Stücker, Korn und Hollis Brown

Bewandert in Kirchenmusik, Geschichte und Kunst: Bianca Stücker.

Bewandert in Kirchenmusik, Geschichte und Kunst: Bianca Stücker.

Potsdam.Bianca Stücker greift weit aus – bis hin zum „Chymischen Lustgärtlein, das der böhmische Arzt, Poet und Alchemist Daniel Stolz von Stolzenberg im 17. Jahrhundert verfasste. Doch ihre spirituelle Reise führt weit darüber hinaus.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Noch mehr Rock

Acranius brüllen und ballern „Mercy Denied“ (Blood Blast Distribution). Keine Gnade. Wenn der todesmetallische Fünfer aus Rostock eines nicht kennt, dann Zimperlichkeit. Ihre schweren Groove-Walzen, das bisweilen präzise technoide Stampfen und die messerscharfen Gitarren machen alles platt. Ihr braucht nicht auf die Knie fallen.

Da wir schon bei jener Verzweiflung sind, die mit unerbittlichen, vernichtenden Tonfolgen einher geht: Dann kann man sich munter weitersuhlen. Mit Mass Worship aus Schweden. Mit ihrem – auch angewidertem – Blick auf den Zustand Welt, wie sie gerade ist, schafft die Band es auf „Portal Tombs“ (Century Media/Sony) ihre Zuhörer in Pein, Trübsal und Düsternis zu stürzen. Wenn ihre musikalische Folter erst einmal begonnen hat...

Seraina Telli nähert sich mit Dead Venus auf „Flowers & Pain“ (Team H/Edel) vom Dunkel-Rock aus progressiven Gefilden. Aus dem Solovorhaben wurde eine Band. Die Sängerin und Gitarristin aus der Schweiz wird unterstützt von André Gärtner und Mike Malloth, die für verzerrte und vertrackte Rhythmen zuständig sind. Seraina strapaziert dabei nicht selten ihre Stimme. Auch am Piano. Der Dreier leistet in diesem, in vielen Richtungen offenen Genre Beachtliches.

Rolo Tomassi haben neben James Spence ebenfalls eine Sängerin: Eva Korman und ihre Gefährten aus Sheffield streben auf „Where Myth Becomes Memory“ (MNRK) nach ruhig schwingenden Sounds. Zunächst. Nicht lange. Dann hagelt es unvermindert Schläge, beinhart konstruierte Riffs und böses Keifen. Kontrastreich in Anmut und Aggression.

In die Tiefen der Geschichte nämlich, was für die Sängerin und Buchautorin aus Hamm nicht nur bedeutet, vorwiegend mittelalterliche Instrumente wie die Schlüsselharfe, die Sackpfeife oder gar das silberhelle Hackbrett zu benutzen.

Zwischen Hauchen und Jauchzen: Bianca Stücker.

Zwischen Hauchen und Jauchzen: Bianca Stücker.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

So geht es gemessen, zauberisch und mehrsprachig zu in ihren Liedern auf dem Album „De Alchemia“ (Eygennutz Records/Broken Silence) zu. Die nicht nur die fortschreitende Suche nach Erkenntnis in den Blick nimmt. Und sich dabei doch mitunter im Kreis dreht. Oder nur langsam vorankommt wie ein Schreittanz.

Behutsam, leise und doch eindringlich schildert Bianca Stücker – sie spielte in Bands wie Violet, Violet Tribes und sang mit Deutschlands bekanntestem Kriminalbiologen Mark Beneke Songs von Leonard Cohen – von den vier Elementen, von Modellen der Welterklärung und der Sinnsuche, die mit Denken schlechthin einsetzte. Erstaunlich.

Noch immer Könner: Korn.

Noch immer Könner: Korn.

Zu Monatsbeginn haben sie einfach mit "Forgotten" ihre rigorose, recht robuste Single ins Rennen geworfen: Korn. Heute legt die Band aus Bakersfield mit der kompletten Langrille "Requiem" (Loma Vista Recordings/Virgin Music) nach. Man kann sagen: Sie leben noch. Senden eigentlich ein beachtliches Lebenszeichen in die Welt. Zwar geht nichts ohne Schmerzen und Selbstzweifel, aber das Getöse im Zwischenreich von Metal, Alternative und Rock meistern sie. Die Nu-Metal-Legende, die gar nicht so genannt werden möchte und doch als deren Speerspitze gilt, mag nicht immer alle scharfen Waffen auspacken. Doch eine schlichte Verwaltung des eigenen, an einigen Großtaten reichen Werkes haben wir nicht vor uns. Vielmehr das Vermögen, den Gesamtsound mit Sinn fürs Detail auszustatten. Zwischen Wucht und Wahnsinn passen eine Menge schroffer, düsterer bisweilen melancholischer Töne.

Auf der Suche nach Alternativen

Gehen Tanzen und Nachdenken eigentlich zusammen? Bei Omar Pene schon. Über drei Jahre zogen sich die farbenfrohen Aufnahmen zu „Climat“ (Contre Jour/Broken Silence) hin. Der Senegalese pendelte zwischen Dakar und Paris hin und her. Ermahnt und ermuntert die Leute, die er trifft, über die Erde und ihren Zustand nachzudenken. Oder darüber, dass so vielen – nicht nur in Afrika – Bildung als wichtiges Gut vorenthalten wird. Omar hat zudem etwas gegen diktatorisch geführte Staaten. Oder Terroristen, die sich anmaßen, über das Leben anderer zu bestimmen. Es ihnen sogar zu nehmen. Hoffnung und Botschaft hüllt der Sänger in flotte Afrobeats, Soul und Pop mit Weltbezug. Macht Platz überdies für traditionelle Musik wie Mbalax. Kopf oder Bauch? Beides.

Überaus geschickt verschiebt Erin Rae auf „Lighten Up“ (Good Memory/Thirty Tigers/Membran) die Perspektiven: Obwohl die Steel-Gitarre und das Banjo noch Country sagen, zumindest als permanente Unterströmung, geht es doch eher in Richtung geschmeidiger Pop mit etwas Folk-Einschlag. Feines Orgelwerk, zart gewundene Streicher-Einheiten und Jonathan Wilson aus Kalifornien – selbst Musiker und Produzent – einen gewissen Anteil an der merklichen Luftveränderung in Erins Liedern.

Wenn die Kanadier erst in Fahrt kommen und das Banjo mit viel Speed gespielt wird, dann sind Shred Kelly genauso schwungvoll wie The Death South, mit denen sie vor Jahresfrist durch Deutschland zogen. Nur, dass sie im Gegenteil zu ihren Landsleuten aus Sasketchewan eine Sängerin dabei haben. Und nicht so sehr den rebellischen Bluegrass in seiner akustischen Schönheit pflegen, sondern doch eher farbenfrohen Folk-Rock und luftigen Pop fabrizieren. Wie ihre Platte „Like A Rising Sun Deluxe Version“ (DevilDuck Records) zeigt. Gefällig.

Ist es eigentlich unverfroren, wenn eine Band hingeht und eine essenzielle Platte immerhin – der Rolling Stones – komplett neu einspielt? Nun, Hollis Brown aus dem New Yorker Stadtteil Queens haben genau das getan. Binnen einer Session, des Nachts, draußen in den Pocono Mountains. „In The Aftermath“ (Cool Green Recordings/Mascot/Rough Trade).

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Allen Covern oder Revisionen zum Trotz: Der Fünfer macht seine Sache mit der 1966 erschienen Scheibe erstaunlich gut. Arbeitet die Songs der US-Fassung in nur leicht abweichender Folge ab. Nein, mehr als das. Zeigt, dass den Rock'n'Roll alles andere erwartet, als zu verblassen. Zumal sie dem Original so manche andere geradlinige Deutung, manchen imposanten Twist, manche vollmundige Wendung abgewinnen. Und ins Heute boxen. Jüngst hatte die Songwriterin Lucinda Williams ja in ihrer Jukebox-Serie die Hingabe zu den Stones unter Beweis gestellt. Rauer Garagen-Rock ist klar die Schnittmenge.

Von Ralf Thürsam

Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.