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Interview mit Radio-eins-Moderator Volker Wieprecht

Wieprecht und wie er die Welt sieht

Volker Wieprecht ist einer der bekanntesten Radio-eins-Moderatoren.

MAZ: "Es gibt keinen feineren Dank an Buddha und keinen größeren Nutzen für andere, als freudvoll sein Bestes zu geben", heißt es in dem Buch "Wie die Dinge sind", einer Einführung in die Lehre Buddhas.  Mit dieser Einstellung haben Sie es im September 2013 zum besten Moderator Deutschlands geschafft. Wie ist das Ihrem Ego bekommen?

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Volker Wieprecht: "Mir ging es anfangs gar nicht gut. Ich hatte die begrenzende Vorstellung, das Limit erreicht zu haben. Von da an ging es nur noch darum, dieses Niveau zu halten. Das hat einen enormen Druck in mir erzeugt, und ich kam mir unzulänglich vor. Denn wie kann man diesem Anspruch als bester Moderator dauerhaft gerecht werden? Zumal ich finde, dass ich dem Titel oft nicht gerecht werde. Und ich weiß auch: Wenn ich wirklich in meinem gesamten Leben immer freudvoll mein Bestes gegeben hätte, hätte ich mehr erreichen können. Aber mehr war eben auch nicht drin."

MAZ:Sie haben immerhin für sich eine Orientierung gefunden, Sie sind Buddhist. Sie sagten einmal, Sie seien schon immer irgendwie religiös gewesen. Wie hat sich das geäußert?

Wieprecht: "Spirituell ja, religiös? Ich weiß nicht. Ich erinnere mich noch, wie ich mit 16 Jahren im Bett lag und dachte: "Oh Gott, irgendwann bin ich tot." Ich hatte Panik. Wie soll ich damit umgehen? Wie die Zeit bis dahin verbringen? Und was bedeutet der Tod eigentlich? Ich wusste, das muss ich selber herausfinden. Die herkömmlichen religiösen Angebote - ich wurde immerhin konfirmiert - waren zum Lachen. Ich erkannte früh, dass das Christentum nicht mein Zuhause ist - unter anderem, weil es die Heilserwartung in die Zukunft verlegt. Was ist denn das für ein Gott, den man erst verliert und dann wieder für sich einnehmen muss. Nein, danke."

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MAZ:Wie haben Sie dann zum Buddhismus gefunden?

Wieprecht: "Ich habe lange gesucht und viel ausprobiert wie Atemmeditation, Vipassana-Meditation und Selbsterfahrungskurse. Ich war in den 90ern in einem Zen-Kloster in Japan. Aber erst vor gut zehn Jahren, durch den Tipp eines Arbeitskollegen, habe ich zum Diamantweg-Buddhismus gefunden, und hier fühle ich mich völlig zu Hause. Denn der Diamantweg-Buddhismus lehrt nicht Verzicht und Rückzug, sondern führt mitten ins Leben, arbeitet mit allen Mitteln und holt mich da ab, wo ich gerade stehe. Ich muss auf nichts verzichten."

Volker Wieprecht

  • Volker Wieprecht wird am 30. Oktober 1963 in Herne im Ruhrgebiet geboren. Er hat einen Bruder.
  • Im Alter von 12 Jahren zieht er mit seiner Mutter nach Berlin. Von 1983 bis 1987 studiert er Germanistik, Philosophie und Altphilologie an der FU Berlin. Sein früherer Berufswunsch war Lateinlehrer.
  • Seit 1986 arbeitet er beim Radio, zunächst als freier Reporter für "S-F-Beat" vom SFB.
  • 1993 wechselt er zum ORB, moderiert beim Jugendsender Fritz, zunächst mit Ken Jebsen, dann mit Robert Skuppin. Von 1997 bis 2011 moderieren Wieprecht und Skuppin gemeinsam bei Radio eins.
  • Aktuell moderiert Wieprecht alle 14 Tage Montag bis Donnerstag "Radio eins mit Volker Wieprecht" von 16 bis 19 Uhr, freitags "Die schöne Woche" von 13 bis 18 Uhr.
  • Wieprecht hat mehrere Bücher herausgegeben, u.a. "Das Lexikon der verschwundenen Dinge" (2009), "Das erste Mal: Küssen, Fliegen, Siegen und andere Debüts" (2013) und zuletzt "Zwischen Kreisel und Kleistpark" über prägende Orte und Begebenheiten seiner Berliner Vergangenheit.
  • Im September 2013 erhielt Wieprecht den Deutschen Radiopreis in der Kategorie "Bester deutscher Moderator". Zur Begründung hieß es: "Volker Wieprecht ist unverwechselbar. Man hört den Journalisten, der sich mit unterschiedlichsten Themen adäquat und intensiv auseinandersetzt. Und man hört den Menschen, der neugierig und offen ist, lustig und nachdenklich, kritisch und warmherzig. Eine seit 25 Jahren einzigartige Kombination im deutschen Hörfunk."
  • Volker Wieprecht ist geschieden, hat eine Tochter und lebt in Berlin.

MAZ:Der Buddhist geht davon aus, dass das, was wir wirklich sind, unwandelbar und unzerstörbar ist, dass unser Wesenskern reine Freude ist. Wie sehr haben Sie diese Wahrheit verinnerlicht? Wie sehr ist das Leben für Sie ein Spiel, auf das Sie sich zu Ihrer Freude und zu Ihrem Wachstum eingelassen haben?

Wieprecht: "Ich habe zwar die Buddhanatur in mir, bin aber noch (!) nicht Buddha. Der Unterschied zwischen Buddha und uns ist, dass er mehr meditiert hat. Ich denke mir, wenn es nur das ist, was uns unterscheidet, dann kann ich das auch hinbekommen. Noch erlebe ich das Leben jedoch nicht in jedem Moment als ein freudvolles Spiel. Aber ich habe ein Ziel: Mich so oft und nah mit dem zu verbinden, was wir wirklich sind, nämlich leuchtend klares Bewusstsein. Diese Bewusstheit, der Geist, ist seiner Natur nach zeitlos und furchtlos, überbordend freudvoll und mitfühlend."

MAZ: Auch ein Volker Wieprecht ist einmal ängstlich, traurig, einsam: Wie gehen Sie mit diesen Gefühlen um, wie hilft Ihnen Ihr Glaube dabei?

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Wieprecht: "Es ist ja eben kein Glaube, nichts Vertröstendes. Sondern Praxis. Negative Gefühle halte ich nicht mehr für letztendlich real. Sie kommen und gehen. Angst zum Beispiel ist ein Ausdruck alten Zorns und eine negative Erwartungshaltung: Ich fürchte, dass jemand so reagiert, wie ich früher einmal reagiert habe. Negative Gefühle sind wandelbar, und sie lassen sich wandeln zum Beispiel im Labor der Meditation, wo ich mich mit erleuchteten Qualitäten identifiziere."

Nicht glauben, sondern selbst erfahren: Meditation ist wichtiger Bestandteil jeder buddhistischen Schule.

Nicht glauben, sondern selbst erfahren: Meditation ist wichtiger Bestandteil jeder buddhistischen Schule.

MAZ:Haben Sie sich durch den Buddhismus charakterlich verändert?

Wieprecht: "Ja, ich bin viel freundlicher geworden und für meine Verhältnisse übermenschlich gelassen. Früher konnte man mich am Nasenring meiner Gefühle tagelang durch die Manege ziehen, das lasse ich heute nicht mehr ganz so leicht mit mir machen. Ich habe gelernt, auf Zornesattacken nicht mehr anzuspringen. Wenn nötig, gehe ich erst einmal aus dem Zimmer, um auch räumlich Distanz zu haben. Das ist überhaupt der erste Schritt: zu lernen, Distanz zum Erlebten zu schaffen, um zu erkennen, dass man beim Reagieren die Wahl hat. Wie ich reagiere, ist meine Entscheidung und liegt in meiner Verantwortung."

MAZ: Der wichtigste Bereich für persönliches Wachstum ist die Familie bzw. die Partnerschaft, da durch die Nähe die eigenen Unzulänglichkeiten am stärksten zutage treten. Wie, finden Sie, haben Sie sich bisher in diesem Bereich geschlagen, und welche Note würden Sie sich im Fach Familie/Partnerschaft geben?

Wieprecht: "Angefangen habe ich mit einer 4-, inzwischen habe ich mich zu einer 2+ hochgearbeitet. Ich bin viel gelassener geworden und kann inzwischen besser mit kleinen "Unzulänglichkeiten" meiner Partnerin umgehen. Heute kann ich mich nicht mehr über Krümel im Bett aufregen oder darüber, dass sie meine Zahnbürste benutzt. Meistens benutze ich zudem ihre… Und ich habe begriffen, dass man sich selbst lieben muss, um liebevoll in einer Partnerschaft sein zu können. Wichtig in einer Beziehung ist auch ein gemeinsames Leitbild. Je größer die gemeinsame Perspektive, desto mehr Schub und Zugkraft zugleich. Und ich habe das Riesenglück, dass auch meine Partnerin zum Diamantweg-Buddhismus gefunden hat."

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MAZ: Wie gehen Freunde und Kollegen mit Ihrem Buddhist-Sein um? Fühlen Sie sich verstanden und angenommen?

Wieprecht: "Das ist nie so ein Thema. Ich habe viele Freunde, die das toll finden, die aber trotzdem nicht weiter nachfragen. Einige sind auch so erfüllt vom Diesseits und dem Konsumismus und genießen das so sehr, dass sie über Alter, Krankheit, Verlust und Tod nicht nachdenken und keinen Gedanken an das unweigerliche Ende ihrer körperbasierten Existenz verschwenden."

MAZ:Im Buddhismus wird betont, wie wichtig für die eigene Entwicklung ein spiritueller Freund bzw. Lehrer ist, der als Vorbild, als "Zuflucht" dient. Haben Sie Ihren Lehrer gefunden?

Wieprecht: "Ja, das ist Lama Ole Nydahl, der in Tibet beim 16. Karmapa in der Karma-Kagyü-Linie ausgebildet wurde und der diese Tradition des Diamantweg-Buddhismus nach Europa brachte. In seiner Nähe erlebe ich alles viel freudvoller. Der Diamantweg legt den Schwerpunkt auf Meditation, also Identifikation mit der Buddhanatur in sich. Und unsere Lehrer sind ein klares Beispiel, wie man sich entwickelt, wenn man die Mittel anwendet: zum Besten."

Lama Ole Nydahl ist der buddhistische Lehrer von Volker Wieprecht.

Lama Ole Nydahl ist der buddhistische Lehrer von Volker Wieprecht.

MAZ: Wie leben Sie den Buddhismus?

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Wieprecht: "Unter anderem durch tägliche Meditation. Manchmal sind es 15 Minuten, manchmal anderthalb Stunden. Im Diamantweg-Buddhismus gibt es viele verschiedene Arten der Meditation – eine zum Beispiel, die negative Eindrücke nach oben holt und damit auflöst; eine, die Tatkraft und Mitgefühl stärkt; eine, die den Geist beruhigt usw. Es geht in erster Linie aber nicht darum, mich dabei wohl zu fühlen, sondern ertragen zu lernen, was mir an Wucht innewohnt. Manchmal ist es Ödnis, manchmal eine nicht greifbare Unruhe, manchmal Unbehagen, was ich während der Meditation empfinde. Und natürlich im Alltag kann ich jede Begegnung, jeden Eindruck und jede Entscheidung zum Anlass nehmen, Gutes zu tun. Denn die Grundidee des Buddhismus ist das Prinzip von Ursache und Wirkung: Was ich heute säe, werde ich morgen oder übermorgen ernten. Wenn ich künftig positive Erfahrungen machen will, muss ich heute positive Gedanken, Worte und Taten in die Welt setzen. Alte negative Eindrücke in meinem Geist verlieren an Kraft und lösen sich auf, je mehr Sinn- und Freudvolles ich dagegensetze. Und ich weiß, dass nichts zwangsläufig ist, sondern dass ich immer die Wahl habe, zum Beispiel mit Gelassenheit und sogar Freude zu reagieren. Einer unserer Leitsätze ist: 'Höchste Wahrheit ist höchste Freude!' Wenn es sich also nicht sensationell gut anfühlt, ist es auch nicht wahr."

MAZ: Zentraler Bestandteil aller buddhistischen Lehren ist der Edle achtfache Pfad, der so etwas wie Gebote vorgibt: rechte Einsicht, rechte Rede, rechtes Handeln, rechter Lebensunterhalt, rechtes Streben/Bemühen, rechte Achtsamkeit/Bewusstheit usw. Welches dieser Gebote macht Ihnen am meisten zu schaffen?

Wieprecht: "Sie zitieren da eher die mönchische Ausrichtung des sogenannten kleinen Fahrzeugs, des Theravade-Buddhismus. Wir arbeiten eher mit der Freude, dem Überschuss, der Ausrichtung auf andere und ihrem Besten. Ich betrachte alle Hinweise eher als Empfehlung denn als Ge- und Verbote. Aber rechte Rede, also freundliche Rede, fällt mir manchmal schwer. Denn ich lästere gern! Sich besser zu machen als andere ist leider eine Versuchung, der ich nicht immer widerstehen kann. Da stecken auch Zynismus und Aggression drin."

Buddhismus

  • Der Buddhismus wurde vor über 2500 Jahren in Indien begründet. Er beruht auf dem Vorbild und den Lehren von Siddharta Gautama, seit seiner Erleuchtung Buddha, "der Erwachte", genannt.
  • Im Gegensatz zu den Glaubensreligionen Christentum, Judentum und Islam ist der Buddhismus stärker eine Erfahrungsreligion: Der Mensch soll nur das als Wahrheit anerkennen, was er selbst überprüft, erlebt und erlangt hat. Ziel ist die eigene Entfaltung und Vervollkommnung zum eigenen Wohle und zum Wohle aller, das Entdecken der sogenannten Buddhanatur, des unveränderlichen, unumstößlichen und vollkommenen Wesenskerns, der allen Lebewesen innewohnt.
  • Der Buddhismus lehrt die drei edlen Wahrheiten: dass es Leid gibt, dass es eine Ursache hat und dass es überwunden werden kann.
  • Buddha nennt zehn schädliche Handlungen, die vermieden werden sollten: Töten, Stehlen, sexuelles Leid bringen, Lügen, Verleumden, sinnlose Rede, grobe und verletzende Rede, Habgier, Böswilligkeit, Verbreiten falscher Anschauungen.
  • Der Buddhist glaubt nicht an das Böse, sondern daran, dass Böses aus Unwissenheit bzw. Verwirrung entsteht.
  • Insgesamt nennt Buddha fünf Hauptstörgefühle für eine weise und mitfühlende Lebenseinstellung: Unwissenheit, Stolz, Anhaftung, Eifersucht und Zorn.
  • Es gibt im Buddhismus viele verschiedene Strömungen. Sie unterscheiden sich darin, dass sie sich auf bestimmte Aspekte auf dem Weg zur Erleuchtung konzentrieren, dass sie unterschiedliche Hilfsmittel lehren und dass sie sich auf unterschiedliche Lehrer bzw. Traditionen berufen. Für alle Buddhisten ist jedoch Meditation ein Hauptmittel der Selbsterkenntnis und Reinigung.
  • Der Diamantweg-Buddhismus, dem Volker Wieprecht folgt, ist in Tibet überliefert. Eine Schule dieses Buddhismus ist die Kagyü-Schule ("ka" = mündlich, "gyü" = Linie, Übertragung). Große Lehrer dieser Tradition sind Guru Rinpotsche, Laie Marpa, Gampopa und Kalu Rinpotsche, der erstmals Westler unterrichtete. Der sogenannte Linienhalter ist der Karmapa, derzeit in seiner 17. Reinkarnation als Thaje Dorje.
  • Quellen: Wie die Dinge sind. Eine zeitgemäße Einführung in die Lehre Buddhas. Von Lama Ole Nydahl. Knaur 2004; Der kostbare Schmuck der Befreiung. Von Djetsün Gampopa. Norbu 2007.

MAZ: Haben Sie jemals, in schwachen, traurigen oder wütenden Momenten, grundlegende Zweifel an Ihrer Buddha-Natur, also daran, dass Sie reines, unsterbliches Bewusstsein sind?

Wieprecht: "Nein. Was aber nicht heißt, dass ich durch meine buddhistischen Erfahrungen aus der Achterbahn des Lebens ausgestiegen bin. Jedoch ist das Auf und Ab nicht mehr so stark. Ich habe keinen Zweifel an der Unauslöschlichkeit des Geistes. Der körperliche Tod berührt mich tief, aber ich habe keine Angst vor ihm, verstehe ihn vielmehr als meinen Lehrer. Und ich bin gespannt, wie ich mein Leben in der nächsten Runde meistern werde. Mit der Phowa-Meditation bereitet man sich übrigens in unserer Tradition auf den Tod vor."

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MAZ: Was ist Ihr beeindruckendstes spirituelles Erlebnis?

Wieprecht: "Oh, ich hatte nicht nur eines, da gibt es eine ganze Bandbreite. Habe auch schon meinen Körper verlassen, was aber nicht so beglückend war, weil man die Eindrücke im Geist mitschleppt. In Bhutan liegt in einer Schachtel verwahrt das Herz eines großen verstorbenen Lehrers. Als ich den Raum betrat, überkam mich eine überwältigende Welle von Dankbarkeit. Aber die großen metaphysischen Halleluja-Erfahrungen sind mir nicht so wichtig. Wirklich bedeutend ist, dass ich zum Beispiel Menschen, die mir sehr weh getan haben, mit einem Fingerschnips vergeben lerne. Und mich damit zugleich vom Ballast negativer Gefühle befreie. Wirklich groß ist der segensreiche Zustand von Dankbarkeit. Es gibt so viel, wofür ich dankbar sein kann: dass ich in einer freien Gesellschaft lebe, dass ich mir keine Sorgen um mein Essen machen muss, dass ich mitfühlend mit Anderen sein kann, dass einfach alles existiert..."

MAZ: Ole Nydahl schreibt in "Wie die Dinge sind", einem Buch, das den Westlern den Buddhismus erklärt: "Im Buddhismus wie im Leben ist nichts wichtiger als die Werte, nach denen man sich ausrichtet." Was sind für Sie die wichtigsten Werte, Herr Wieprecht?

Wieprecht: "Weisheit und Mitgefühl. Die eigenen Grenzen erkennen und akzeptieren. Und Selbstverantwortung. Da kann ich mich mal ganz entspannt zurücklehnen, denn ich muss nicht die Welt retten. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Jeder hat seine Lernaufgabe, und jeder kann nur das erkennen, was er schon in sich hat. Diese Freiheit wünsche ich allen."

MAZ: Und welche Aufgaben sehen Sie noch für sich in diesem Leben?

Wieprecht: "Mehr darauf zu achten, was direkt vor mir liegt und nicht so große weite Pläne zu haben. Ich möchte meiner Tochter einen guten Start ins Leben ermöglichen. Ich möchte besser mit Leistungsdruck umgehen, ihn einsetzen können, wenn er notwendig ist, aber ihm nicht wie ein Galeerensklave gehorchen müssen. Dazu gehört, gelassener zu werden und nicht jeden Moment denken, die Welt wartet darauf, von mir gerettet zu werden. Ich möchte noch freundlicher und mitfühlender zu mir selbst sein. Das Ego ist ein mächtiger Gegner, den man nicht von heute auf morgen austrickst. Denn ich gebe zu, mein Ego ist relativ groß geraten. Doch schließlich bedeutet Egolosigkeit nicht, dass das Haus und damit die Existenzgrundlage zusammenbricht, sondern dass alles heller strahlt als je zuvor, weil es nicht mehr durch einfältige Vorstellung begrenzt wird."

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MAZ: Was glauben Sie, wie es mit der Menschheit weiter- bzw. ausgehen wird?

Wieprecht: In zirka 12 Milliarden Jahren wird unsere Sonne ein roter Riese. Spätestens ab  dann erscheint das weltweit bekannte Phänomen der "German Angst" in einem ganz anderen Licht.

Wieprecht kurz und knapp

Können Sie Sanskrit oder Pali, die Sprachen der buddhistischen Schriften?
"Nein."
Können Sie sich ein Leben als Mönch vorstellen?
"Eher nein."
Essen Sie Fleisch?
"Wenn es mir angeboten wird."
Welches Tier wären Sie gern?
 "Eine Ameise."
Die Helden Ihrer Kindheit?
"Figuren aus Marvel- und Zack-Comics."
Ihr früherer Berufswunsch?
„Lateinlehrer.“
Was mögen Sie besonders an sich?
"Meinen Humor."
Welche gute Eigenschaft vermissen Sie an sich?
"Geduld."
Als wer oder was wollen Sie wiedergeboren werden?
"Wenn's denn sein muss, wieder als Mensch."
Was verwundert bzw. erschreckt Sie am meisten an den Menschen?
"Die Fähigkeit, die eigenen Lügen zu glauben."
Ihr Lieblings-Buddha-Spruch?
"Buddhas letzte Worte: "Ich habe keine Belehrungen zurückgehalten. Ich habe euch alles gegeben.""

Interview: Maria Kröhnke

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