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Brandenburg an der Havel

Abendmusik im Dom: Viel Applaus für Winterreise

Michael Schönheit  und Gotthold Schwarz in der Domaula.

Michael Schönheit  und Gotthold Schwarz in der Domaula.

Brandenburg/H. Franz Schuberts „Winterreise“ ist geprägt von abrupten Stimmungswechseln, sowohl in der „Großform“ als auch in den einzelnen Liedern, bisweilen wechselt der Gestus in jeder Phrase. Mit seinem Liederzyklus überraschte Schubert im Jahr 1827 seinen Bekanntenkreis. Die Freunde wusste er mit den nach ihrer Meinung depressiven Liedern, die er nach den Gedichten des Dessauer Dichters Wilhelm Müller komponierte, regelrecht zu schockieren.

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Viel Überzeugungsarbeit stand ihm bevor, denn auch die eigenen tiefen Emotionen sollten in diesem Zyklus hörbar werden. Dies galt für Schubert als nicht diskutierbar. Selten wird das hörende Mit-Leiden so intensiv erlebbar gemacht wie in diesem Zyklus. Die Zerrissenheit, Einsamkeit und der existenzielle Schmerz des innerlich Obdachlosen in der „Winterreise“ war nicht nur Projektionsfläche für die Hörer zu Schuberts Zeit, sondern auch für uns Heutige.

Lange Zeit wurden die Lieder in Brandenburg an der Havel in keinem Konzert gesungen. Am Sonntagabend haben sich nun der besonders im Oratorienfach gefragte Bassbariton Gotthold Schwarz sowie der Pianist und Organist Michael Schönheit dem Zyklus während der traditionellen und erfolgreichen „Brandenburger Abendmusiken“ in der Aula der Ritterakademie angenommen. Schön, dass Schwarz, der seit August 2016 als Leipziger Thomaskantor agiert, trotz der vielen Verpflichtungen mit dem weltberühmten Chor noch Zeit findet, seine Liebe zum solistischen Gesang hin und wieder nachgehen kann.

Große Herausforderung für Interpreten

„Die Winterreise“ war schon immer eine große Herausforderung für Interpreten und Zuhörer. Interessiert und konzentriert verfolgten die Abendmusik-Gäste die Interpretation der beiden Leipziger Künstler. Natürlich verlangt der Liederzyklus vom Sänger in erster Linie eine ausgereifte und verlässliche Gesangstechnik. Damit kann Gotthold Schwarz bestens aufwarten. Der Bassbariton sang die Lieder ungewohnterweise aus dem Klavierauszug, also vom Blatt. Und dies kennzeichnete auch ein Teil der Wiedergabe. Sicherlich, da waren die Phrasen gespannt, hörte man ein schönes Legato und zumeist ein wunderbar schwingendes Piano. Das alles war von sängerischer Kultur.

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Doch Gotthold Schwarz klebte allzu oft am Notenbild. Der große Bogen vom ersten bis zum letzten Lied sowie eine Differenziertheit in jeder Hinsicht wurden somit nicht vollends erfüllt. Zwar gelang ihm die Ausgestaltung von „Gute Nacht“, „Die Krähe“, „Der Lindenbaum“ und der zaghaft angedeuteten Aufhellung des „Wegweisers“ überzeugend, doch die verstörende Poesie Wihelm Müllers und Franz Schuberts mit ihrer Lyrik und Dramatik, ihrer Direktheit und Hintergründigkeit kam leider nicht immer zum Tragen.

Viel Applaus aus dem voll besetzten Saal

Am Flügel begleitete Michael Schönheit. Zwischen ihm und Schwarz gibt es eine langjährige Zusammenarbeit, die sich gegenseitig befruchtet. Die oft gewollte Eindimensionalität und Monotonie der von Schubert verlangten Klavierbegleitung soll die Konfrontation der Singstimme mit der Umwelt besonders schmerzlich hervorheben. Doch die dynamische Expressivität, mit der der Pianist auf dem Bechstein-Flügel in der Aula aufwartete, ging hin und wieder auf Kosten eines etwas vorlauten Klangs. Mehr intimere Farben und Töne wären angebracht gewesen.

Die Zuhörer im voll besetzten Saal waren Gotthold Schwarz und Michael Schönheit sehr dankbar für ihre Interpretation der Schubert-Lieder und spendeten viel Applaus.

Von Klaus Büstrin

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