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Heimatgeschichte

Brandenburg an der Havel: Vor 20 Jahren fuhr die letzte Straßenbahn nach Plaue und Kirchmöser

Die letzte Straßenbahn nach Plaue und Kirchmöser am 21. September 2002. 

Die letzte Straßenbahn nach Plaue und Kirchmöser am 21. September 2002.

Plaue. Welch Andrang: In dicken Trauben stehen sie an der Straßenbahnhaltestelle „Hohenstücken Betriebshof”. An diesem Samstagnachmittag ist es keine Reiselust, die die Menschen zu den Haltestellen der Linie 1 treibt. Es ist Nostalgie. An diesem Tag verabschieden sich die Verkehrsbetriebe Brandenburg (VBBr) mit einem Straßenbahn-Corso offiziell von der Strecke zwischen Anton-Saefkow-Allee und Kirchmöser-West. Die letzte Tram wird Samstag fahren.

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Schon schiebt sich der Corso um die Kurve. Es kommt Bewegung in die Menge. Doch Hans-Ulrich Leppin von den VBBr wacht darüber, dass kein Unbefugter die ersten beiden Bahnen entert. Schließlich sind die Traditionswagen, Baujahr 1912 und 1954, den geladenen Gästen vorbehalten. Wer nicht schon in einem der beiden Wagen sitzt, kann ihnen nur nachwinken.

„Muss denn ausgerechnet ich es sein, der die Strecke stilllegen muss?” fragt drinnen VBBr-Geschäftsführer Werner Jumpertz. Er hätte die einmalig schöne Tramverbindung nach Plaue und Kirchmöser gern erhalten. Aber die Entscheidung ist 1995 gefallen, lange vor seiner Zeit. Ex-Beigeordneter Hans-Joachim Gappert, der den Beschluss mit zu verantworten hat, steht dazu: Für die Sanierung des Streckennetzes hätte es wohl Fördermittel gegeben, erklärt er die Gründe für das jetzige Aus.

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Aber die Restaurierung der Plauer Brücke für damals geschätzte 15 Millionen Mark „hätte die Stadt alleine schultern müssen”. Das sei nicht zu schaffen, sei damals die einhellige Meinung der Stadtverordneten gewesen.

Ärger wegen der alten Plauer Brücke in Brandenburg an der Havel

Jumpertz sieht das anders. Er glaubt, dass die Havelstadt gute Chancen gehabt hätte, für die Sanierung der nun denkmalgeschützten Brücke Bundesmittel zu erhalten. Bis zuletzt hat er noch versucht, für einen solchen Förderantrag eine Mehrheit zu bekommen. Vergeblich.

47 Minuten bis nach Plaue

Am 24. Dezember 1912 rollte die erste Bahn auf der Blauen Linie durch den Forst vorbei an der Brandenburgischen Irrenanstalt und als Überlandbahn über die havelquerende Plauer Brücke bis hin zur Stadt Plaue. Damals hatten die Linien noch Farben.

Auf der Strecke verkehrte nun die Blaue Linie bis zur Landesanstalt und die neu eingerichtete Gelbe Linie vom Staatsbahnhof nach Plaue.

Eine Fahrt vom Staatsbahnhof (heute Hauptbahnhof) nach Plaue umfasste eine Strecke von 10,4 Kilometern und dauerte 47 Minuten.

Und so kommt es, dass Jumpertz im Traditionswagen sitzt und davon träumt, wie es gewesen wäre, wenn die Tram ihre Fahrgäste stolz an den Staus auf der B1 vorbeigefahren und pünktlich in Plaue und Kirchmöser abgeliefert hätte.

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90 Jahre fuhr die Straßenbahn nach Kirchmöser-West. Es ist ein beeindruckender Corso, den die VBBr zum Abschied zusammengestellt hat. Acht Wagen repräsentieren die Straßenbahngeschichte Brandenburgs seit 1912. Besonders auffällig an diesem sonnigen Herbsttag ist der Arbeitswagen mit Schneepflug von 1912.

Vor dem Plauer Rathaus stoppt die letzte Straßenbahn

Längs der Strecke stehen die Straßenbahnfans und winken. Sie scheuen keine Anstrengung, um die Traditionsbahnen zu fotografieren.

Am Schild „Good bye Linie 1” vorm Plauer Rathaus stoppt der Corso. Zünftig gewandete Tänzer zeigen ihr Können. Rasch verteilt Marlene Künne, eigens engagierte VBBr-Werbefee, milde Gaben. Schon geht es weiter — in eine Zukunft mit der neuen Buslinie E, die ab Sonntag fahren wird.

Dieser Beitrag ist erstmals am 23. September 2002 erschienen.

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Von Ann Brünink

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