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Berühmte Waffe bleibt bis Mitte 2015 im Stadtmuseum

Brandenburg gibt Katte-Schwert zurück

Stolz: Eva von Katte und Henning von Katte von Lucke.

Stolz: Eva von Katte und Henning von Katte von Lucke.

Brandenburg an der Havel. Die Familie von Katte erhält das berühmte Schwert zurück, mit dem ihr Vorfahre Hans Hermann am 6. November 1730 im Alter von 26 Jahren auf der Festung Küstrin hingerichtet wurde. Der preußische Offizier musste sterben, weil er seinem Jugendfreund, dem Kronprinzen Friedrich, der Flucht außer Landes helfen wollte. Der junge Friedrich musste der Hinrichtung beiwohnen – ein Erlebnis, das sein Leben veränderte.

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Mehr als 60 Jahre gehörte das überregional bedeutsame Katte-Schwert zum Bestand des Stadtmuseums Brandenburg an der Havel und war in der Dauerausstellung zu sehen. Am Freitag hat es Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) neben elf weiteren Kunstobjekten, darunter restaurierungsbedürftige Ölbilder und Radierungen, an die Alteigentümer zurückgegeben. Bis Mitte 2015 bleibt das Schwert auf jeden Fall als Leihgabe im Stadtmuseum an der Ritterstraße.

Richtschwert steht sinnbildlich für das Ende des Konflikteszwischen Kronprinzen Friedrich und dem Soldatenkönig

"Es ist wichtig, dass das Eigentum bei der Familie bleibt", betont Hennig von Katte von Lucke. Der Vorsitzende des Familienverbandes des weitverzweigten Adelsgeschlechtes begleitete am Freitag die 87-jährige Eva von Katte, deren 2002 verstorbener Gatte Hans Christoph bis zur Enteignung 1945 im Herrenhaus in Roskow (Potsdam-Mittelmark) lebte. "Er und sein jüngerer Bruder haben als Jungs im Gutsgarten mit dem Schwert die Unkräuter geköpft", erzählt die ältere Dame. "Unsere Familie ist wesentlich durch Hans Hermann und dessen unglückliches Schicksal bestimmt. Das ist unsere Geschichte", sagte der Familienchef.

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Das Richtschwert steht sinnbildlich für das Ende des berühmten Vater-Sohn-Konfliktes im preußischen Königshaus zwischen dem musischen Kronprinzen Friedrich und seinem despotischen Vater Friedrich Wilhelm I., dem Soldatenkönig. Hans Hermann von Katte, der von der vereitelten Flucht des jungen Friedrich 1730 in Richtung England gewusst hatte, wurde vom Kriegsgericht ursprünglich zu lebenslanger Festungshaft verurteilt. Doch der Soldatenkönig wandelte das Urteil über Katte in die Todesstrafe um – als Warnung für seinen aufbegehrenden Sohn, der nun Reue zeigte.

Radierungen aus dem Besitz der Familie von Katte.

Radierungen aus dem Besitz der Familie von Katte.

Mit dem Schwert wurde auch Holz gehackt

Das Richtschwert des Scharfrichters Coblentz aus Seelow war von dessen Familie Mitte des 19. Jahrhunderts für 50 Reichstaler an Katte-Nachfahren verkauft und schließlich ins Schloss Roskow gelangt. "Bis in die 1930er Jahre ist es im Gut Vieritz bei Tangerhütte gewesen", berichtet der Familienchef. Nach dem Verkauf des Gutes sei es damals "durch ein Missgeschick" nach Roskow gekommen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden zahlreiche Flüchtlinge und Vertriebene in das stattliche Herrenhaus einquartiert. Aus Berichten seines Onkels weiß der Roskower Ulrich Rahn, "dass mit dem Schwert auch Holz gehackt worden ist". Dieser Onkel habe den Wert dieser Waffe erkannt und 1948 in das Heimatmuseum nach Brandenburg gebracht.

Mit der Übergabe wurde dem 1994 erlassenen Ausgleichsleistungsgesetz auf Rückübertragung beweglicher Güter genüge getan. Nach der Wende hatte die Familie von Katte aus der Roskower Linie einen Antrag gestellt. Die für Museen geltenden so genannten Nießbrauchrechte sind jetzt ausgelaufen. Das berühmte Richtschwert, ein Barockschrank und ein auf 1729 datiertes Ölporträt Hans Hermann von Kattes verbleiben zunächst bis Mitte 2015 als Leihgaben der Familie in Brandenburg an der Havel.

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Berühmtes Richtschwert

  • Nach der Wende hatte die Familie von Katte aus der Roskower Linie einen Antrag auf Rückübertragung gestellt. Die für Museen geltenden so genannten Nießbrauchsrechte sind jetzt ausgelaufen.
  • Das berühmte Richtschwert, ein Barockschrank und ein auf 1729 datiertes Ölporträt Hans Hermann von Kattes bleiben zunächst bis Mitte 2015 als Leihgaben der Familie im Museum in Brandenburg an der Havel.
  • Das Katte-Schwert ist 1,09 Meter lang. Die Klinge besteht aus Stahl und ist beidseitig geschliffen. Der tropfenförmige Knauf und die gerade Parierstange sind aus Messing gefertigt. Auf einer Seite der Klinge steht: "Wan ich das Schwert thue aufheben, wünsch ich dem Sünder das Ewige Leben."

Von Claudia Nack

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