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Brandenburg an der Havel

Kommunikationspanne? Dem Marienbad laufen die Besucher davon

Das Brandenburger Marienbad aus der Luft.

Das Brandenburger Marienbad aus der Luft.

Brandenburg/H. Jens Grosser klingt fast schon verzweifelt: „Ich weiß nicht, woran es liegt, dass die Leute nicht kommen“, sagt der Chef des Brandenburger Marienbades, der das große Schwimmbad auf dem Marienberg seit Jahren mit Herzblut führt.

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Bis zum Sommer sei alles ganz prima gelaufen, sagt er weiter. Die Besucherzahlen hätten über dem Niveau des Jahres 2019 und damit der Vor-Corona-Zeit gelegenen. Doch plötzlich seien die Besucherzahlen im Marienbad eingebrochen.

Massiv und unerwartet. Wo sonst täglich 600 zahlende Badegäste planschten oder ihre Bahnen zogen, kommen derzeit nur 350 in das moderne Bad, das neben dem Spaßbad und dem 50-Meter-Becken auch Saunen und Kinderbereiche bietet.

Preise und Öffnungszeiten nicht verändert

Die Preise seien – anders als anderswo – nicht angehoben worden, die Öffnungszeiten wurden beibehalten und dennoch steht in den Büchern „ein absoluter Knick“. Möglich, dass das mit der Kommunikation durch die Stadtverwaltung zusammenhängt, die im August 2022 mit Blick auf die explodierenden Gas- und Energiepreise in der Folge des Überfalls Russlands auf die Ukraine beschloss, durch Einsparungen die Preisexplosion zu reduzieren.

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Das Marienbad aus der Luft.

Das Marienbad aus der Luft.

Tatsächlich verbrauchen Verwaltungsgebäude, Schulen und Sporthallen der Stadt bisher im Jahr 14 Millionen Kilowattstunden Wärmeenergie sowie 2,4 Millionen Kilowattstunden Elektroenergie. Für Straßenbeleuchtung fallen 2,84 Millionen Kilowattstunden Strom an. Das Marienbad allein verbrauchte pro Jahr 2,2 Millionen Kilowattstunden an Strom und 3,52 Millionen Kilowattstunden an Wärme vor der Pandemie.

Verständnis für Zukunftsängste

So wurde beschlossen: Man werde die Temperatur im Wasser und in der Luft jeweils um zwei Grad senken. Von 30 Grad auf 28 Grad im Wasser und von 32 Grad auf 30 Grad in der Luft. „Ich denke, das war nicht glücklich kommuniziert und schlecht vorbereitet“, sagt Grosser. Denn schon mit der Ankündigung brachen die Gästezahlen ein.

„Ich verstehe die Zukunftsängste unserer Besucher, ich kenne die Angst vor steigenden Gas- und Energiepreisen“, sagt Grosser glaubhaft. Allerdings hätten Gespräche mit bisherigen, ehemaligen Kunden gezeigt: Die Reduzierung der Temperatur sei für die meisten der Hauptgrund dem Bad fernzubleiben.

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Die Stimmung im Spaßbad ist gut. Allein es fehlt an Gästen.

Die Stimmung im Spaßbad ist gut. Allein es fehlt an Gästen.

Dass das absurd sei, zeige das Beispiel Tropical-Islands in Brandt. Dort schwärme man vom karibischen Klima und Flair. Die Temperatur aber liege immer bei 26 Grad Celsius und alle seien zufrieden, so Grosser. Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass eine Reduzierung von zwei Grad spürbar sei, sagt Grosser. Aber ein Grund zum Fernbleiben sei es nicht, ist er sicher.

Zusammen mit dem Onlineportal Meetingpoint hat Grosser am Donnerstag eine Umfrage gestartet und fragt nun eine Woche lang: Warum gehst du ins Marienbad beziehungsweise warum besuchst du das Bad nicht? Über 1000 Leute nahmen binnen weniger Stunden an der Umfrage teil.

Fast der Hälfte ist es angeblich zu kalt

45 Prozent der Teilnehmer kreuzten an, sie gingen „nicht ins Marienbad, weil es mir seit der Senkung der Wasser- und Lufttemperaturen um 2 Grad dort zu kalt ist.“ 25 Prozent der Teilnehmer gingen nicht ins Bad „weil ich es dort nicht attraktiv genug finde“. Und gut zehn Prozent lehnten den Besuch ab, „weil ich nicht weiß, wie die Zukunft wird und ich lieber mein Geld zusammenhalte“.

Letztlich bekannten sich nur 20 Prozent der Umfrageteilnehmer dazu, das Bad gern und weiter zu besuchen. Jens Grosser: „Wir tun viel dafür, um unser Marienbad attraktiv zu halten. Aber man muss uns auch die Chance geben, das zu beweisen.“ Auf der Internetseite sei zu erkennen, was das Marienbad an Energie spare und trotzdem seinen Kunden Wärme und Spaß biete. Bisher sei auch nur eine Sauna geschlossen worden.

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30 Grad warm ist die Luft, 28 Grad warm ist das Wasser. Jens Grosser als Betriebsleiter im Marienbad versteht die Zurückhaltung seiner Kunden nicht.

30 Grad warm ist die Luft, 28 Grad warm ist das Wasser. Jens Grosser als Betriebsleiter im Marienbad versteht die Zurückhaltung seiner Kunden nicht.

Seit Jahren ist das Marienbad Großkunde der Brandenburger Stadtwerke, die das Bad mit Fernwärme versorgen. Noch habe das Bad einen alten Vertrag – komme also bis zum Jahresende relativ günstig über die Runden.

Was passiere, wenn der Vertrag auslaufe, sei offen. Eine Verdopplung der Kosten für Energie und Wärme sei das Minimum, das es erwarte, so Grosser. Hoffnung mache ihm die Fernwärmetrasse aus Premnitz, an die das Bad Mitte 2023 angeschlossen werden soll und dann für eine günstigere Versorgung steht.

Bei Gasmangel ist Abschaltung auf Notbetrieb möglich

Niemand könne in die Zukunft sehen, heißt es im Rathaus auch mit Blick auf weitere notwendige Einschränkungen im Winter. Fehlen dann Strom und Gas, werden weitere Notfallmaßnahmen ergriffen. Dann werden alle Sporthallen für den Schul- und Vereinssport zugemacht, die Heizungen auf „Frostschutz“ gestellt.

Ebenfalls geschlossen werden alle Gebäude, die nicht dem Verwaltungs-, Bildungs- oder Betreuungszweck dienen. Geschlossen würde dann auch das Marienbad, lediglich ein Notbetrieb zum Substanzerhalt solle dann noch laufen.

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