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Brandenburg an der Havel

Der unsichtbare Teil des Klinikums

Jana Ramm befasst sich mit Zytodiagnostik, also mit dem Beurteilen von Zellen auf Veränderungen.

Jana Ramm befasst sich mit Zytodiagnostik, also mit dem Beurteilen von Zellen auf Veränderungen.

Brandenburg/H. 26 Monate Bauzeit, 4419 Kubikmeter Beton, 615 Tonnen Stahl, 162,3 Kilometer Kabel und 26.235 Kubikmeter umbauter Raum für etwas mehr als 20 Millionen Euro. So nüchtern wie diese Zahlen kommt der Neubau am Klinikum gar nicht daher, das Gebäude beherbergt die neue Klinikumsapotheke, Forschungsräume und Labore der Medizinischen Hochschule sowie das komplette Institut für Pathologie.

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Das Riesenhaus ist am Montag mit großem Festakt offiziell seiner Bestimmung übergeben worden, die Einrichtungen sind bereits komplett in Betrieb. Bundes-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schickte ein Grußwort, in dem er die Bedeutung moderner Krankenhäuser für die Gesundheitsversorgung heraushob.

Weitgehend im Verborgenen arbeiten die Beschäftigten der Pathologie. Manch einer verwechselt ihre Arbeit manchmal mit den im Fernsehen omnipräsenten Gerichtsmedizinern. Doch ihre Arbeit orientiert sich in den allermeisten Fällen an lebenden Menschen. Das Team um Chefarzt Roland Pauli sieht seine Hauptaufgabe eher darin, Gewebeproben zu analysieren. Entfernt ein Arzt beispielsweise bei einem Patienten einen Leberfleck mit Verdacht auf Krebs, so ist es der Job der Pathologen, herauszufinden, ob es sich wirklich um eine bösartige Veränderung handelt.

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Einblicke in ein sonst verschlossenes Haus

Die sonst auch für Patienten unsichtbaren Bereiche des Klinikums werden am Wochenende für wenige Stunden für alle neugierigen Brandenburger geöffnet.

Am 11. Mai hat jeder Interessierte die Möglichkeit, zwischen 10 und 14 Uhr das neue Haus 11 des Städtischen Klinikums zu besichtigen.

Es finden auf allen drei Ebenen Vorträge, Führungen und Demonstrationen statt.

In der Apotheke können sich Besucher den neuen Kommissionierautomat angucken und sich über die Lagerung, Logistik, die Herstellungsräume und die Reinräume informieren.

Im Institut der Pathologie werden die unterschiedlichen Bereiche vorgestellt, es gibt Präsentationen von Schnittpräparaten. Das molekularpathologische Labor präsentiert seine hochmoderne Labortechnik.

In der oberen Etage zeigt die Medizinische Hochschule ihre neuen Laborbereiche und man kann an einem Vortrag zum Thema Herzhose teilnehmen.

Für das leibliche Wohl ist mit einem Grillstand auch gesorgt.

Zu den wichtigsten Arbeiten zählen die Diagnostik von Operationspräparaten, auch als Schnellschnittuntersuchung während einer Operation, Biopsien und zytologischen Präparaten. Daraus ergibt sich die Diagnose der Erkrankung und damit ein wesentlicher Anhaltspunkt für den behandelnden Arzt hinsichtlich der weiteren Therapie.

Dafür gibt es jetzt großzügige Flächen und hochmodernes Gerät auf etwa 1400 Quadratmetern Nutzfläche. „So haben wir jetzt beispielsweise hinter dem Probenraum nun zwei Räume statt einen für die Gewebezuschnitte“, sagt Laborleiter Frank Dietrich. Bei den so genannten Schnellschnitten geht es tatsächlich um Zeit, weil der Patient währenddessen auf dem OP-Tisch liegt. Die Probe wird per Boten in die Pathologie gebracht und wird mittels Flüssigstickstoff auf -200 Grad Celsius heruntergekühlt, um sie schneiden und untersuchen zu können. Von der Entnahme bis zum Übermitteln des Untersuchungsergebnisses sollten insgesamt nicht mehr als 20 Minuten vergehen.

Andere Proben werden in kleine Paraffin-Blöcke gegossen, davon können wenige Mikrometer dicke „Scheiben“ geschnitten, in einem Vollautomaten eingefärbt und auf kleine Glasscheiben aufgebracht und später unter dem Mikroskop mit 800- bis 1000-facher Vergrößerung untersucht werden.

In der Abteilung für Molekularbiologie werden Proben biochemisch untersucht, sie reagieren mit Antikörpern, auch das kann man einfärben und „sichtbar“ machen. Relativ neu ist auch die DNA-Untersuchung. Dabei wird das Enzym DNA-Polymerase außerhalb des menschlichen Körpers in eine Kettenreaktion gebracht, dabei lassen sich Hinweise auf Tumore, Krebs oder Gendefekt ablesen.

Alle Labore und Untersuchungsräume sind als sauberer Bereich getrennt von Büros, Schreib- und Arbeitszimmern sowie Teeküche, schließlich geht es bei der Arbeit der Pathologen um eine Feindiagnostik. „Schön ist, dass nun alle Räume klimatisiert sind und wir bessere Arbeitsbedingungen haben“, sagt der promovierte Biochemiker Dietrich.

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In der Pathologie sind etwas mehr als 30 Mitarbeiter beschäftigt, darunter allein sechs Ärzte. Die Medizin-Technischen-Assistentinnen MTA in den Laboren absolvieren eine dreijährige Ausbildung, bevor sie sich spezialisieren und mit einem speziellen Examen abschließen.

Von André Wirsing

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