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Brandenburg an der Havel

Der Wald ist ein Domschatz

Das Domforstant Seelensdorf spielt die zentrale Rolle bei der nächsten großen Domausstellung

Das Domforstant Seelensdorf spielt die zentrale Rolle bei der nächsten großen Domausstellung

Brandenburg/H. Der Dom hütet seit fast 700 Jahre einen Schatz, der von den meisten Menschen wahrscheinlich so nicht wahrgenommen wird. Das zu ändern haben sich die Domstiftsmitarbeiter und Museumschef Rüdiger Freiherr von Schnurbein im kommenden Jahr zur Aufgabe gemacht.

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Die nächste große Jahresausstellung steht bislang unter dem Arbeitstitel „Bau und Bäume – 700 Jahre Domforst Seelensdorf“. Seitdem der Brandenburger Bischof Johann von Tuchheim 1319 die Gemarkung Seelensdorf ist dieser Forst unverzichtbare Lebensgrundlage des Domstifts –durch alle Zeitläufe hindurch, sagt von Schnurbein. Das änderte sich auch nicht nach der Reformation, man brauchte die Ländereien, um die adeligen Domherren zu versorgen.

Rüdiger von Schnurbein ist der Leiter des Dommuseums im Dom zu Brandenburg an der Havel

Rüdiger von Schnurbein ist der Leiter des Dommuseums im Dom zu Brandenburg an der Havel.

In den 700 Jahren haben die Menschen am Dom zu ihrem Forst eine vielschichtige Beziehung entwickelt: Der Wald ist einfacher Materiallieferant und spiritueller Ort, er ist Lebensgrundlage und Ort der Freizeitgestaltung. „Holz war damals die Grundlage für alles – es brachte Licht, Wärme und Baumaterial.“

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Die Bäume folgen auf Maria

Die neue Schau „Bau und Bäume“ zu 700 Jahre Domforst Seelensdorf wird im kommenden Jahr von Anfang Mai bis Ende Oktober zu sehen sein.

In diesem Jahr geht es bis zum Herbst um „500 Jahre Hochaltar im Dom zu Brandenburg oder Maria und die dritte Dimension“.

In ihrem Mittelpunkt steht der in feinster gotischer Bildschnitztechnik gefertigte Marienaltar auf dem Hohen Chor, der in diesem Jahr 500 Jahre alt wird.

Bei dem Retabel auf dem Hohen Chor des Brandenburger Doms handelt es sich um eines der bedeutendsten Altarbilder des frühen 16. Jahrhunderts in Mittel- und Ostdeutschland.

So will von Schnurbein beispielsweise in einem Backstein-Holz-Barometer beispielsweise zeigen, wie viel von dem natürlichen Rohstoff notwendig war, um all die Ziegel zu brennen, die am Dom verbaut worden sind. Wie lange muss ein Baum wachsen, bis man daraus die meterlangen Balken für seinen Dachstuhl schlagen kann?

Auch in anderer Form war der Wald Lebensgrundlage. Im Mittelalter gehörte die Schweinemast mit Eicheln zu den wichtigsten Einnahmequellen, der Bischof selbst vergab die Rechte dazu.

Gleichzeitig galt der Wald selbst lange Zeit als Hemmschuh für die Besiedlung von Gebieten. Ein Bewusstsein für den Wald als schützenswerte Ressource entwickelte sich relativ spät: Während es im 16. Jahrhundert bereits Maßnahmen gegen das Überfischen der Gewässer gab, dauerte es bis zum 19. Jahrhundert, bis die erste Waldordnung erschien. Das „Seelensdorfer Verfahren“ zur Kiefernaturverjüngung ist mittlerweile über die Grenzen Brandenburgs hinaus bekannt.

Heute erleben Kinder und Erwachsene den Wald noch vielfältiger: Er ist ein Ort der Ruhe und der Spiritualität. Vor zehn Jahren beispielsweise eröffnete das Domstift einen Waldfriedhof, weil es einen Wunsch von Menschen gab, ihre letzte Ruhe unter Bäumen zu finden. Das Verlieren von Laub im Herbst und das Ausschlagen im Frühjahr ist schon lange ein Symbol fürs Vergehen und Entstehen.

Für die Kinder ist der Wald ein Erlebnisort, sie machen spielerisch Bekanntschaft mit der Natur – es wird auch im kommenden Jahr spezielle Exkursionen in Seelensdorf geben. Und im Dom können die Kleinen erfahren, wie der Wald „umgewandelt“ in andere Produkte wird und welche landwirtschaftlichen Produkte es noch gibt: Sie können gekochten Teer riechen, Schafwolle fühlen und Korn schmecken.

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„Wir werden sehr viel inszenieren mit Licht und Ton, werden einen Tag im Wald aus Sicht des ruhesuchenden Wanderers und aus Sicht des auf Beute wartenden Jägers darstellen“, sagt Schnurbein.

Und Marketingchefin Stefanie Krüger ergänzt: „das Themenjahr ist eine Aufgabe für alle Bereiche am Dom. Deshalb wird es ein umfangreiches Musikprogramm von sinfonischer Dichtung zu Wald bis zu Volksliedern geben.“ Denkbar sind auch Hubertusmessen und Trophäenschauen direkt am Dom bis zu Wettbewerben im „Hirschröhren“.

Und auch die Kirchenkatzen-Reihe für Kinder widmet sich im nächsten Jahr beispielsweise dem Thema „Licht und Wärme am Dom.“

Von André Wirsing

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