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Eine gute Tat für die Bildung

Die Stifterin der Saldria hat Brandenburg ein großes Geschenk gemacht

Das Interkulturelle Zentrum „Gertrud von Saldern“ in liegt an der Gotthardtkirche. Ursprünglich war es der Sitz des Brandenburger Bischof, später die erste Saldern-Schule.

Das Interkulturelle Zentrum „Gertrud von Saldern“ in liegt an der Gotthardtkirche. Ursprünglich war es der Sitz des Brandenburger Bischof, später die erste Saldern-Schule.

Brandenburg/H.Die „Saldria“ ist eine Brandenburger Lehranstalt, die über Jahrhunderte eine regionale Bedeutung besaß. Ihre Gründung und Namensgebung sind untrennbar mit zwei Namen verbunden: Matthias von Saldern und Gertrud von Hake.

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Gertrud von Hake war die Frau von Matthias von Saldern, gründete gegen vielgestaltigen Widerstand aus ihrem Umfeld diese Schule und gab ihr den Namen ihres zuvor verstorbenen Mannes: „Saldernschule“. Daraus entwickelte sich die Verkürzung „Saldria“. Grund genug, sich der Stifterin zu ihrem 500. Geburtstag zu erinnern.

Karriere am Hof des Kurfürsten

Die Familie von Saldern stammte aus dem heutigen Niedersachsen. Ein Zweig übersiedelte nach der Reformation in die Mark Brandenburg und erwarb in der Prignitz umfangreichen Besitz. Der erste Vertreter der Familie, der am Berliner Hof größere Bedeutung erlangte, war Matthias von Saldern.

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Er begann seine Karriere als Page im Dienst des Kurfürsten, stieg zum kurfürstlichen Rat und Oberkämmerer auf und ist nicht nur als einflussreicher Berater überliefert, sondern auch als Gläubiger des Kurfürsten. Er war es, der dem finanziell ewig klammen Kurfürsten viel Geld lieh zur Einlösung verpfändeter Ämter.

Diplomatische Missionen im Auftrag des Hofes

Parallel erweiterte auch Saldern, der offenbar überaus geschäftstüchtig war, seinen Landbesitz. Der Zuwachs reichte vom Amt Plaue bis zum Amt Plattenburg bei Wilsnack. Zwischendurch heiratete der Aufsteiger Gertrud von Hake aus einer vermögenden Adelsfamilie.

Gertrud von Hake wurde Anfang März 1518 auf Gut Stülpe bei Jüterbog geboren, brachte weiteren Landbesitz mit in die Ehe und lebte mit ihrem Mann hauptsächlich im Plauer Schloss. Dazu kamen Aufenthalte am Berliner Hof. Ihr Mann war zudem wiederholt zu diplomatischen Missionen in der Fremde unterwegs.

Gertrud von Saldern übertrug ihr Grundstück der Stadt

Als der kurfürstliche Rat und Oberkämmerer von Saldern 1575 in Plaue verstarb, erhielt er in der Plauer Kirche seine letzte Ruhe. Der mächtige Grabstein zeigt ihn in Rüstung und mit Schwert.

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Seine Witwe erbte Plaue, den umfangreichen Besitz in der Prignitz, der bis zur Bodenreform nach 1945 der Familie gehörte, und auch das Grundstück des ehemaligen Bischofshofes am Gotthardtkirchplatz in der Brandenburger Altstadt, das seit 1567 zum Saldern-Besitz gehörte. Dieses Grundstück allerdings interessierte den Bürgermeister der Altstadt, Simon Roter.

Er hatte dafür Schulpläne und trug der Saldern-Witwe sein Interesse vor. Beide kamen überein. Mehr noch. Die Witwe überließ der Stadt gegen den heftigen Widerstand aus der Saldern-Familie den alten Bischofshof per Vertrag vom 13. April 1589 als Schenkung, stiftete die „Saldern-Schule“ und setzte sich damit ein bleibendes Denkmal in Brandenburg, denn die Lehranstalt mit ihrem Namen gedieh schnell zu einem Leuchtturm der Bildungsvermittlung. Darüber starb die Stifterin am 27. Mai 1595 in Magdeburg.

Die Saldria hatte im Jahr 1615 rund 400 Schüler

Die „Saldria“ hatte 1615 rund 400 Schüler, erhielt um 1800 ein neues Schulhaus sowie 1866 den Neubau am Salzhof. Sie entwickelte sich als sechsklassige Realschule mit einer dreiklassigen Oberrealschule. In der Weimarer Republik kam die Umwandlung in ein Reformrealgymnasium mit Oberrealschule. 1937 wurden die Schüler der „Ritterakademie“ integriert.

Im März 1945 wurde das Schulgebäude bei einem alliierten Luftangriff zerstört und danach nicht wieder aufgebaut. „Freunde der Saldria“ erreichten, dass 1993 die Stadtverordnetenversammlung dem Neustadt-Gymnasium den Namen „Saldern-Gymnasium“ verlieh, das inzwischen als das größte Brandenburger Gymnasium gilt. Damit leben der Name weiter und auch die Erinnerung an die Stifterin, die vor 500 Jahren geboren wurde.

Von Martin Stolzenau

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