Brandenburg an der Havel

Ein Jahr als Domkantor: Konzert als Dank an Caspar Wein

Großes Abschlusskonzert der Sommermusiken im Brandenburger Dom.

Großes Abschlusskonzert der Sommermusiken im Brandenburger Dom.

Brandenburg/H. Ganz schön jung und schon so gut. So könnten man das Wirken von Caspar Wein zusammenfassen. Der 1993 in Berlin geborene Kirchenmusiker fungierte bis Ende August als Vertretung für Domkantor Marcell Armbrecht-Fladerer, der ein Jahr lang den Anspruch auf die Elternzeit wahrnahm.

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Wein bewerkstelligte das große Feld der Kirchenmusik am Dom mit Präsenz und Ausstrahlung. Das Musizieren in Gottesdiensten, das Organisieren der zahlreichen Abendmusiken, die Leitung der Chöre, das Vorbereiten eigener Konzerte sowie die umfangreiche Büroarbeit gehören zum Arbeitsfeld eines Kantors.

Ein Konzert mit Kompositionen von Franz Schubert

Am Sonntagnachmittag beendete Caspar Wein seine Tätigkeit am Brandenburger Dom mit einem Konzert, das ausschließlich mit Kompositionen von Franz Schubert aufwartete. Mit von der Partie waren der Brandenburger Kantatenkreis, die Solisten Eva Friedrich (Sopran), Julia Hebecker (Alt), Volker Nietzke (Tenor), Michael Rapke (Bariton) sowie die Brandenburger Symphoniker.

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Die Sinfonie Nr. 4, das Magnificat und das Stabat Mater stehen nicht oft im Fokus von Veranstaltern. Alle drei Werke schrieb der 19-jährige Schubert von September 1815 bis April 1816, also innerhalb von acht Monaten. Eine enorme Leistung.

Kontrastreiche Dynamik – Beethoven als Vorbild

Der Komponist folgte in der Sinfonie Nr. 4 in c-Moll, die er nachträglich die „Tragische“ nannte, in Tonart, Pathos und kontrastreicher Dynamik seinem großen Vorbild Beethoven. Besonders in den Ecksätzen bemühte er sich, die Sphäre der Coriolan-Ouvertüre und der Fünften von Beethoven auf seine Art zu erreichen.

Caspar Wein gelang es souverän, die Brandenburger Symphoniker mit einem akzeptablen Klangfluss stimmig auf Kurs zu halten. Besonders das poesievolle Andante gelang dem Dirigenten, ohne falsche Sentimentalität hörbar zu machen.

Entspanntes Vertrauensverhältnis

Der Kantatenkreis und Caspar Wein scheinen ein ganz entspanntes künstlerisches Vertrauensverhältnis entwickelt zu haben. Die rund 80 Sängerinnen und Sänger folgten jedenfalls dem Dirigenten mit großer Aufmerksamkeit, Konzentration. Zugleich entwickelten sie einen ganz natürlichen und unangestrengten Chorklang.

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Somit konnten sie stimmlich und interpretatorisch weitgehend den verschiedenen inhaltlichen Anforderungen des „Magnificat“ und des „Stabat Mater“ nachkommen. Der Lobgesang der Maria, das „Magnificat“, ist ein sehr kurzes Werk, das jedoch mit einem großen Aufgebot an Mitwirkenden ausgestattet ist, ein Werk, das besonders durch seine dynamischen Übergänge eine eindrucksvolle und starke Wirkung erzielt.

Inniger und heller Glanz des Soprans

Neben dem einsatzfreudigen Chor und dem Orchester konnte das homogen singende Solistenquartett sehr für sich einnehmen, wobei der innige und helle Glanz des Soprans von Eva Friedrich lichtvoll strahlte. In den Arien und Terzetten des anschließend musizierten „Stabat Mater“ konnte man sich ihrer Stimme dann noch stärker vergegenwärtigen.

Die Dichtung von Friedrich Gottlieb Klopstock und die Komposition Schuberts entstanden unter dem Eindruck von Giovanni Battista Pergolesis Klage der Maria um ihren gekreuzigten Sohn, ganz in pietistischer Empfindsamkeit oder festlich gestimmter katholischer Frömmigkeit. Dennoch wurde bei der Wiedergabe nicht mit Schwulst geklotzt, sondern mit feiner Delikatesse.

Schwieriger 5. Satz: Nicht alles im rechten Lot

Leider war aber im schwierigen fünften Satz, der nur von Bläsern begleitet wurde, nicht alles im rechten Lot. Die Hörner der Symphoniker ließen Qualität vermissen und der Chor konnte Unsicherheiten nicht verbergen.

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Man erholte sich jedoch schnell aus diesem Tief und musizierte dem hoffnungsvollen Finale des Werkes entgegen, wobei von den Solisten neben Eva Friedrich besonders der höchst sensibel singende Bariton Michael Rapke besonders imponierte.

Herzlicher Applaus der zahlreich erschienenen Zuhörer galt allen Mitwirkenden für ein beeindruckendes Konzert, besonders jedoch Caspar Wein für eine engagierte und künstlerisch wirkungsvolle Vertretung des Domkantors.

Von Klaus Büstrin

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