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Brandenburg an der Havel

Flotte Flitzer: Fahrradmuseum eröffnet

Günter Bauch in seinem Fahrradmuseum in Brandenburg an der Havel

Günter Bauch in seinem Fahrradmuseum in Brandenburg an der Havel

Brandenburg/H. Mit einem kleinen Schlüssel zu Weihnachten fing es an. Den hat Günter Bauch von seinen Kindern geschenkt bekommen. „Für dein Fahrradmuseum“, haben sie gesagt und damit war es beschlossene Sache. In die Werkstatt im Hinterhof der Rathenower Straße 8 in Brandenburg an der Havel ziehen die Drahtesel ein. Aber nicht irgendwelche. „Nur aus Brandenburger Fabrikationen“, sagt der Sammler stolz.

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Räder in der Ausstellung.

Räder in der Ausstellung.

In der Szene ist er kein Unbekannter. Im Museum Dreiseitenhof in Grebs hat er bereits viele seiner liebevoll restaurierten Zweiräder ausgestellt. Das soll auch so bleiben. In das neu eröffnete Fahrradmuseum in der Havelstadt sind deshalb nur alle Brandenburger Räder umgezogen. „Als Brandenburg noch eine Fahrradstadt war“ steht auf dem großen Schild, das über dem Treppenaufgang hängt. Klar, es gab die berühmten Brennabor-Werke. Und vielleicht hat der eine oder andere noch eines dieser Oldtimer-Räder im Keller. Aber was denn noch?

Excelsior, Corona, Kondor, Alexander, Hermann Gentz, Recordia, Europa, Libelle, Trommler, zählt Günter Bauch auf und weiß von diversen kleinen Handwerksbetrieben in der Stadt zu berichten und auch wo diese ansässig waren. 20 Fahrräder sind in den Räumen der einstigen Tischlereiwerkstatt ausgestellt.

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Am Türmetag geöffnet

Die Ausstellung gibt Einblick in Brandenburger Fahrradindustrie und Fahrradhandwerk von 1871 bis 1945. Für Einzelbesucher öffnet das Museum wieder zum Türmetag am Sonntag, 11. September 2016.

Geöffnet ist auch zum Aktionstag „Feuer und Flamme für unsere Museen“ am 29. September 2016, sowie zum Internationalen Museumstag am 21. Mai 2017.

Gruppen, zum Beispiel interessierte Lehrer mit Schülern, können jederzeit telefonisch einen Termin bei Günter Bauch vereinbaren.

Kontakt unter 033207/70861

Das klingt wenig, aber wer sich auf einen Besuch einlässt, bekommt nicht nur historische Fahrzeuge zu sehen. Es ist ein Ausflug in die Geschichte. Werbegrafiken hochrangiger Künstler aus verschiedenen Zeitepochen hängen an den Wänden. Zum Beispiel von Leonhard Friedrich Waldemar Fries oder Vintila Antonescu. Letzterer hat unter anderem Filmplakate in den 1920er-Jahren zu Charlie Chaplin-Filmen gemalt. Ein Thema, das sich vertiefen lässt, wenn Günter Bauch aus einer Tasche eine dicke Mappe mit weiteren Grafiken hervorzaubert.

Das tut er aber nur, wenn er das Interesse der Besucher spürt. „Ein Museum ist oft zu informationslastig“, findet er und genau deshalb ist seines klein und fein, sind die Infotafeln kurz und übersichtlich. In seinem Museum darf man selbst entdecken, Fragen stellen, sich wundern, ausprobieren. Und hat er erst einmal begonnen zu erzählen, ist er kaum zu bremsen. Der gelernte KFZ-Schlosser, der später als Ausbilder für KFZ-Technik arbeitete, weiß wovon er spricht, wenn er den Unterschied zwischen vollgeschweißt, teilgemufft, vollständig gemufft oder Innenlötung erklärt. Er kann aber genauso gut auf alten Stadtplänen und Fotos zeigen, wo sich die Radrennbahnen der Stadt befanden. In der Brielower Straße zum Beispiel oder im Sportpark in der Wilhelmsdorfer Landstraße.

Das Brennabor Bubi-Rad.

Das Brennabor Bubi-Rad.

Eine alte Aktie der Brennaborwerke hängt ebenso hinter Glas an der Wand, wie die Sammlung verschiedenster Steuerkopfschilder, eine Leihgabe von Jens Juchert.

Sogar mit Plagiaten hatte man zu damaliger Zeit schon zu kämpfen. Den Werbespruch: „Ein Stückchen Blech, ein bisschen Rohr – fertig ist der Brennabor“, hatte die pfiffige Geschäftsinhaberin Elsbeth Heht aus der Fouquéstraße etwas zu wörtlich genommen. Sie baute Räder, die den Anschein von Brennabor-Fabrikaten erwecken sollten. Daraufhin ist in einem Auszug einer Brennabor- Werbeschrift von 1935 zu lesen: „Da schlägt es doch Dreizehn!“

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Dabei sind ganz besondere Details an den echten Brennabor-Rädern zu finden. Zum Beispiel ein geflügeltes B. Dieses B ziert bei den Jubiläumsrädern das Kettenrad und wurde 1939 bei Erreichen der Stückzahl von zwei Millionen verbaut.

Günter Bauch am Eingang zu seinem Fahrrad

Günter Bauch am Eingang zu seinem Fahrrad

Innenlenkerbremse, klappbarer Kettenschutz, nachwachsende Kerzenlichtlampe, Carbitlampe, Freilaufnabe, immer mehr lässt sich entdecken, je genauer man hinschaut. Und der Museumsinhaber mit dem sympathischen Schmunzeln im Gesicht, der mit seiner witzigen Brandenburger Mundart ein wenig an Kurt Krömer erinnert, hat seine Freude an jeder Frage.

„Miste doch mal aus, hat meine Frau zu mir gesagt und bestücke die Räder, wie sie mal gebraucht wurden“, erzählt der Sammler, der seit 40 Jahren nicht nur Fahrräder, sondern auch anderen „Krempel“ aufhebt, wie er es nennt. Darum baumelt auch ein antiker Essensbehälter am Lenkrad, klemmt die Pennäler-Schultasche auf dem Gepäckträger, eine alte Klempnertasche oder die eines Brennabor-Konstrukteurs.

Eine wahrlich kleine Ausnahme macht Günter Bauch bei all den Zweirädern doch. Das frisch erworbene Brennabor Bubi-Rad, ein Dreirad für Kinder behauptet ebenfalls seinen Platz. Zum Höfefest im August dieses Jahres eröffnete Günter Bauch sein Fahrradmuseum. Der Eintritt ins Museum ist grundsätzlich frei.

Von Ina Schidlowski

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