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Stolperstein

Flucht nach Shanghai: So entkam Wally Lesser aus Brandenburg an der Havel 1940 der Nazi-Hölle

Wally Lesser mit ihren Söhnen Erich, Hans Hermann and Reinhard im Jahre 1936 in Brandenburg an der Havel - womöglich waren sie da das letzte Mal zusammen.

Wally Lesser mit ihren Söhnen Erich, Hans Hermann and Reinhard im Jahre 1936 in Brandenburg an der Havel - womöglich waren sie da das letzte Mal zusammen.

Brandenburg/H.Sie hatte es geschafft. Als Wally Lesser 1940 von Bord der S/S Conte Verde ging und Shanghai betrat, war sie auf sicherem Boden. Die Zeiten der Verfolgung, der Peinigungen und der Erpressungen durch die deutsche Regierung lagen hinter der Jüdin, die 1939 aus Brandenburg an der Havel geflohen war. Doch die neue Heimat brachte ihr kein Glück. Am 7. Juli 1941 starb Wally Lesser.

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Für ihre Nachfahren hat sich jetzt ein erster Wunsch erfüllt. Annekathrin Hill, Volontärin des Brandenburger Stadtmuseums, stieß im Internet auf Unterlagen, die die Ausschiffung von Wally Lesser aus dem italienischen Triest nach Shanghai belegen. So konkret war dies der Familie bislang nicht bekannt.

Der erste Stolperstein für ein jüdisches Opfer in Brandenburg an der Havel

Ein weitaus größerer Wunsch der Nachfahren soll im kommenden Jahr in Erfüllung gehen: Wally Lesser bekommt einen Stolperstein, vor dem Wohnhaus Domlinden 5, ihrer letzten Brandenburger Adresse. Es wird der erste für Jüdinnen und Juden aus Brandenburg an der Havel sein.

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Das große Wohnhaus Domlinden 5 in Brandenburg an der Havel gehörte einst Wally Lesser. Hier soll im September 2022 der erste jüdische Stolperstein in der Stadt verlegt werden.

Das große Wohnhaus Domlinden 5 in Brandenburg an der Havel gehörte einst Wally Lesser. Hier soll im September 2022 der erste jüdische Stolperstein in der Stadt verlegt werden.

Als die Nazis, allen voran Oberbürgermeister Wilhelm Sievers, am 9. November 1938 Wohnungen und Geschäfte jüdischer Menschen in der Stadt stürmten, demolierten, plünderten und oft verwüsteten, harrte Wally Lesser als letzte ihrer Familie in Brandenburg aus. „In Brandenburg waren sie (die Nazi-Horden; die Red.) auch in der Wohnung, und Muttel hatte Glück, dass sie ihr nur das Bargeld wegnahmen, denn bei den anderen hatten sie das Mobiliar und Geschirr zerschlagen“, schrieb Erich Lesser Ende 1939 an seine Brüder Hermann und Reinhard.

Die Flucht aus Brandenburg war nicht die erste von Wally Margarete Lesser, geborene Honig. 1888 in Gnesen (heute Gniezno nahe Poznan in Polen) geboren, heiratete sie 1908 Max Lesser. „Es war eine von Max‘ Schwester Adelheit arrangierte Verbindung, wie zu dieser Zeit oft üblich, und brachte zwei wohlhabende deutsch-jüdische Familien zusammen“, weiß Margaret Lesser Bach, Wallys Enkelin, aus den Unterlagen der Familie.

Wally heiratete in eine bedeutende Unternehmerfamilie hinein. Die Lessers bauten seit dem späten 19. Jahrhundert Landmaschinen, zeitweilig mit 400 Beschäftigten. Die Fabrik der Gebrüder Lesser in Posen (heute Poznan) galt als der größte Hersteller von Kartoffel-Ernte-Maschinen in Europa. In Posen kamen die Söhne Erich (1909-1972), Hans-Hermann (1911-1983) und Reinhard (1913-1987) zur Welt.

Max Lesser im Jahre 1934, als er schon lange nicht mehr in Brandenburg an der Havel lebte und mit Wally verheiratet war.

Max Lesser im Jahre 1934, als er schon lange nicht mehr in Brandenburg an der Havel lebte und mit Wally verheiratet war.

1914 geriet die Welt das erste Mal in Brand. Max Lesser kämpfte mit und glaubte später fest daran, dass man in Deutschland einem verdienten Veteranen schon nicht anhaben werde, auch wenn er ein Jude sei.

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Doch erst einmal sorgte dieser Krieg dafür, dass die Lessers das erste Mal ihre Heimat verloren. Posen wurde wieder polnisch. Die deutsche Schule, in der Reinhard, der jüngste Sohn, eingeschult worden war, wurde geschlossen. Die Lessers weigerten sich, den Jungen in eine polnische Schule zu schicken. Der Druck wuchs und die Familie beschloss, Posen zu verlassen. Die Fabrik wurde an einen Polen verkauft, der dort fortan Lokomotiven für die polnische Staatsbahn produzierte.

„Max reiste nach Deutschland, um ein geeignetes Fabrikgelände für die Weiterführung des Unternehmens zu finden“, fand Enkelin Margaret heraus, „er fand einen solchen Ort in Brandenburg an der Havel“.

Zuerst in der Wallstraße in Brandenburg an der Havel gewohnt

1921 zogen Mutter, Vater und die drei Söhne von der Warthe an die Havel. Wo genau die Fabrik wieder in Betrieb ging, ist noch nicht ermittelt worden. Im Brandenburger Adressbuch von 1923, das nächste nach 1919/20, findet man zumindest die erste Wohnung: „Max Lesser, Fabrikdirektor, Ingenieur, Telefon 194, Wallstraße 20“. Die Ordnung der Hausnummern in der Wallstraße war damals eine andere als heute, seinerzeit lag die Nummer 20 zwischen der Kapellen- und der Rathenower Straße.

Die Jungs besuchten wieder deutsche Schulen. „Max versuchte, die Firma Gebrüder Lesser mit den Produktionsmitteln, die er aus Posen mitgebracht hatte, neu zu gründen“, liest man in den Unterlagen der Familie. „Nach einem vielversprechenden Start war das Unternehmen nicht in der Lage, sich selbst zu erhalten.“ Ob die Weltwirtschaftskrise 1928 die Ursache war oder es einen anderen Grund für die Pleite gab, ist noch ungewiss.

Kaputt ging auch die Ehe. Wally und Max Lesser ließen sich 1927 oder 1928 scheiden. „Als sie in Breslau vor dem Richter erschienen, hielten sie sich an den Händen hielten, um zu zeigen, dass sie immer noch Freunde waren“, erzählt Margaret. Max zog nach Leipzig, wo seine Schwester Adelheit lebte, und lernte Marie Block kennen und lieben. Sie wurde seine zweite Frau.

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Wally blieb in Brandenburg. Im Adressbuch 1928/29 tauchte erstmals ihr Name auf: „Wally Leser, geborene Honig, verehelicht, Telefon 1006, Wallstraße 20“. Den gleichen Eintrag findet man auch im folgenden Adressbuch, das 1931 erschien.

Wally Lesser hielt in Brandenburg an der Havel Salons ab

Zurück blieb aber offensichtlich kein einsames Mütterlein mit drei Söhnen, sondern eine selbstbewusste Frau, die schon vor der Scheidung ihren Weg gegangen ist. Enkelin Margaret notiert: „Wally war eine empfindsame, künstlerische Frau mit ausgeprägten kulturellen Interessen. Sie las viel, spielte Klavier, sang, schrieb Gedichte und ermutigte ihre Söhne, sich künstlerisch zu beschäftigen. Sie hielt mittwochnachmittags Salons ab, die von Künstlern und Dichtern besucht wurden.“ Gatte Max war von diesen Salons ausgeschlossen.

Autorin unter dem Pseudonym Else Walter

Unter dem Pseudonym Else Walter schrieb Wally Lesser um 1930 „Das Wirtschaftsbuch der sparsamen Hausfrau“, erschienen im Drei-Türme-Verlag Berlin.

Auf 160 Seiten gibt sie ihren Leserinnen Tipps und Hinweise für alle möglichen Situationen und Aufgaben im Haushalt. Mehr als die Hälfte des Buches widmet sie der Ernährung. Viele Rezepte finden sich darin. Dezidiert beschreibt Wally Lesser die Diätküche, darunter finden sich vegetarische Rezepte.

Im Kapitel „Mutter und Kind“ erfährt die junge Frau einiges über Schwangerschaft, Wochenbett und die Pflege des Kindes. Mit Zeichnungen ausgestattet erfährt man, wie ein Baby richtig zu wickeln ist. Ein Abschnitt geht auf die „Hausschneiderei“ ein. Hier lernt man, neue Anziehsachen zu nähen und alte auszubessern.

Ob dieses Buch der Anfang einer publizistischen Laufbahn war oder Wally Lesser damit ein anderes Ziel verfolgte, ist der Familie nicht bekannt. Ebenso wenig weiß man, warum sie ein Pseudonym wählte.

In ihrem Vorwort merkte Wally Lesser unter anderem an: „Kluge Frauen wissen, wie sehr die Harmonie des Familienlebens von ihrem liebevollen Wirken und von der Sorgfalt ihrer Haushaltsführung abhängt.“

Wally hatte in die Ehe mit 400.000 Mark eine stattliche Mitgift eingebracht. Nun wollte sie bei der Scheidung nicht leerausgehen. Die Grundstücke in Brandenburg an der Havel und in Bad Harzburg, das Ferienhaus der Familie, liefen auf ihren Namen. Im Adressbuch 1934/35 erscheint Wally erstmals als Eigentümerin von Domlinden 5 und der Hevellerstraße 2. Zu dieser Zeit sind ihre Jungs längst ausgezogen, zuletzt Reinhard, der Jüngste und Vater von Margaret Lesser Bach, die von Santa Monica in Kalifornien aus die Stolperstein-Initiative für ihre Großeltern führt.

Vor dem imposanten Wohnhaus Domlinden 5 soll im September 2022 ein Stein zur Erinnerung an Wally Lesser gelegt werden – womöglich von Günter Demnig, dem Begründer der mittlerweile internationalen Stolperstein-Aktion. Zwei hat Demnig bereits in der Stadt Brandenburg gelegt, im September 2013 in der Neustädtischen Heidestraße für den katholischen Pfarrer Bruno Schubert und auf dem Katharinenkirchplatz für den SPD-Mann Gustav Schernikau, die den Nazis zum Opfer fielen.

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Stolpersteine gelten international als anerkanntes Gedenken

In der Vergangenheit gab es hier und da Versuche, auch den vielen Jüdinnen und Juden aus Brandenburg an der Havel mit Stolpersteinen ein würdiges Andenken zu geben. Das ist in vielen Städten Deutschlands und Österreichs längst gang und gebe. In der Stadt Brandenburg scheiterte dies bislang am Veto des Vorsitzenden der jüdische Gemeinde, Feliks Byelyenkov. Er lehne die Stolpersteine ab, ließ er die MAZ 2015 wissen. Denn: "Man sollte in Augenhöhe gedenken und nicht beim Gedenken in den Dreck gucken."

Stolperstein für Gustav Schernikau auf dem Katharinenkirchplatz: Im September 2013 verlegte Gunter Demnig diesen Stolperstein, der an den 1944 ermordeten Sozialdemokraten erinnerte. Schernikau wohnte zeitweilig am Katharinenkirchplatz 5.

Stolperstein für Gustav Schernikau auf dem Katharinenkirchplatz: Im September 2013 verlegte Gunter Demnig diesen Stolperstein, der an den 1944 ermordeten Sozialdemokraten erinnerte. Schernikau wohnte zeitweilig am Katharinenkirchplatz 5.

Im Falle der Lessers jedoch lenkt er ein: "Herr Byelyenkov sagte mir, dass er nach wie vor gegen diese Form des Gedenkens sei, sich aber dem Wunsch der Familie nicht in den Weg stellen werde", berichtete Tim Freudenberg, Fachdienstleiter Kultur der Stadtverwaltung. Freudenberg hatte die Anfrage der Lessers auf den Tisch bekommen und klärte alle Aspekte. Grünes Licht bekam er zügig von Peter Reck aus der Baubehörde.

Die Familie Lesser war nicht religiös und nur ab und an in Verbindung mit der jüdischen Gemeinde Brandenburgs. Ihr Vater erinnerte sich daran, dass die Familie "gelegentlich am jüdischen Leben in Brandenburg teilnahm", schreibt Margaret Lesser Bach. "Max und die Söhne, aber nicht Wally, besuchten gelegentlich eine kleine Synagoge in Brandenburg, die sich nach Angaben meines Vaters hinter einem Wohnhaus befand." Das jüdische Gemeindehaus in der Großen Münzenstraße, hinter dem die Synagoge bis zu ihrer Vernichtung 1938 stand, wirkt auch heute noch wie ein Wohnhaus.

Seltene Kontakte zur Jüdischen Gemeinde in Brandenburg an der Havel

Wally habe die Söhne bei der Jüdischen Gemeinde zum Religionsunterricht angemeldet, nur für kurze Zeit. „Aber die Lehren waren nicht nach ihrem Geschmack“, schreibt Margaret. Auch Max scheint eher ein seltener Gottesdienstgänger gewesen zu sein: „Mein Vater erinnerte sich daran, dass sein Vater Max dort einmal im Jahr den Gottesdienst zu den Hohen Feiertagen besuchte und die verschiedenen hebräischen Gebete beherrschte.“ Soweit ihr bekannt ist, hatte Wally an diesen Gottesdiensten nicht teilgenommen.

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Die scheinbar geringe Beteiligung am jüdischen Gemeindeleben bedeutete aber nicht, „dass die Familie vollständig assimiliert war“, betont Margaret. Vielmehr bekannten sich die Lessers zu ihrer jüdischen Identität und waren sich der allgemeinen antisemitischen Haltung damals durchaus bewusst.

Um finanziell besser über die Runden zu kommen, führte Wally Lesser einige Jahre auf dem Grundstück Hevellerstraße eine Gärtnerei auf dem Dom. Der Blick in die Adressbücher zeigt, dass in der Hevellerstraße 2 der Gartenbaubetrieb Karl Schoenemann Nachfolger bestand.

Wally Lesser musste die Gärtnerei an einen Arier verkaufen

Im Adressbuch 1934/35 erscheint Wally Lesser als Inhaberin des Schoenemann-Betriebes. Laut Adressbuch 1936/37 gehört zwar immer noch das Grundstück Hevellerstraße 2, seinen Sitz hat dort nun die Domgärtnerei Bernhard Kuklok.

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Ob Wally Lesser gezwungen worden war, den Betrieb an einen Nicht-Juden abzutreten, ist wahrscheinlich. Margaret Lesser Bach spricht mit Blick auf die Familienunterlagen vom „erzwungenen Verkauf von Wallys Gärtnerei an einen ,Arier‘“.

Auf dem Grundstück Hevellerstraße 2 auf der Dominsel in Brandenburg an der Havel betrieb Wally Lesser zeitweilig eine Gärtnerei.

Auf dem Grundstück Hevellerstraße 2 auf der Dominsel in Brandenburg an der Havel betrieb Wally Lesser zeitweilig eine Gärtnerei.

Für die Juden wird die Lage immer schwieriger. Wallys Söhne verlassen Deutschland. Reinhard geht 1936 in die USA, Hans-Hermann im selben Jahr nach Palästina. „Erich ist der letzte, der ausreist“, berichtet Margaret. Das war 1939. Er hatte das November-Pogrom erlebt und konnte seinen Brüder schildern, was passiert war. „Die andauernden Verhaftungen, wo Juden ganz willkürlich schon früh um 5 Uhr zu tausenden aus den Betten geholt wurden und in Konzentrationslagern zu Tode gequält wurden oder völlig krank entlassen wurden, zermürbten einen sehr, weil man ja nie wußte, ob man am anderen Morgen noch zu Hause war.“

Im Adressbuch 1938/39 taucht sie zum letzten Mal auf: „Lesser, Walli (nun mit i geschrieben; die Red.), geborene Honig, Domlinden 5“. Womöglich spätestens nach den November-Progromen muss sie begonnen haben, dieses furchtbare Land zu verlassen: „Aus den wenigen erhaltenen Briefen geht Wallys Verzweiflung hervor“, berichtet Enkelin Margaret. „Sie schreibt von ihren Versuchen, ein Visum zu bekommen, sei es für Amerika oder England.“

Ina aus China wohnte gegenüber

Manchmal sind Zufälle unglaublich. Wenn Wally Lesser aus ihrem Haus Domlinden 5 trat, sah sie gegenüber das Haus St. Petri 2. Dort lebte seit 1937 ein Mädchen aus Shanghai, aus jener Stadt, in die Wally Lesser 1940 floh.

Aline Siao Ma war sieben Jahre alt, als ihr Vater sie aus dem von Japan besetzten Shanghai nach Brandenburg an der Havel schickte. Das Mädchen, in Brandenburg kurz Ina genannt, lebte nun bei der Offizierswitwe Margarete von Förster.

Als die Lage für Aline Siao Ma in Deutschland zu brenzlig wurde, floh sie Anfang 1945 in die Schweiz. Ihre Lebensgeschichte schrieb die Sinologin Susanne Hornfeck im Jahre 2007 in dem Roman „Ina aus China“ auf. In dieser Geschichte heißt das Mädchen Chen Yinna.

Wally macht sich auf den Weg nach Frankreich, nach Paris, muss jedoch wieder umkehren. „1940 bleibt ihr nichts anderes übrig, als nach Osten zu gehen, nach Shanghai, einer offenen Stadt, ohne Visum- oder Passpflicht und somit ein ,Hafen der letzten Zuflucht‘ für Juden.“

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Und dort kam Wally Lesser nach einer drei- bis vierwöchigen Überfahrt am 6. Juni 1940 an, fand Museumsvolontärin Annekathrin Hill heraus. Aus einer Akte erfuhr sie überdies, dass sich Wally Lesser „cook“ als Beruf angab. Köchin hätte sie auch in den USA oder in Großbritannien werden wollen.

Shanghai war für viele Jüdinnen und Juden ein sicherer Ort

Doch knapp ein Jahr später wirft eine Erkrankung die tapfere Frau nieder: „Im Mai 1941 liegt sie mit einer schweren Infektion im Krankenhaus und stirbt am 7. Juli 1941 im Alter von 53 Jahren“, liest man in den Unterlagen der Familie. Etwa 20.000 Juden überlebten in Shanghai den deutschen Terror. Wally Lesser gehörte nicht dazu.

Margarets Großvater Max und dessen zweite Frau Marie mussten ebenfalls ihr Leben lassen. Sie wurden am 21. Januar 1942 aus Leipzig nach Riga deportiert und ermordet. Auch für sie sollen im Herbst 2022 Stolpersteine verlegt werden, in Leipzig und auf Initiative der Familie.

Reinhard Lesser, Wallys jüngster Sohn und Vater von Margaret Lesser Bach, besuchte 1978 Brandenburg an der Havel und sein früheres Elternhaus Domlinden 5.

Reinhard Lesser, Wallys jüngster Sohn und Vater von Margaret Lesser Bach, besuchte 1978 Brandenburg an der Havel und sein früheres Elternhaus Domlinden 5.

Nach der Wende bekam die Familie die beiden Immobilien in Brandenburg an der Havel zurück und hat sie vor 20 Jahren verkauft. Die Erinnerung an Wally Lesser, an ihr Leid, an die Verbrechen, durch Mitbürger und Behörden verübt, bekommt in ein paar Monaten in den Domlinden einen festen Platz – und dann für alle Zeiten.

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Von Heiko Hesse

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