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Brandenburg an der Havel

Im alten Torturm lebt die Schifffahrt weiter

Das Modell eines Kaffenkahns gehört zu den besonderen Exponaten in der Ausstellung über die Schifffahrt auf der Havel.

Das Modell eines Kaffenkahns gehört zu den besonderen Exponaten in der Ausstellung über die Schifffahrt auf der Havel.

Brandenburg/H. Der Steintorturm am Eingang zur Steinstraße ist eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt Brandenburg. Doch nicht nur das Äußere ist geschichtlich äußerst interessant. Die Ausstellung im Inneren lädt Besucher ein, die Historie der Stadt zu erkunden.

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Seit 2001 bietet hier die Dauerausstellung „Entlang der Havel – Schiffe, Schiffer, Traditionen“ verblüffende Einblicke in die Geschichte der Schifffahrt und des Schiffsbaus in der Stadt. „Die Ausstellung macht vor allem wegen der Nähe des Steintorturms zum Stadtkanal Sinn“, sagt Museumspädagogin Heike Köhler (59). „Der Kanal war ein Knotenpunkt der Schifffahrt bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.“

Betritt man das Museum, befindet man sich im ehemaligen Kerker. Der ursprüngliche Zugang war jedoch über die beidseitig anschließenden Teile der Stadtmauer zu erreichen. Die Reste der erhalten gebliebenen Stadtbefestigungsanlagen gehören zu den bedeutenden Zeugnissen mittelalterliche Bauwerke in Brandenburg. Die im 14. und 15. Jahrhundert entstandenen steinernen Mauern umgaben die Alte und die Neue Stadt zur Abwehr feindlicher Angriffe und als Zollgrenze.

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In die Städte ging es nur die Stadttore hinein. Zum Schutz der Anlagen entstanden die Tortürme. Der 28,5 Meter hohe Steintorturm mit seinem kegelförmigen Helm und dem aufgesetzten Zinnenkranz ist der größte von noch insgesamt vier intakten Tortürmen aus den beiden Städten und der einzige, der offen für Besucher ist. Eine Ausnahme bildet der Türmetag, an dem alle Tortürme der Stadt zu besichtigen sind.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Das Museum im Steintorturm ist saisonal vom 3. April bis zum 28. Oktober geöffnet.

Eintritt: Erwachsene: 3 Euro, Kinder und Schüler: frei; Erwachsenengruppen: ab 10 Personen 2 Euro; Familienkarte: 5 Euro.

Gruppen und Schulklassen können Termine vereinbaren unter 03381/584501.

Für Kindergruppen gibt es eine „Piratenschatzsuche“. Hier werden Zettel mit Fragen im Turm verteilt, die eine Schatzkarte ergeben und Sucher mit einem Schatz belohnt.

Die erste Etage beherbergt Gemälde, die auf die Nähe der Stadt zum Wasser hinweisen, allesamt von Brandenburger Künstlern wie Arthur Heide oder Siegfried Neumann gemalt. Hier befindet sich auch das älteste Modell der Ausstellung: ein Kaffenkahn, erbaut um 1800. Diese Modelle wurden ursprünglich unter anderem in der Schifffahrtsschule Lehnin zu Unterrichtszwecken genutzt.

Über die engen in die Mauern eingelassenen Treppen des viergeschossigen Turmes gelangt man dann in die 2. Etage. Diese widmet sich dem Schiffsbau in Brandenburg. Aus einem Schlossereiunternehmen entstand beispielsweise 1877 auf dem Gelände des Packhofs die Werft der Gebrüder Wiemann, die in ihrer Blütezeit zu Beginn des Ersten Weltkriegs etwa 500 Mitarbeiter beschäftigte und damit schon zu den größeren deutschen Schiffsbauunternehmen zählte.

Volkswerft baute Schiffe für viele Länder

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging das Unternehmen im VEB Volkswerft „Ernst Thälmann“ auf. Der Schiffsbau wurde 1962 auf Ministeriumsbeschluss eingestellt. Die Schiffe, die unter anderem in der Sowjetunion, Island, Dänemark und Schweden zum Einsatz kamen, wurden hier komplett ausgestattet.

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So zeigt die Ausstellung Teile eines Essservices, welches an Bord genutzt wurde. „Diese Stücke waren ein Geschenk einer Frau, dessen Mann in der Werft gearbeitet hat“, erinnert sich Köhler. Doch auch Schifferknoten, Fender, Schiffblöcke und Handwerkzeuge aus dem Schiffsbau sind zu sehen, sowie das Schreib- und Registriergerät des Pegelhäuschens am Mühlendamm. Das Gerät aus den 60er Jahren notierte automatisch die unterschiedlichen Wasserpegelstände.

Alltagsleben an Bord der Schiffe

Die dritte Etage des Steintorturmes zeigt das Alltagsleben an Bord der Schiffe und behandelt die wichtige Aufgabe der Schifferinnungen des Landes. „Deren Hauptanliegen waren das Verteilen von Aufgaben und Arbeiten“, sagt Köhler. „Diese Innungen dienten aber auch als Sterbekasse, die Einnahmen an die Familien gestorbener Schiffer verteilte“. Besonders imposant ist hier eine Schifferbekleidung von 1928, die nur erahnen lässt, wie kalt es an Bord der Schiffe werden konnte.

Über die vierte Etage kommt der Besucher auf die Plattform, die mit einem herrlichen Ausblick den Museumsbesuch beendet.

Von Tobias Wagner

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