Brandenburg an der Havel

Kinder bekommen Essen aus der Abfalltonne: Küchenfrau fristlos gekündigt

Zu ihrem Namen kam die Speckitonne zu DDR-Zeiten, weil auf ihr ein Schwein abgebildet war.

Zu ihrem Namen kam die Speckitonne zu DDR-Zeiten, weil auf ihr ein Schwein abgebildet war.

Brandenburg/H. Ein sehr unappetitlicher Fehler könnte einer Brandenburgerin den Job in der Essensausgabe einer Schule in Brandenburg/Havel kosten. Die Frau hat Schülern angeblich Fleisch aus der Speckitonne gegeben, also dem Behälter, in dem schon zu DDR-Zeiten Essensreste gesammelt wurden. Sie bestreitet das.

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Vor dem Amtsgericht Brandenburg/Havel klagt eine etwa 50 Jahre alte Frau gegen ihre fristlose Kündigung. Es geht um ihren Job in der Essensaugabe der Wilhelm-Busch-Schule auf dem Görden, den sie seit mehr als 15 Jahren hat. Sie ist seit mehr als zehn Jahren bei der Firma Top Catering beschäftigt, die mit der Essensversorgung in Grund-, Sonder- und weiterführenden Schulen in Brandenburg/Havel betraut ist.

Der Arbeitgeber hat seiner Mitarbeiterin wegen eines Vorfalls in der Woche vor den Winterferien fristlos entlassen. Seiner Darstellung zufolge sind an einem nicht genau bezeichneten Tag am Ende der zweiten Pause noch Kinder zur Schulspeisung gekommen.

Die Essensausgabe ist an diesem Mittag eigentlich schon abgeschlossen. Doch die Kinder haben noch Hunger. Da soll die Mitarbeiterin die Speckitonne geöffnet und ihnen ein Stück Fleisch aus den Essensresten gefischt und überreicht haben.

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Von den Kindern der Grundschule hat sich offenbar niemand beschwert. Doch eine Kollegin, so heißt es, habe den Vorgang angewidert und schockiert beobachtet. Sie habe zunächst gar nicht gewusst, wie sie reagieren soll. Doch schließlich informiert sie eine Vorgesetzte.

Die Information gelangt über mehrere Stationen bis zu Top-Catering-Geschäftsführer Marcus Brings. Am 22. Februar erhält die betreffende Mitarbeiterin aus der Essensausgabe ihre Kündigung.

Die nicht mehr ganz junge Frau sagt in der Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht nicht viel. Nur dass die Behauptung nicht stimme und sie das Fleisch aus dem Wärmebehälter und eben nicht aus der sogenannten Speckitonne mit den Essensresten genommen habe.

Ihr Rechtsanwalt Georg Wenzel hält die Kündigung, die ohne Anhörung erfolgt sei, für nicht gerechtfertigt. Sollte der Vorwurf stimmen, hätte der Arbeitgeber zunächst eine Abmahnung aussprechen müssen. Rechtlich zu würdigen sei zudem der Umstand, dass die fristlose Kündigung erst Wochen nach dem vermeintlichen Vorfall ausgesprochen worden sei.

Der Top-Catering-Geschäftsführer möchte sich wegen des noch laufenden Verfahrens nicht zu dem Geschehen und den Folgen äußern.

Der Firmenrechtsanwalt hat im Gütetermin vor Gericht noch auf ein anderes mutmaßliches Fehlverhalten der Mitarbeiterin hingewiesen. Im vergangenen Jahr seien Mitarbeiter der Stadtverwaltung zu einer Hygienekontrolle in die Busch-Schule gekommen.

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In Anwesenheit des Geschäftsführers hätten sie seinerzeit den Küchenschrank geöffnet und seien darin auf die Haarbürste der fraglichen Mitarbeiterin gestoßen. Prompt habe die Hygiene eine Strafe abkassiert.

Das Verfahren vor dem Arbeitsgericht geht weiter. Denn auf den Vergleichsvorschlag, dass die fristlose in einer ordentliche Kündigung umgewandelt wird und die Klägerin ende März ausscheidet, haben sich beide Seite nicht geeinigt. Am 22. Mai soll die 2. Kammer zusammentreten und entscheiden. Womöglich wird dann die Kollegin als zeugin gehört, die den Stein ins Rollen gebracht hat.

Von Jürgen Lauterbach

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