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Brandenburg an der Havel

Mann wehrt sich gegen Abschiebung: SEK-Einsatz in Hohenstücken

Am Freitagmorgen musste ein SEK-Team am Tschirchdamm in Brandenburg an der Havel anrücken.

Am Freitagmorgen musste ein SEK-Team am Tschirchdamm in Brandenburg an der Havel anrücken.

Brandenburg an der Havel. Es waren Szenen wie aus einem Film –am Freitagmorgen rückten Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK), der Spezialeinheit der Polizei, im Brandenburger Stadtteil Hohenstücken aus.

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Ausgerüstet unter anderem mit Sturmgewehren, Maschinenpistolen, Schilden und Utensilien zum gewaltsamen Aufbrechen von Türen stürmten die maskierten Beamten den Wohnblock am Tschirchdamm 7. Die bedrohliche Szenerie war jedoch durchaus real: ein Familienvater hatte sich in einer Wohnung im fünften Stock mit seiner Frau und den zwei gemeinsamen Kindern verschanzt. Die Beamten mussten mit dem schlimmsten rechnen, denn der Mann war mit einem Messer bewaffnet.

Hintergrund der Tat war die drohende Abschiebung der Familie. Im Rahmen einer Chartermaßnahme mehrerer Bundesländer sollten die vier ausreisepflichtigen Personen aus der Havelstadt in die Russische Förderation zurück geführt werden.

Laut Angaben der Pressestelle der Stadt Brandenburg lehnte die Ausländerbehörde die Asylanträge der Familie ab, das gerichtliche Verfahren sei bereits abgeschlossen. „Die Ausreisepflicht der Familie besteht seit zwei Jahren“, heißt es in einer Mitteilung. Bei dem Einsatz der Ausländerbehörde forderten die zur Amtshilfe eingesetzten Polizeibeamte aufgrund der vorliegenden Gefahrensituation die Spezialkräfte an.

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Laut Aussagen von Nachbarn sei die Familie, die seit zwei Jahren in der Wohnung lebte, stets unauffällig gewesen. Das Paar hätte sich mit seinen Kindern mittlerweile gut integriert. Erst die bevorstehende Abschiebung führte zu der Verzweiflungstat des Tschetchenen. Dieser drohte, sich mit einem Messer selbst zu töten. Zu Drohungen gegenüber den Familienmitgliedern oder den Polizeibeamten kam es nicht.

Nach etwa eineinhalb Stunden konnte der Einsatz, der um 9.04 Uhr begann, glücklicherweise ohne jeglichen Schaden sowohl für die Beamten, als auch für die Familie beendet werden.

Einem Dolmetscher, der die Polizei bei der Kommunikation mit dem Mann unterstützte, gelang es schlussendlich, den Mann zum Aufgeben zu bewegen. Anschließend wurden die geplanten Maßnahmen durch die Ausländerbehörde wie geplant fortgeführt.

„Ich bin froh, dass alles friedlich zu Ende gegangen ist“, sagt Matthias Tänzer, Leiter der Polizeiinspektion Brandenburg. Tänzer bedankte sich nach der Festnahme ausdrücklich bei allen Beteiligten für ihr bedachtes Agieren. Besonderes Lob erhielt der eingesetzte Dolmetscher, der den Mann in dieser aussichtslosen Situation dazu bewegen konnte, das Messer nieder zu legen und sich der Polizei zu stellen.

Erst vor zwei Tagen entwickelte sich in Thüringen eine Beinahe-Abschiebung zum Politikum, als ein von der Elfenbeinküste stammender Asylbewerber aus einem Saalfelder Krankenhaus abgeführt werden sollte.

Hebammen verhinderten hier die Abschiebung des Mannes, der an der Seite seiner Frau auf die Geburt des gemeinsamen Kindes wartete.

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Von Tobias Wagner

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