Brandenburg an der Havel

MAZ-Sterntaler: Familie Kress aus Brandenburg will ins Leben zurückkehren

Jan Niklas Kress (17) und seine Mutter Martina Kress (61) aus Kirchmöser gehören zu den Sterntaler-Familien 2022.

Jan Niklas Kress (17) und seine Mutter Martina Kress (61) aus Kirchmöser gehören zu den Sterntaler-Familien 2022.

Kirchmöser. Hunde können Leben retten, Bernhardiner in den Bergen zum Beispiel. In Kirchmöser haben der Pekinese „Snoopy“ und die Chihuahua-Rehpinscherin „Daisy“ diesen Job erledigt. Die beiden Hunde und ein Missverständnis bewirken gerade viel Gutes.

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Der strenge Geruch aus der Wohnung der Familie Kress stieg Nachbarn in die Nase. Sie fürchteten um das Wohl der beiden Hunde der Familie Kress – und riefen beim städtischen Veterinäramt an. Die Behörde schritt ein, schaute sich die Hunde und deren Lebensumfeld an und kam zu einem überraschenden Schluss: Snoppy und Daisy geht es, der Familie Kress hingegen ganz und gar nicht.

So kommt ihre Sterntaler-Spende an

Die MAZ sammelt mit der großzügigen Unterstützung von Leserinnen und Lesern Sterntaler-Spendengeld, um damit Wünsche zu erfüllen, manchmal auch um ein bisschen Licht ins plötzliche Dunkel zu bringen.

Spenden für die MAZ-Sterntaler können Sie auf das Konto des DRK-Kreisverbandes Brandenburg überweisen: DE77 1606 2073 0100 0707 00.

Bitte geben Sie als Spendenzweck „MAZ-Sterntaler“ an und nennen Sie Namen und Adresse, sodass das DRK Ihnen eine Spendenquittung ausstellen kann.

Bis zu einem Betrag von 300 Euro benötigen Sie keine Spendenquittung. Dem Finanzamt reicht dafür in der Steuererklärung Ihr entsprechender Kontoauszug.

Das Jugendamt Brandenburg an der Havel kommt ins Spiel

„Also informierte das Veterinäramt uns“, berichtet Sandra Palm vom Jugendamt. Tatsächlich: Palm fand in Kirchmöser eine verwahrloste Wohnung ein. Eine erste Entrümpelung ist vor wenigen Tagen gelaufen. Sterntaler-Spenden sollen einen Beitrag leisten, dass Martina Kress (61) und ihr Sohn Jan Niklas (17) wieder zurück auf diese geraden Gleise des Lebens kommen.

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Mit der Sterntaler-Aktion, die die MAZ Brandenburg seit über 20 Jahren immer zur Weihnachtszeit organisiert, bittet die Lokalredaktion die Leserinnen und Leser um Spenden. Mit dem Geld werden Geschenke gekauft und nicht so begüterten Menschen unter den Weihnachtsbaum gelegt, zum Beispiel in Kirchmöser-Ost.

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Eigentlich, so dachte Martina Kress, habe sie alles im Griff. Die gelernte Zerspannungstechnikerin fühlte sich immer groß und kräftig genug, für sich und ihre Kinder zu sorgen. Auch nach ihrer Zeit beim Werk für Gleisbaumechanik in Kirchmöser "habe ich immer viel gearbeitet".

Vater aus Brandenburg an der Havel zahlt keine Alimente

Zwei Jungs brachte sie zur Welt, sie wohnen schon lange woanders. Ihre Familienplanung war längst abgeschlossen, als bei einer Liebelei ungeplant ein dritter Sohn gezeugt worden ist. „Der Mann wollte Jan Niklas nicht anerkennen“, sagt sie. Erst ein Vaterschaftstest habe den Beweis gebracht. Kümmert er sich? Sie winkt ab. Zahlt er wenigstens Alimente? Sie schüttelt den Kopf. Warum verklagt sie ihn nicht? „Ach, ich weiß auch nicht, ich dachte, ich schaffe das schon.“

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Sandra Palm kennt solche Situationen. „Sie haben den Konflikt gescheut?“ Martina Kress nickt. Nun steigt das Amt ein, nun will man viele Register ziehen, um Mutter und Sohn zu helfen.

Hündin Daisy hat unwissentlich dazu beigetragen, dass die Behörden auf das Chaos der Familie Kress aufmerksam geworden sind.

Hündin Daisy hat unwissentlich dazu beigetragen, dass die Behörden auf das Chaos der Familie Kress aufmerksam geworden sind.

Der 17-jährige Jan Niklas steht gerade auf der nächste Schwelle seines Werdegangs. Im Sommer endete seine Schulzeit an der Berufsorientierten Oberschule in Kirchmöser. Welchen Beruf er erlernen will, weiß er noch nicht. Auch hier fehlte seiner Mutter die Kraft, ihren Sohn zu unterstützen, ihm zu zeigen, welche Info-Angebote es gibt.

Weil der Jugendliche seit eineinhalb Jahren den Haushalt mehr oder weniger stemmt, blieb ihm selbst wenig Luft, über die Zukunft nachzudenken. Heute zählt, was auf den Tisch kommt und dass er die Wäsche in die geborgte Waschmaschine auf den Dachboden bekommt.

Brandenburgerin leidet unter Diabetes

Für Martina Kress begann alles mit ihrer Operation. Sie hat Diabetes, und zwar ziemlich schwer. So schwer, dass ihr im vorigen Jahr ein Vorderfuß abgenommen werden. „Das war am 18. Januar 2021“, schießt es aus Jan-Niklas heraus. Ein Datum, das er nicht vergisst.

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Auch wenn der Fuß gut verheilt sei: „Ich kann kaum laufen und habe keine Kondition mehr“, sagt Martina Kress. Früher war sie auch immer gern im Garten, der zu dem Mehrfamilienhaus in der schön sanierten Eisenbahnersiedlung in Kirchmöser-Ost gehört. Nun nicht mehr, nur zum Einkaufen habe sie noch ihren Sohn begleitet. Mit den Hunden muss Jan-Niklas Gassi gehen.

Zu den Beschwerden habe sich noch eine Depression gesellt. Hat das jemals ein Arzt begutachtet? Wieder schüttelt sie den Kopf? Das Krankengeld hat die kleine Familie durch den Alltag getragen. Seit es im Juni ausgelaufen ist, leben die beiden vom Kindergeld für Jan-Niklas.

Sie habe sich geschämt, jemanden um Hilfe zu bitten. „Irgendwie wird es schon gehen, denn es ist ja immer gegangen“, sagt sie. Wohin es führt, wenn es eigentlich

nicht mehr geht, sieht man der Wohnung immer noch an. Trotz einer erster Hauruck-Aktion und einem vollen Müllcontainer, herrscht in der kleinen Wohnung immer noch Chaos.

Neues Bett für Jan

Jan wünscht sich ein neues Bett.

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Damit Jan-Niklas wenigstens gut schlafen und ausgeruht zur Lehrstelle gehen kann, braucht er ein neues Bett. Das Bett, „es ist noch von einem meiner großen Brüder“, ist kaputt, der Lattenrost gebrochen. Ein Sitzsack verleiht der Schlafstelle ein wenig Stabilität.

Bei der Berufswahl will ihm jetzt die Berufsberatung helfen. Während seiner Schulzeit konnte er bereits in einige Betriebe hineinschnuppern. Gut gefallen habe ihm die Arbeit mit Kindern in der Kita. Auch das Werkeln mit Holz liege ihm sehr. Wenn er in eine Ausbildung einsteigt, kann er einen Laptop gebrauchen, der auch auf seiner Sterntaler-Wunschliste steht. Sein alter Rechner ist hoffnungslos kaputt.

Jugendamt Brandenburg an der Havel unterstützt

Weil er so vieles regeln musste, kann Jan-Niklas heute Wäsche waschen, kochen und vieles mehr, was in den allermeisten Familien Sache der Eltern ist. Das Desaster um ihn herum drückte allerdings seinen Elan: „Hier zu Hause hat mir oft die Motivation gefehlt.“ Das kann Sandra Palm nur zu gut verstehen.

Mit Hilfe des Jugendamtes und andere Institutionen will die kleine Familie in eine angenehme Normalität zurückkehren. Der Antrag auf Rente läuft, sagt Martina Kress. „Hier ist ein Neuanfang nötig“, ist Sandra Palm überzeugt. Zeitlich fällt das beinahe mit dem Advent zusammen – eine berührende Weihnachtsgeschichte, die mit den Spenden der MAZ-Sterntaler schöner wird.

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