Brandenburg an der Havel

Mut am 17. Juni kostet zehn Jahre Zuchthaus

Gedenken an den Volksaufstand 1953. Lisa Quaeschning erläutert die Lage im Gefängnis Görden vor 65 Jahren.

Gedenken an den Volksaufstand 1953. Lisa Quaeschning erläutert die Lage im Gefängnis Görden vor 65 Jahren.

Brandenburg/H. Mehr als sieben Jahre hat Karl Heinz Pahling (1927-1999) in der Strafanstalt auf dem Görden verbracht. Als Streikführer des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 erhielt der Gleisbauarbeiter die höchste Strafe, die ein Gericht damals verhängt hat: zehn Jahre Zuchthaus – weil er einen Bürgerkrieg habe auslösen wollten.

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65 Jahre nach dem Volksaufstand erinnert die Generalstaatsanwaltschaft Brandenburg in der Steinstraße an diesem Sonntag an den 17. Juni 1953, dort wo seinerzeit Demonstranten das Kreisgerichtsgebäude gestürmt und 42 politische Gefangene aus der Untersuchungshaft befreit haben.

Eugen Larres, Leitender Oberstaatsanwalt der Generalstaatsanwaltschaft, sieht den Aufstand in den „besten deutschen Freiheitstraditionen“. Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU) bescheinigt den aufständischen, Geschichte geschrieben zu haben. Scheller bedauert, dass der einstige Feiertag bereits im Westen zu einem Ritual verkümmert gewesen sei und inzwischen in ost und West die Bedeutung verblasse, weil der 17. Juni von der Wiedervereinigung überragt werde.

Die schlimmsten Schläger wurden plötzlich zahmer

Lisa Quaeschning (31), pädagogische Mitarbeiterin der Gedenkstättenstiftung in Brandenburg/Havel, berichtet darüber, was in der Strafanstalt Görden am 17. Juni 1953 geschah.

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Das Personal war gewarnt und wurde stärker bewaffnet. Sowjetische Truppen und die kasernierte Volkspolizei bewachten das Gefängnis, in dem jeweils etwa 780 NS-Verbrecher und DDR-Regimegegner einsaßen.

Die Arbeitsbetriebe wurden stillgelegt, die Häftlinge bis zum 19. Juni in ihre Zellen gesperrt. Die schlimmsten Schläger unter den Wachtmeistern hielten sich zurück, verzichteten auf sonst übliche Misshandlungen. Nach dem Aufstand soll die Behandlung der Gefangenen zum Teil humaner geworden sein, berichtet Lisa Quaeschning.

Bis zu 80 Menschen landeten im Zuchthaus

Bis zu 80 Menschen sollen wegen der Beteiligung am Aufstand auf dem Görden eingesessen haben. Darunter Karl-Heinz Pahling, der vor 65 Jahren vom Ziegeleigelände in Niemegk aus nach Belzig zog und vor dem Rat des Kreises die Forderungen der Aufständischen vortrug.

Von Jürgen Lauterbach

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