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Rettungswesen

Personalnot in der Brandenburger Leitstelle

In der Leitstelle von Feuerwehr und Rettungsdienst  fehlt es an Personal.

In der Leitstelle von Feuerwehr und Rettungsdienst fehlt es an Personal.

Brandenburg/H. Eine neue interne Untersuchung hat weitreichende Konsequenzen: Nicht nur, dass gerade bei der Berufsfeuerwehr mühselig 21 neue Stellen schrittweise besetzt werden, damit gesetzliche Vorgaben und eigene Schutzziele bezüglich Arbeitszeiten und Ausrücke-Stärke eingehalten werden können.

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„Fehlzeiten“ von mehr als 40 Prozent

In der Regionalleitstelle, von der aus sämtliche Einsätze von Feuerwehr und Rettungsdienst geführt werden, sind ebenfalls 25,6 Stellen unbesetzt, teilt der zuständige Beigeordnete Michael Brandt (CDU) dem Ausschuss für Recht und Ordnung mit. Nach MAZ-Informationen haben Experten minutengenau erfasst, welche Teile ihrer Dienstzeit mit ihrer Arbeit an den Notfalltelefonen ausgefüllt sind und zu welchen Zeiten sie wegen Weiterbildung, Spezialisierung, Vor- und Nachbereiten, Urlaub oder Krankheit nicht am Platz sind. Gemunkelt wird von erschreckenden Ergebnissen – nämlich „Fehlzeiten“ zwischen 43 und 45 Prozent der eigentlichen Dienstzeit. Zur Klarheit: Es geht nicht ums „Blaumachen“ oder Nicht-arbeiten-wollen, die Nebentätigkeiten müssen so sein. Um an 365 Tagen im Jahr jeweils 24 Stunden lang genügend Personal zu haben, braucht man 26 neue Stellen. Brandt betont aber, dies sei ein vorläufiges Ergebnis, größere Schwankungen sind aber nicht zu erwarten.

Kirchmöser oder Fontanestraße – das ist die Frage

"Da stellt sich die Frage nach der räumlichen Abdeckung, in der Fontanestraße wird der Platz knapp, wenn dort annähernd 50 neue Mitarbeiter untergebracht werden sollen. Seit längerem gibt es in der Verwaltung die Idee, einen zweiten Standort der Berufsfeuerwehr einzurichten und die Truppe aufzuteilen. Erwogen wird ein Standort am Gewerbe- und Industriegebiet Süd in Kirchmöser. Der SPD-Stadtverordnete Carsten Eichmüller wirbt vehement für diese Lösung: "Ich möchte für den Ortsteil ein Multifunktionsgebäude mit Berufsfeuerwehr, Freiwilliger Wehr, Rettungswagen, Ortsteilbürgermeister-Büro, Revierpolizisten-Wache sowie einen Automatenraum der Sparda-Bank, die kürzlich den Ortsteil verlassen hat."

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Brandt favorisiert diese Lösung ebenso, schließlich hatte er jüngst öffentlich dafür geworben. Doch laut wiederholen will er es im Ausschuss nicht, er sagt ausweichend: „Je nachdem haben wir womöglich auch einen weiteren Investitionsbedarf in der Fontanestraße.“

Chefsache für Scheller

Der Grund für den Schlingerkurs liegt darin, dass Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU) die Gespräche mit der Freiwilligen Feuerwehr in Kirchmöser führt. Das Thema ist heikel, die Ehrenamtler wollen künftig nicht nur die leere Wache besetzen, wenn die Profi-Kollegen im Einsatz sind. In einem ersten Gespräch sollen die Feuerwehrleute aus Kirchmöser einen Neubau rundweg abgelehnt haben, das hat Scheller gegenüber der MAZ auch zugegeben.

Die kleine Wache im Ortsteil ist marode (das betrifft sonst nur noch Wust), ein Sanieren wäre fast so teuer wie ein Neubau – Zahlen zwischen 800.000 und 850.000 Euro schwirrten einst durch den Raum. Da kann man auch gleich richtig und groß bauen – und damit mehrere Probleme in Kirchmöser gleichzeitig lösen. Brandt sagt nur, es seien in jüngster Zeit vier Varianten untersucht worden, der große Neubau sei nur eine davon. „Aber das ist eine Leitungsentscheidung, die erst noch getroffen werden muss.“ Sollte dies nicht bis zum Verabschieden des Doppelhaushaltes 2019/20 passieren, so habe die Verwaltung vorsorglich Fördermittel fürs Sanieren aus dem Kommunal-Investitionsprogramm beantragt.

Von André Wirsing

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