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Brandenburg an der Havel

Vitali Klitschko boxt Hilfstransport aus Brandenburg an der Havel an der Grenze in die Ukraine durch

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko (links) boxte den Hilfstransport durch. Marcus Wolter kann ihn bei Problemen direkt kontaktieren, die Handynummer hat er.

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko (links) boxte den Hilfstransport durch. Marcus Wolter kann ihn bei Problemen direkt kontaktieren, die Handynummer hat er.

Brandenburg/H.Es ist Krieg, der eigene Hilfstransporter steckt an der polnisch-ukrainischen Grenze fest und plötzlich ruft Vitali Klitschko an, der Bürgermeister von Ukraines Hauptstadt Kiew.

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Genau diese Situation erleben Marcus Wolter und seine Mitstreiter aus Brandenburg an der Havel erlebt, als sie vor rund einer Woche eine Lkw-Ladung temperaturempfindlicher Medikamente in das vom Krieg gebeutelte Land bringen wollen.

Spendenkonto für den dritten Hilfstransport

Krankenhäuser der Stadt Charkiw und Kiew benötigen dringend Medikamente für die Erstversorgung von Patienten. Der dritte Hilfstransport, den das Städtische Klinikum koordiniert, soll in der kommenden Woche von Brandenburg an der Havel aus starten.

Bisher sind gut 340.000 Euro an Spenden eingegangen, einige sogar aus dem Ausland, etwa USA, Japan, Italien und Großbritannien. 280.000 Euro davon wurden schon für die ersten beiden Hilfslieferungen benötigt.

Das Spendenkonto: Empfänger: Städtisches Klinikum Brandenburg GmbH, IBAN: DE47 3606 0295 1006 0370 18, Bank: Bank im Bistum Essen, Verwendungszweck: Schnelle medizinische Hilfe für die Ukraine. Oder per Paypal an: spenden@klinikum-brandenburg.de – Paypal Spendenseite: https://www.paypal.com/donate/?hosted_button_id=UDJSREYQLXYHL.

Marcus Wolter ist der Sohn von Klinikum-Geschäftsführerin Gabriele Wolter, unterstützt mit seinen Netzwerken seit Kriegsbeginn die Hilfstransporte, die aus Brandenburg an der Havel dort landen sollen, wo sie so dringend benötigt werden.

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Am Monat der vergangenen Woche ist der 40-Tonnen-Lkw von der Havelstadt gestartet in Richtung Lwiw und Charkiw. Marcus Wolter hat versucht, alle Grenzformalitäten mit den ukrainischen und polnischen Behörden vorab zu organisieren, mit ihm befreundeten Rathaus-Mitarbeiter aus Odessa haben dabei geholfen.

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Doch keineswegs werden die Brandenburger an der Grenze einfach durchgewunken. Erst ist der Übergang nach Polen schwierig, ein Bundespolizist von Frontex hilft.

Eine Grenze weiter stecken die Brandenburger in der wartenden Lkw-Kolonne fest, acht Stunden Wartezeit vor dem ukrainischen Zoll drohen, dessen Beamte alles auseinandernehmen. Keine gute Idee, denn die Medikamente im Lkw reagieren sensibel auf Temperaturveränderungen und überdies sollten sie besser gleich als später in den Krankenhäusern und bei den Ärzten in Charkiw ankommen.

Sergii Strashnyi und Vasyl Iyeremiya aus Odessa sind die Kontaktleute des Brandenburger Klinikums für die Hilfslieferungen in die Ukraine. Marcus Wolter koordiniert große Teile dieser Hilfe (von links).

Sergii Strashnyi und Vasyl Iyeremiya aus Odessa sind die Kontaktleute des Brandenburger Klinikums für die Hilfslieferungen in die Ukraine. Marcus Wolter koordiniert große Teile dieser Hilfe (von links).

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Marcus Wolter ruft also Sergii Strashnyi (43) in Odessa an. Der telefoniert daraufhin mit seinem Bürgermeister, der wiederum mit dem Bürgermeister von Charkiw und der dann mit Vitali Klitschko in Kiew. Klitschko persönlich meldet sich plötzlich mit seinem Namen Vitali auf dem Handy von Marcus Wolter.

Vitali Klitschko und Brandenburg an der Havel

Der Brandenburger weiß zunächst nicht, wer da spricht. Er kennt einen anderen Ukrainer namens Vitali und wundert sich: Woher kann der auf einmal deutsch? Nicht nur das Namensmissverständnis löst sich auf, sondern auch das Problem an der Grenze. Vitali Klitschko boxt den Hilfstransport kurzerhand durch und gewinnt wertvolle vier Stunden für die Brandenburger.

Sergii Strashnyi ist an diesem Dienstag mit seinem Stadtratkollegen Vasyl Iyeremiya (45) Gast im städtischen Klinikum in der Hochstraße. Er wirbt für weitere Spenden, keineswegs nur für Odessa. Kiew soll diesmal an der Reihe sein. „Wir unterscheiden da nicht, wird sind ein Land und überall wird Hilfe benötigt“, versichert Strashnyi.

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Der Transport nach Charkiw ist seit dem vergangenen Mittwoch abgeschlossen. In Lwiw haben die Brandenburger ihre Ladung auf kleinere Lkws verteilt. Denn falls doch mal einer von russischen Bomben getroffen würde, wäre nicht alles gleich verloren.

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Die Hilfslieferung aus dem städtischen Klinikum Brandenburg an der Havel ist am Ende gut angekommen in der ukrainischen Stadt Charkiw.

Die Hilfslieferung aus dem städtischen Klinikum Brandenburg an der Havel ist am Ende gut angekommen in der ukrainischen Stadt Charkiw.

Markus Wolter und die Fahrer von Zureck Logistik sind nach anstrengenden Stunden Mittwochnacht zurückgekehrt. Sie haben Fotos erhalten, die zeigen, dass alle Medikamente gut angekommen sind am Bestimmungsort Krankenhausapotheke Charkiw, etwa 1000 Kilometer von Lwiw entfernt. Dort werden sie weiter verteilt an Ärzte und Kliniken.

Spendengeld aus Brandenburg an der Havel wird trotz allem knapp

Gabriele und Marcus Wolter, Klinikum-Einkäufer Karsten Juchert sowie Dietlind Tiemann und Christoph Zureck stecken schon in den Vorbereitungen für den dritten Transport. Das Problem: Das Spendengeld wird langsam knapp, obwohl 341.000 Euro innerhalb von nur rund drei Wochen auf dem Spendenkonto des Klinikums eingegangen sind.

Geschafft, die Ukraine ist erreicht. Der Klinikapotheker und die Ärzte in Charkiw sind dankbar für die Medikamente.

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Doch 280.000 Euro sind schon investiert in die ersten beiden Hilfslieferungen nach Odessa und Charkiw. „Wir brauchen noch etwas“, gesteht Gabriele Wolter und denkt an einen Gesamtumfang von 150.000 Euro für Lieferung 3.

Eine große Hilfe ist der Beitrag des Klinikums Beelitz, das eine Palette mit Medikamenten gepackt und beschriftet hat. Hinzu kommen weitere Arzneimittel und medizinische Hilfsmittel sowie ebenfalls dringend benötigte Babywindeln und Lebensmittel, soweit der Platz im 40-Tonner dann noch reicht.

Dankbar für die Hilfe aus Brandenburg an der Havel

Sergii Strashnyi bedankt sich mehrmals für die große Hilfe aus Brandenburg. Sein Kollege Vasyl Iyeremiya sagt: „Eine große Hilfe ist uns Ukrainern auch, das Gefühl, nicht allein gelassen zu werden.“

Marcus Wolter will die Grenzformalitäten beim nächsten Transport über die Grenze noch akribischer planen. Aber zur Not weiß er, wohin er sich wenden kann. Die Nummer von Bürgermeister Klitschko ist eingespeichert. Er darf ihn bei Bedarf anrufen.

Von Jürgen Lauterbach

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