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Verbrechen

Dahme-Spreewald: Campen, trotz Missbrauchsfällen? Das sagt die Polizei dazu

Auf dem Campingplatz am Lankensee soll ein Camper Kinder missbraucht haben. Im Gespräch mit der MAZ schätzt die Polizei die Gefahr auf Brandenburger Campingplätzen ein.

Auf dem Campingplatz am Lankensee soll ein Camper Kinder missbraucht haben. Im Gespräch mit der MAZ schätzt die Polizei die Gefahr auf Brandenburger Campingplätzen ein.

Königs Wusterhausen. Auf einem Campingplatz in Königs Wusterhausen soll ein Camper in den letzten Jahren Kinder missbraucht haben. Wegen 159 Missbrauchsfällen, sieben davon auf dem Platz, steht der 45-Jährige derzeit vor dem Berliner Landgericht. Die mutmaßlichen Taten sind nicht die einzigen, die sich in den letzten Jahren auf Campingplätzen zugetragen haben. 2019 ging ein Fall in Nordrhein-Westfalen durch die Medien. Über Jahre hinweg hatten zwei Camper Kinder in hunderten von Fällen vergewaltigt.

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Missbrauch auf Campingplatz in Lankensee ein Einzelfall?

Sind Campingplätze als Tatorte von Kindermissbrauch in irgendeiner Weise prädestiniert? Die Brandenburger Polizei sieht dafür keine Anhaltspunkte. In den beiden vergangenen Jahren wurden laut polizeilicher Kriminalstatistik insgesamt 991 Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in Brandenburg bekannt. Nur vier von ihnen haben sich demnach auf Campingplätzen zugetragen. Die Zahlen deuten also nicht auf eine besondere Gefahr hin, die von Campingplätzen ausgeht.

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Mario Heinemann von der Polizei Brandenburg warnt jedoch: "Sexueller Missbrauch findet überall in der Gesellschaft statt." Täter nutzten dazu in der Regel das Vertrauen der Kinder aus und planten ihre Übergriffe langfristig. Etwa zwei Drittel der Opfer kennen den Täter aus ihrer näheren Umgebung. Derartige Vertrauensverhältnisse könnten auch auf Campingplätzen beispielsweise mit Dauercampern oder netten Gartennachbarn entstehen und ausgenutzt werden. "Campingplätze sind somit ebenso als Tatgelegenheit zu werten wie andere Orte, an denen Kinder längerfristigen Kontakt zu Erwachsenen haben", so Mario Heinemann.

Prävention von Kindesmissbrauch

Um Missbrauchsfällen auf Campingplätzen vorzubeugen schlägt Mario Heinemann Campingplatzbetreibenden vor, auf das Phänomen aufmerksam zu machen, um Camperinnen und Camper zu sensibilisieren. "Kinder können den sexuellen Missbrauch nicht selbst beenden. Das können nur Eltern oder andere Erwachsene aus dem Umfeld des Kindes", sagt Mario Heinemann von der Polizei. Auf diese Verantwortung und Beratungsmöglichkeiten sollten die Campingplatzbetreibenden hinweisen.

„Informieren Sie sich über Fakten und Risiken des sexuellen Missbrauches, denn Unkenntnis begünstigt diesen“, so der Ratschlag der Polizei. Außerdem sollte Missbrauch kein Tabuthema sein. Das erleichtere den Betroffenen sich anzuvertrauen. „Beachten sie Signale, bleiben sie aufmerksam und vertrauen Sie den Aussagen der Kinder, denn Kinder erfinden kaum eine an ihnen begangene Straftat.“

Brandenburger Polizei gibt Tipps: Handeln bei Missbrauchsverdacht

Grundsätzlich gilt: Wer den Verdacht hat, ein Kind könnte sexuell missbraucht werden, sollte sich fragen, welche Signale und Verhalten sowohl bei dem Kind als auch dem Erwachsenen auffällig sind. Zieht sich das Kind zum Beispiel zurück und spricht kaum? Ein Hinweis auf Missbrauch können auch körperliche Spuren wie Kratzer, Bisse oder Rötungen sein.

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"Gehen Sie mit der Vermutung offen um", empfiehlt Mario Heinemann. Sprechen Sie mit einem guten Bekannten, dem Jugendamt oder Beratungsstellen. Für das Kind sollte man sich Zeit nehmen und Vertrauen aufbauen, damit es möglicherweise über seine Erfahrungen sprechen kann. Außerdem rät Mario Heinemann, die Eltern des Kindes einzubeziehen. "Schaffen sie über ein neutrales Thema eine Vertrauensbasis, um den Verdacht zu thematisieren."

Im Missbrauchsfall sollten Außenstehende sofort handeln: „Kümmern sie sich um betroffene Kinder, holen sie Hilfe und erstatten sie Anzeige“, sagt Mario Heinemann von der Brandenburger Polizei.

Kindesmissbrauch: Wo gibt es Hilfe?

Hilfsangebote in der Region bieten zum Beispiel folgende Institutionen an: die Kinderschutzkoordination Dahme-Spreewald, das Jugendamt Dahme-Spreewald in Lübben, die ASB-Schutzstelle in Königs Wusterhausen oder die Regionale Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe Landkreis Dahme-Spreewald (Rekis). Weitere Informationen zu dem Hilfsangebot gibt es auf der Website der Fachstelle Kinderschutz.

Die Bundesregierung bietet ein Hilfstelefon für Kinder und Jugendliche in Notlagen an, das rund um die Uhr erreichbar ist unter der Tel. 116 111. Mehr Information dazu gibt es im Internet auf dem Familienportal.

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