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Wirtschaft

Interview zur Lage des Handwerks: „Ich vergebe bereits Termine für 2023“

Malermeister Frank Haarmann aus Königs Wusterhausen.

Malermeister Frank Haarmann aus Königs Wusterhausen.

Königs Wusterhausen. Frank Haarmann liebt seinen Beruf. Vor einem Jahr wurde er zum Obermeister der Märkischen Maler- und Lackiererinnung Königs Wusterhausen gewählt. Der 53-Jährige weiß, wie Kunden und Berufskollegen ticken.

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Böse Zungen behaupten, die Auftragslage in Ihrer Brache ist so angespannt, dass selbst unbegabten Bauherren und Mietern bald nichts anderes mehr übrig bleibt, als selbst zu Pinsel und Farbe zu greifen.

Frank Haarmann: Ganz so ist es nicht.

Wie ist es dann?

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Bei Innenarbeiten sollte man zwei, drei Monate vorher anfragen. Dann klappt es auch mit dem Termin. Wer nicht so lange warten kann, dem bleibt wirklich nichts anderes übrig, als selbst Hand anzulegen. Beispielsweise wenn die neue Küche geliefert wird, man es aber versäumt hat, rechtzeitig einen Maler zu bestellen. Idealerweise bestellt man den Maler bereits, wenn die Küche geplant wird. Etwa ein Jahr im Voraus sollte man wegen der Neugestaltung seiner Hausfassade anfragen. Da vergebe ich jetzt bereits Termine für 2023.

Was aber, wenn jemand nach dem Tod eines Angehörigen dessen Wohnung vor der Übergabe renovieren oder sein Bad nach einem Wasserschaden wieder in Schuss bringen muss?

In solchen Notfällen versuchen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten kurzfristig zu helfen. Aber selbst das gelingt nicht immer.

Warum?

Weil die Auftragsbücher fast das ganze Jahr über voll sind. Das war vor noch gar nicht allzu langer Zeit ganz anders. Da musste ich im Winter sogar einen Angestellten für zwei Monate nach Hause schicken, weil keine Arbeit da war. Das hat mir so manche schlaflose Nacht bereitet. Heute ist Auftragsmangel kein Thema mehr.

Wie ist die Zahlungsmoral der Kunden?

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Top. Zahlungsschwierigkeiten kenne ich nicht mehr. Wobei ich zu neunzig Prozent für Privatkunden arbeite.

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Welchen Einfluss hat und hatte Corona auf die Auftragslage und den Materialnachschub?

Wegen der Corona-Auflagen waren Auslandsreisen lange Zeit tabu. Deshalb hat sich so mancher Kunde dafür entschieden, mit dem eigentlich für den Urlaub bestimmten Geld die Fassade seines Hauses, ein Zimmer oder die ganze Wohnung schick machen zu lassen. Materialengpässe bei Farben und Tapeten gab und gibt es so gut wie gar nicht. Preissteigerungen zwischen fünf und zehn Prozent hingegen schon. Dabei wird es wahrscheinlich nicht bleiben.

Malereinsatz im Schwulen Museum in Berlin

Welche waren Ihre bislang ungewöhnlichsten Arbeitsorte?

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Beispielsweise das Sony-Center, die österreichische beziehungsweise isländische Botschaft in Berlin. Gleich um die Ecke vom Ku’damm haben wir mal im „Schwules Museum“ ein riesengroßes Wandbild geklebt.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag aus?

Bevor es auf die Baustelle geht, schreibe ich im Büro Angebote und beantworte Anfragen. Gegen 8 Uhr fahre ich raus zu den Kunden. Wenn ich spätnachmittags zurück bin, bearbeite ich wieder Angebote und schreibe Rechnungen. Mit einer 40-Stunden-Woche ist das alles natürlich nicht zu schaffen. Da kommt man schnell auf sechzig Stunden. Trotzdem macht mir mein Beruf immer noch Spaß.

Warum?

Weil man am Ende des Tages sieht, was man geschafft hat. Maler machen Räume schön und Menschen glücklich.

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Wann haben Sie sich selbstständig gemacht?

Vor 26 Jahren in Berlin gemeinsam mit einem Geschäftspartner. Der ist voriges Jahr aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden. Aktuell habe ich zwei Gesellen und eine Bürokraft und ab September einen Lehrling. Der junge Mann hat zwei Schülerpraktika absolviert und anschließend seinen Ausbildungsvertrag bekommen. Nach bestandener Lehre ist die Übernahme garantiert. Besser geht’s nicht.

Welche Arbeiten hat ein Schülerpraktikant zu erledigen?

Das Standardprogramm: spachteln, schleifen, streichen. Alles andere lernt man in der Berufsausbildung. Der Beruf ist ja sehr vielseitig. Maler streichen nicht bloß Wände weiß. Da müssen Fassaden erneuert, hin und wieder Innenräume mit Stuckleisten und Ornamenten gestaltet werden.

Wie hoch ist die Ausbildungsvergütung?

Maler-Azubis liegen im Vergleich zu anderen Handwerksberufen im vorderen Mittelfeld. Im ersten Lehrjahr beträgt der monatliche Ausbildungslohn 710 Euro brutto. Azubis im zweiten Lehrjahr bekommen 780 Euro und im dritten Lehrjahr 945 Euro. Ab August erhöhen sich die Beträge für das erste Lehrjahr um weitere 30 Euro und für das zweite und dritte Lehrjahr um 35 Euro. Angehende Elektrotechniker und Metallbauer bekommen nach meinen Informationen eine geringere Ausbildungsvergütung, Maurerlehrlinge hingegen mehr Geld.

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Aktuell liegt der Branchenmindestlohn für gelernte Maler und Lackierer bei 13,80 Euro in der Stunde. Genügt das, um einen guten Gesellen in der eigenen Firma zu halten?

Der Mindestlohn ist ja als Einstiegsgehalt nach der Lehre gedacht. Wer sich gut macht, klettert auf der Gehaltsleiter relativ schnell nach oben. Auch ein Firmenauto und ein Handy sind heutzutage eigentlich Standard. Wobei ein Firmenauto eine mobile Werkstatt ist, in der sich die ganzen Ausrüstung befindet, die ein Maler braucht: Eimer mit Pinseln und Walzen, Akku-Schrauber, Sauger, Schleifer, Abdeckfließ, Klebebänder…

Angenommen, ein von Ihnen ausgebildeter Geselle möchte Meister werden und sich anschließend selbstständig machen. Sehen Sie ihn eher als Konkurrenz oder Bereicherung?

Als Bereicherung. Und ich würde ihn auch auf seinem Weg zum Meister unterstützen. Wobei er erst einmal vier, fünf Jahre als Geselle arbeiten sollte, etwa um praktische Erfahrungen im Umgang mit den Kunden, Materialien und Problemen zu sammeln.

Von Frank Pechhold

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