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Königs Wusterhausen

Archäologen entdecken wahre Fundgrube

Bei den Ausgrabungen wurde diese Marke einer Weinflasche von 1746 gefunden.

Bei den Ausgrabungen wurde diese Marke einer Weinflasche von 1746 gefunden.

Königs Wusterhausen.Kerstin Geßner kann ihr Glück kaum fassen. Mit dem ersten Spatenstich landete sie praktisch schon einen Volltreffer. Bei Ausgrabungen nahe der Kreuzkirche in Königs Wusterhausen legte die Archäologin eine wahre Fundgrube frei.

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„Vorsicht, da bitte nicht drüber laufen“, ruft sie ihrem Kollegen Boris Freytag zu. Er steht auf einer rechteckigen, fünf mal zwei Meter großen Fläche, von der rund 30 Zentimeter Erde abgetragen wurden. An mehreren Stellen ragen kleine Teile aus Keramik und Glas aus dem Boden, die von den Experten noch geborgen werden müssen.

Boris Freytag und Kerstin Geßner wurden gleich am ersten Tag fündig.

Boris Freytag und Kerstin Geßner wurden gleich am ersten Tag fündig.

Ein Eimer am Rand der Ausgrabungsstelle ist schon voll damit. Kerstin Geßner greift vorsichtig hinein und holt einen kleinen runden Gegenstand heraus, der wie eine Münze aussieht. Auf der Oberfläche sind Buchstaben und die Jahreszahl 1749 zu sehen. Die vermeintliche Münze ist aus Glas und die Marke auf einer Weinflasche gewesen, wie Kerstin Geßner erklärt. Solche Weinflaschen hat sie hier schon viele entdeckt. Dann zeigt sie ein Stück Keramik mit einem blau-weißen Muster, das für chinesisches Porzellan typisch ist. Auch das stammt aus dem 18. Jahrhundert, sagt Kerstin Geßner, ist aber wahrscheinlich kein Original. „Echtes chinesisches Porzellan war viel zu teuer, deshalb hat man es nachgemacht“, so die Expertin.

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Reste eines vornehmen barocken Picknicks

Sie ist sicher, dass sie auf die Spuren eines vornehmen barocken Picknicks gestoßen ist. „Das sind Überreste eines sehr großen Gelages aus dem Umfeld der höfischen Kultur. Das sind Zeugnisse einer gehobenen Tischkultur, hier haben keine einfachen Leute gefeiert“, urteilt Kerstin Geßner. Vielleicht war es sogar eine Gesellschaft aus dem nahe gelegenen Schloss, in dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. residierte. Sein Sohn und Nachfolger Friedrich II. nutzte es nach dem Tod des Vaters im Jahr 1740 zwar nicht mehr, späteren preußischen Königen diente es aber wieder als Jagdschloss.

Pfeifen-Stiele aus Ton und Keramikscherben, beides aus der Barockzeit.

Pfeifen-Stiele aus Ton und Keramikscherben, beides aus der Barockzeit.

Für das höfische Gelage spricht eine weitere Entdeckung, die Kerstin Geßner gemacht hat. Sie fand barocke Pfeifen-Stiele aus Ton in dem Boden. Wie alt sie sind, lässt sich noch nicht sagen. Aber sofort kommt einem das legendäre Tabakskollegium in den Sinn, zu dem der Soldatenkönig nebenan im Schloss regelmäßig einlud. Doch auch so ist die Ausgrabung schon ein Erfolg. „Derartige Funde sind äußerst selten“, sagt Kerstin Geßner. Neben den Scherben wurde außerdem schon eine Grabstelle freigelegt.

Ausgrabungen auf rund 1000 Quadratmetern

Die Ausgrabungen auf dem rund 1000 Quadratmeter großen früheren Kirchengrundstück haben erst in dieser Woche begonnen. Die Fläche gehört jetzt dem Landkreis Dahme-Spreewald, der sie für den Bau des neuen Jobcenters benötigte. Am Montag war Baustart mit dem symbolischen ersten Spatenstich. Auf der anderen Seite grenzt die Ausgrabungsstelle an das Grundstück des Pfarrhauses, dessen Umbau zum evangelischen Zentrum bald beginnt.

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Vor einigen Jahren stießen Forscher bei Ausgrabungen vor dem Ausbau der Gerichtsstraße unweit des Schlosses auf Reste eine mittelalterlichen Friedhofs. Bei Grabungen vor dem Bau der Arztpraxis neben der Kreuzkirche wurden hingegen kein besonderen Entdeckungen gemacht.

Von Frank Pawlowski

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