Darum ist Trödel-TV mit Vorsicht zu genießen

Königs Wusterhausen. André Hübner hockt vor einer Kiste und begutachtet den Inhalt. Jedes einzelne Stück nimmt er in die Hände. Ein kleiner Lampenschirm, Kerzenständer, Teller. Zwei Mäusefiguren aus weißem Porzellan schaut er sich genauer an. Sofort erkennt er, dass es sich hier um eine kleine Rarität handelt. Doch sie hat einen entscheidenden Makel. Ein Mäuseohr ist abgebrochen. Das schmälert den Wert erheblich.
Das Ehepaar im Antik-Center an der Schlossplatz-Kreuzung in Königs Wusterhausen packt die Mitbringsel wieder ein. Es hat zwar nichts verkaufen können, doch der Besuch hat sich für das Paar trotzdem gelohnt. André Hübner hat im Handumdrehen den kleinen Nachlass grob bewertet. Wer weiß, was sich damit noch anfangen lässt. Es kommt immer wieder mal vor, dass sich Kunden seinen Rat holen. Oft zeigen sie Fotos der Gegenständen, die er taxieren soll.
Trödeln ist zum Volkssport geworden, seit es Sendungen wie „Trödeltrupp“ oder „Bares für Rares“ im Fernsehen gibt. Antiquitätenhändler André Hübner kann darüber jedoch nur schmunzeln. „Das sollte man nicht so ernst nehmen. Für die Zuschauer ist das interessant, aber es ist eben nur eine Show.“ Er meint damit vor allem, wie da gefeilscht und gehandelt wird. Mit der Wirklichkeit habe das meistens wenig zu tun. „Aber die Objekte sind echt“, sagt Hübner.
Sein Geschäft wird vom Trödel-TV jedoch kaum beeinflusst. Das hat sich vor allem mit dem Internet gravierend verändert. „Das ist Fluch und Segen zu gleich“, sagt er. Dem Internet ist es zu verdanken, dass Hübners Antiquitätenhandel bundesweit bekannt ist. Er hat Kunden in München, Hamburg und Dresden. Gleichzeitig geht Umsatz verloren, weil Sammler selbst die Sachen finden, die sie suchen. Bei Münzen, Briefmarken oder Puppen ist das zum Beispiel so. Hübner schwenkte deshalb schon vor einigen Jahren um. Er hat sich auf den Handel mit Gründerzeit-Möbeln aus dem 19. Jahrhundert spezialisiert.
Eine wahre Fundgrube
Der Laden ist eine wahre Fundgrube. Vom filigranen Serviertisch über die Standuhr bis zum wuchtigen Buffet reicht die Auswahl. Den dekorativen Flechtstuhl aus den 19920er gibt es dort ebenso wie den praktischen Kleiderschrank von 1870. „Ich mag das selber gerne. Das hat etwas Kreatives, Individuelles und Warmes“, sagt er. Auch die Kunden mögen das. Hübner berichtet, dass Häuslebauer gerne antike Möbel oder Einrichtungsgegenstände bei ihm kaufen. Sie wollen dem Haus damit etwas Pep verleihen. Meist mit kleinen Details, wie der besondere Lampe oder dem kleinen Hocker für den Flur. „Alles, was schön und ausgefallen ist und was man nicht von der Oma bekommen kann, ist gefragt“, sagt André Hübner. Schon für wenige hundert Euro gibt es eine Gründerzeit-Kommode.
Sein Vater und sein Onkel eröffneten 1990 den Antik-Laden in Königs Wusterhausen. Er befand sich bis vor Kurzem in der Berliner Straße, wie man an der Beschriftung am Haus noch gut sehen kann. Heute ist es der einzige Antikhandel weit und breit. Auf Kundenwunsch lässt Hübner die Möbel restaurieren. Die Werkstatt befindet sich in einem hinteren Bereich des Ladens. Das ist aber gar nicht immer nötig. Hübner kauft die Möbel nur, wenn sie im guten Zustand sind. Alle Ausstellungsstücke könnten direkt beim Kunden aufgestellt werden.
Größte Postkartensammlung
Verstreut in Vitrinen und Regalen steht Geschirr, an den Wänden hängen Bilder. Auch einige kleine Gegenstände hat André Hübner stets im Angebot. Besonders stolz ist er auf die, wie er sagt, größte Postkartensammlung von Königs Wusterhausen. Sie enthält mehr als 400 historische Motive, auch aus Wildau und weiteren Nachbarorten. Ein weiterer Schatz ist eine Familienbibel von 1832.
In der kurzen Zeit, in der André Hübner durch sein Reich führte, sind 15 Nachrichten auf seinem Smartphone aufgelaufen. Der Antik-Experte ist sehr gefragt.
Von Frank Pawlowski
MAZ
