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Tourismus

Camping in Königs Wusterhausen: Ferien an der Costa Körbi

Der Campingplatz in Körbiskrug hat einen direkten Zugang zum Zeesener See.

Der Campingplatz in Körbiskrug hat einen direkten Zugang zum Zeesener See.

Körbiskrug. Noch ist es recht ruhig auf dem Platz. Zwischen den Kiefern und Birken flattern Tauben, Spatzen pfeifen fröhlich vor sich hin. Man hört das Schlappen von Badelatschen, vor einem Wohnwagen werden bereits die Sonnenstühle zurechtgerückt und es wird freundlich gegrüßt. An diesem Samstagvormittag lassen es die Gäste im Campingdomizil Körbiskrug langsam angehen.

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Campingplatzchef Roberto Heß kümmert sich auch ums leibliche Wohl seiner Gäste.

Campingplatzchef Roberto Heß kümmert sich auch ums leibliche Wohl seiner Gäste.

Campingplatz-Chef Roberto Heß hat allerdings schon allerlei zu tun. Er werkelt in der Küche, bereitet Zanderfilet und Kartoffeln vor, die zum Mittagstisch in der Pfanne und im Backofen landen sollen. „Wir kochen grundsätzlich frisch“, sagt der 57-Jährige. Freitagabend und am Wochenende steht der passionierte Koch am Herd, um im „Fröhlichen Grashüpfer“ – dem Campinglokal mit Biergarten – die Kundschaft im Campingdomizil zu verköstigen. „Das ist ein Service für die Gäste hier, die gerne auch mal nett und gepflegt zum Essen gehen und sich gut unterhalten wollen“, erklärt Roberto Heß.

Gastronomie am Zeesener See: Schnitzel und Brathering auf dem Campingplatz

Auf der kleinen Karte gibt es Schnitzel Wiener Art, hausgemachten Brathering oder auch eine ordentliche Portion Pommes. „Jahrelang war das Bauernomelett der Renner. Ich konnte es schon nicht mehr sehen“, sagt Roberto Heß und lacht. Er freut sich, wenn er stattdessen das viel gewünschte Schweinerückensteak mit Schwarzbiersoße zubereiten kann.

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Lesen Sie hier:Die schönsten Badestellen im Dahmeland

„Es schmeckt jedes Gericht“, attestiert ihm Marina Jarmuszkiewicz. Die 67-Jährige schaut erst einmal auf die Uhr, ob noch genug Zeit für ein Schwätzchen bleibt. Denn gegessen wird pünktlich um 13 Uhr. Die Berlinerin gehört zu den alteingesessenen Dauerpächtern im Campingdomizil. Vor 28 Jahren kam sie auf Empfehlung von Bekannten einmal von der Stadt für ein paar erholsame Tage an den Zeesener See. „Nach dem Urlaub wollte ich nicht mehr weg von hier und habe nach einem eigenen Bungalow gesucht“, erzählt sie.

Sie verbindet mit den regelmäßigen Aufenthalten viele schöne Erinnerungen. Und es ist ein wichtiger Ort für die Familie aus Marzahn. Sie verbrachten viel Zeit hier, genossen die Ruhe, das Grün und die Freiheit, in der Kinder toben und entdecken können. „Ich bin hier groß geworden“, erzählt ihre mittlerweile erwachsene Tochter Janina Schlisio. Seit dieser Saison haben sie und ihr Mann André einen eigenen Bungalow gepachtet und bezogen.

Die Bungalows auf dem Campingplatz sind in unterschiedlichen Farben gestaltet.

Die Bungalows auf dem Campingplatz sind in unterschiedlichen Farben gestaltet.

Frisch hergerichtet ist er, duftet noch nach Kiefernholz. Eine kleine Küchenzeile und eine weiße Essecke entdeckt man, wenn man zur Haustüre hereinguckt. Im hinteren Bereich befindet sich ein weiterer Raum, der als Wohn- und Schlafzimmer dient.

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„Wenn mir als Jugendliche jemand gesagt hätte, ich würde mich später selbst einmal in so einer Hütte wiederfinden, hätte ich ihn für verrückt erklärt“, sagt die 35-Jährige. Doch die Zeiten ändern sich. Nun ist sie selbst Mutter, ihr Sohn Jasper gerade fünf Monate alt. Für ihn wünscht sie sich eine ebenso schöne Kindheit inmitten der Natur am Zeesener See.

Marina Jarmuszkiewicz und ihr Schwiegersohn André Schlisio vor dem frisch renovierten und bezogenen Bungalow.

Marina Jarmuszkiewicz und ihr Schwiegersohn André Schlisio vor dem frisch renovierten und bezogenen Bungalow.

Auch André Schlisio ist schon begeistert vom neuen Domizil. „Wir sind nach Möglichkeit jedes Wochenende hier und auch im Sommerurlaub. Jeden Morgen gehe ich zum See. Ich fahre auch manchmal von hier aus zur Arbeit“, erzählt er. Nun warten die beiden gespannt darauf, dass ihr Bungalow noch den typischen bunten Anstrich bekommt. „Wir haben uns für Rot entschieden“, verrät der 32-Jährige. „Es wird wie ein kleines Schwedenhaus“, schwärmt er.

Geschichte des Campingplatzes am Zeesener See geht bis in die 1960er Jahre zurück

Vor mehr als 60 Jahren wurden die ersten der Bungalows auf der damals noch baumlosen Sanddüne errichtet. Anfang der 1960er Jahre entstand so das Campingdorf Körbiskrug. Träger war die KWV – die Kommunale Wohnungsverwaltung Berlin-Mitte. Zu DDR-Zeiten verwaltete diese unter anderem Wohnungen in der Karl-Marx-Straße und am Strausberger Platz.

Historische Postkarte aus den 1960er Jahren.

Historische Postkarte aus den 1960er Jahren.

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„Das Campingdorf war dafür gedacht, dass Mitarbeiter und später auch Mieter subventionierten Urlaub machen konnten“, erklärt Roberto Heß. Er besitzt noch historische Postkarten aus jener Zeit. Reih in Reih standen schon damals die kleinen Holzbauten mit ihren überdachten Terrassen.

Campingdomizil Körbiskrug: Hübsche Holzhäuser und Platz für Wohnwagen

Von den einst 50 Häuschen stehen noch 49. Über die Jahre wurden und werden sie saniert, modernisiert und aufgehübscht. Zwischen 24 und 36 Quadratmeter bieten die farbenfrohen Bungalows Platz für Erholungssuchende, Familien und Paare. Vier Bungalows müssen noch aufgemöbelt werden, erzählt Roberto Heß.

Der heute 57-Jährige ist schon ein alter Hase im Camping-Betrieb. Privat ist er begeisterter Camper, machte bereits eine Wohnmobiltour durch die Rocky Mountains in den USA. Viele Jahre war er auf Landes- und Bundesebene beruflich für Camping-Verbände tätig, arbeitete als Geschäftsführer eines Camping-Unternehmens. 2007 ergab sich die Gelegenheit, den Platz in Körbiskrug zu übernehmen. „Für mich war das der Schritt in die Zukunft“, so Heß, der nun seit 1. Januar 2008 sein eigener Chef ist.

Viel zu gucken gibt es beim Besuch im Campingdomizil Körbiskrug: Die Pächterinnen und Pächter haben es sich schön eingerichtet.

Viel zu gucken gibt es beim Besuch im Campingdomizil Körbiskrug: Die Pächterinnen und Pächter haben es sich schön eingerichtet.

Die Gäste und Dauercamper schätzen seine offene und freundliche Art – und natürlich auch seine Kochkünste. Besonders in den Sommermonaten ist viel zu tun auf dem Platz. Da dauere ein Arbeitstag schon mal zwölf bis 14 Stunden, rechnet er vor. Deshalb sorgt auch seine Lebensgefährtin Ines Balzer mit dafür, dass sich die Menschen auf dem Platz wohlfühlen und einen Ansprechpartner haben. Vormittags assistiert sie in der Küche, schält Kartoffeln und hilft bei den Vorbereitungen. Danach greift sie selbst zu Schüssel und Rührgerät, bäckt Kuchen für den Nachmittag. Da steht sie dann an der Rezeption und kümmert sich um die Anliegen der Camper und um den Empfang der Neuankömmlinge.

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„Der Platz ist ein eigener Mikrokosmos“, erklärt Roberto Heß. Die Menschen kennen sich, es gibt eine gute Gemeinschaft. Viele sind schon seit Jahrzehnten hier, manche haben schon zu DDR-Zeiten hier ihre Ferien verbracht, weiß er zu berichten. Einige Bungalows bietet Roberto Heß zur Ferienvermietung an, auch Plätze für Urlauber mit Wohnmobil und Campingwagen sind einige vorhanden. 75 Prozent der Plätze im Campingdomizil sind allerdings dauerverpachtet. 80 Prozent dieser Dauergäste kommen aus Berlin, vorwiegend aus den südlichen und östlichen Randbezirken. „Es sind mittlerweile aber auch Neuköllner und Menschen aus den Westbezirken bei uns“, so der 57-Jährige.

Campingdomizil Körbiskrug: Ein Refugium für Berlinerinnen und Berliner

Die Städter suchen gerade für das Wochenende und den Sommer etwas im Grünen. „Man hat hier endlose Wälder, kann angeln, baden und im Herbst Pilze sammeln. Kinder können sich hier frei bewegen, hier geht keiner verloren“, zählt Heß die Vorzüge des kleinen Platzes mit der schönen Uferlage auf.

Beliebter Treffpunkt auf dem Campingplatz: der Biergarten.

Beliebter Treffpunkt auf dem Campingplatz: der Biergarten.

All das schätzen auch Britta und Jens Schaffrath. Hinter den Bungalows haben sie sich mit einem Wohnwagen, einem ausgebauten Vorzelt und einem schön angelegten Gärtchen ihre eigene grüne Oase auf 135 Quadratmetern geschaffen. Der 56-Jährige ist schon dabei, die Terrassendielen zu reinigen, gleich soll die Hollywoodschaukel auf ihre Position gerückt werden. „Und auch der Pool muss noch aufgebaut werden“, bemerkt Britta Schaffrath.

Seit 30 Jahren haben Britta und Jens Schaffrath aus Berlin ihr grünes Refugium in Körbiskrug.

Seit 30 Jahren haben Britta und Jens Schaffrath aus Berlin ihr grünes Refugium in Körbiskrug.

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Seit 30 Jahren verbringt das Paar einen Großteil seiner freien Zeit auf dem Platz. „Wir haben mit dem Klappfix angefangen, dann den ersten Wohnwagen gekauft“, erzählt Jens Schaffrath. „Wir nutzen den Platz eigentlich das ganze Jahr“, erzählt der Berliner. Vor zehn Jahren haben sie den jetzigen Standort bezogen. Mit viel Detailliebe haben sie Sträucher gepflanzt, einen Holzzaun errichtet und sich so ein schönes Fleckchen erarbeitet. Was sie zudem schätzen: „Es gibt hier noch ein bisschen DDR-Feeling, hier hilft jeder jedem, es ist eine tolle Gemeinschaft“, sagt der 56-Jährige.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass an diesem Samstagvormittag in vielen Gärten schon Menschen beisammensitzen, Kaffee trinken und über die vergangenen Tage plaudern. Auch Schaffraths haben schon Besuch bekommen: Jessica Hermann und Hündin Uschi. Sie sind ebenfalls schon lange Teil der Gemeinschaft an der „Costa Körbi“, wie viele das Campingdomizil liebevoll nennen.

Camping in Königs Wusterhausen: Wohnwagen, Terrasse und Blich auf den Zeesener See

Ihr Refugium befindet sich nur eine Minute Fußweg entfernt im hinteren Teil des Campingplatzes. Hier haben sich Jessica und Ronny Hermann eine stattliche Terrasse eingerichtet, überall finden sich Töpfe und Regale mit Blümchen, Kräutern und kleinen dekorativen Figuren. Auch ein Räucherofen und ein beheizbarer Pool mit Seeblick kann das Paar sein Eigen nennen. „Das ist alles mit den Jahren gewachsen. Wir haben mit nur drei Stühlen angefangen“, sagt die 43-Jährige.

Jessica und Ronny Hermann mit Hündin Uschi - sie lieben ihre gemütliche Terrasse und ihren schönen Garten im Campingdomizil.

Jessica und Ronny Hermann mit Hündin Uschi - sie lieben ihre gemütliche Terrasse und ihren schönen Garten im Campingdomizil.

Ihre Tochter im Teenager-Alter hat hier mittlerweile ihren eigenen kleinen Wohnwagen. „Sie war immer mit dabei. Durch die Nähe zur Natur konnten wir sie nachhaltig großziehen. Sie hat viel kennengelernt, Frösche, Schlangen und Vögel“, erzählt die Berlinerin.

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Die Familie nimmt so oft es geht den einstündigen Weg von der Großstadt nach Körbiskrug auf sich, um hier Freiheit, Ruhe und Natur zu genießen. „Hier hat man Luft zum Atmen“, findet Ronny Hermann. Selbst im Winter verbringen sie hier viel Zeit – entsprechend gut sind Campingwagen und der dazugehörige Haushalt ausgestattet. „Man braucht nur ’nen Wechselschlüpper und den Wocheneinkauf einpacken“, bringt es der Berliner mit einem Schmunzeln auf den Punkt.

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Die Mittagszeit ist nun angebrochen. Roberto Heß hat sich deshalb gänzlich in die Küche zurückgezogen. Mit umgebundener Schürze zieht er vorsichtig die erste Portion Zander aus dem Ofen, um den Fisch zu begutachten. Auf einem Plastikbrett ruhen die geschnittenen Kartoffeln, ein Rosmarinzweig liegt für sie parat. Die Butter zerläuft auch schon in der Pfanne und das Schnitzel wartet nach der Panierstraße darauf, gebrutzelt zu werden.

Das Campingdomizil wird auch liebevoll „Costa Körbi“ genannt.

Das Campingdomizil wird auch liebevoll „Costa Körbi“ genannt.

Aber als geübter Küchenchef bleibt trotzdem noch Zeit für das Beantworten von Fragen. Und eine wichtige ist noch unbeantwortet: Was hat es mit der „Costa Körbi“ eigentlich auf sich? Auf Roberto Heß Gesicht zeichnet sich ein breites Grinsen ab. Das sei eine alte Geschichte. Und die trug sich in einer launigen Runde der Camper in den 2000ern zu. Damals fiel der entscheidende Satz: „Ich muss gar nicht an die Costa del Sol, ich brauch nur die Costa Körbi.“

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